Konjunktur und Inflation EZB senkt zum achten Mal die Leitzinsen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die von hohen US-Zöllen bedrohte Wirtschaft im Euroraum darf auf günstigere Kredite hoffen, denn zum achten Mal seit Juni 2024 senkt die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum.

Zum achten Mal hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen gesenkt, um den Euro zu stabilisieren. Hier ein Bild der Lage und zu den Aussichten für die nächsten Jahre ...(Bild:  EZB)
Zum achten Mal hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen gesenkt, um den Euro zu stabilisieren. Hier ein Bild der Lage und zu den Aussichten für die nächsten Jahre ...
(Bild: EZB)

Mit der Senkung der Leitzinsen durch die EZB wird es für Unternehmen tendenziell billiger, sich für Investitionen Geld zu leihen - das kann die Konjunktur ankurbeln. Privatsparer jedoch müssen mit niedrigeren Tages- und Festgeldzinsen rechnen. Die EZB senkt den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins, genauer gesagt, um 0,25 Prozentpunkte auf zwei Prozent. Damit hat die Notenbank den Einlagenzins seit Beginn der Zinssenkungen im vergangenen Sommer halbiert. Auch setzen die Euro-Währungshüter den Zins weiter herunter, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können. Das heißt, statt 2,4 Prozent werden nun 2,15 Prozent fällig. Zum weiteren Kurs gab es zunächst keine konkreten Hinweise der Notenbank, denn die Lage sei weiterhin von außergewöhnlich hoher Unsicherheit geprägt. Das Hauptziel der EZB sind stabile Preise und damit ein stabiler Euro. Erreicht werde das mittelfristig bei einer Inflationsrate von zwei Prozent im Währungsraum der 20 Staaten.

Der sprunghafte Zollstreit ist pures Gift

Volkswirte hatten mit dem Schritt schon gerechnet, weil die Inflation im Euroraum deutlich zurückgegangen ist. Zugleich belastet der Zollstreit mit den USA die Konjunktur. Allein die Unsicherheit ist Gift, wie EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem Interview betonte. Der Handelskonflikt beeinträchtige Investitionen, schwäche das Vertrauen der Haushalte und verringere die Wachstumsaussichten der europäischen Wirtschaft. Die Handelsgespräche sind aber noch nicht abgeschlossen. Doch letztlich würden die Zölle wahrscheinlich höher ausfallen als vor dem Antritt der neuen US-Regierung. Sollte China wegen der US-Handelsschranken auch noch seine Exporte nach Europa umleiten, werde das weitere erhebliche negativen Auswirkungen haben.

Starker Euro als Chance im Welthandel

Im laufenden Jahr traut die EZB der Wirtschaft im Euroraum trotz des Zollstreits mit den USA weiterhin 0,9 Prozent Wachstum zu. Für 2026 erwartet die Notenbank nun einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes

(BIP) im Währungsraum um 1,1 Prozent. Im März war die Prognose mit 1,2 Prozent noch etwas optimistischer. Während die Unsicherheit um die Handelspolitik die Investitionen und Exporte vor allem kurzfristig belasten dürften, werden steigende öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur das Wachstum auf mittlere Sicht zunehmend stützen, so die EZB. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht durch die Erschütterung der seit Jahrzehnten bestehenden Weltordnung ebenfalls erhebliche Risiken für die Wirtschaft, wie sie jüngst in Berlin sagte. An die Stelle der multilateralen Zusammenarbeit sind Nullsummendenken und bilaterale Machtspiele getreten, bemerkt Lagarde, ohne dabei den Namen Trump zu nennen. Zugleich eröffneten sich neue Chancen, weil Angesichts des derzeitigen Wandels die Zeit reif zu sein scheint, für eine größere internationale Rolle des Euro.

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