Mechanik über Menschlichkeit? Familien verlieben sich besonders schnell in Roboter

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Familien können innerhalb weniger Jahre schon zu einfachen Robotern enge Beziehungen aufbauen, will ein kanadisches Forscherinnenduo im Rahmen eines Experiments herausgefunden haben ...

Das ist Luka! Es ist ein Vorleseroboter für Vorschulkinder, die so schneller das Lesen lernen sollen. Ein mehrjähriges Experiment in Kanada hat jetzt außerdem gezeigt, dass so ein smartes Spielzeug schnell zum Familienmitglied werden kann ...(Bild:  Chosewill)
Das ist Luka! Es ist ein Vorleseroboter für Vorschulkinder, die so schneller das Lesen lernen sollen. Ein mehrjähriges Experiment in Kanada hat jetzt außerdem gezeigt, dass so ein smartes Spielzeug schnell zum Familienmitglied werden kann ...
(Bild: Chosewill)

Bei dem Versuch der beiden Forscherinnen bekamen 19 Familien im Jahr 2021 einen Vorleseroboter mit dem Namen Luka hingestellt. Dieser sollte Kindern im Vorschulalter dabei helfen, lesen zu lernen. Vier Jahre später befragte man die betreffenden Familien über ihr Verhältnis zu der Maschine. Demnach hatte Luka seine eigentliche Aufgabe bereits jetzt erfüllt! Er sollte die Seiten gedruckter Bilderbücher scannen und vorlesen, um den Kindern so zu helfen, frühzeitig Lesekompetenz zu entwickeln. Doch obwohl die Kinder Luka eigentlich später nicht mehr brauchten, wurde der Roboter meist nicht entsorgt. Denn 18 Familien hatten Luka noch und einige hatten offensichtlich auch eine Beziehung zu ihm aufgebaut. Demnach bezeichnete ein Kind den 24 Zentimeter großen Roboter, der einer Eule ähnelt und mit Kamera und Lautsprechern ausgestattet ist, als den kleinen Bruder. Ein anderes sagte, dass Luka das einzige Haustier ist, das es je hatte. Und ein weiteres Kind gab an, es sei der einzige Freund, der ihn nie verlassen habe. Zusätzlich dazu bemerkten etliche Eltern, dass sie Luka eher für sich selbst als für ihre Kinder aufbewahrten – quasi als eine nostalgische Erinnerung an Gute-Nacht-Geschichten. In einem Fall wurde Luka aber an einen jüngeren Cousin weitergereicht.

Beziehung zum Roboter entwickelt sich und bleibt bestehen

Die Studie zeigt den Autoren zufolge, dass selbst relativ einfache Roboter Teil des Lebens einer Familie werden können. Er ist sozusagen ein Teil der Familiengeschichte. Ein anderer scherzte, dass der Roboter dem Kind wahrscheinlich aufs College folgen wird. Luka stand teils auf Bücherregalen, Schreibtischen oder Nachttischen. Eine Familie legte ein Deckchen darunter. Eine andere verpasste ihm ein handgemaltes Namensschild. Die Ergebnisse würden schließlich zeigen, dass Kinder, wenn sie älter würden, den Roboter nicht ignorierten, sondern einfach neu interpretierten. Ihre Beziehung zu ihm entwickle sich zwar, verschwinde aber nicht. Manche begannen demnach, Luka etwas beizubringen. Andere erfanden für ihn Gute-Nacht-Geschichten oder nutzten ihn, um jüngere Geschwister zu beruhigen. Viele luden ihn weiterhin auf, einige verwendeten ihn weiter als Musik- oder Hörspielgerät.

Forscherinnen glauben an neue Art des familiären Zusammenseins

Das Expertinnenduo unterstreicht dabei vor allem, dass die emotionale Bindung ohne aufwendige Technik erfolgte. Die Studie lege also nahe, dass einfache soziale Signale ausreichten, um emotionale Beziehungen zwischen Mensch und Maschine entstehen zu lassen. Spannend sei, was ein komplexerer Roboter bewirken könnte. (Allerdings bauen Kinder schon seit vielen Jahrzehnten Beziehungen auch zu Stofftieren auf, die sie später dann auch nicht entsorgen). Die Forscherinnen meinen nun, dass die Zukunft der Familien von Robotergenerationen geprägt werden könnte. Einige Systeme sind aktiv, andere sozusagen in Rente, stehen aber noch auf Ehrenplätzen respektive genießen das elektronische Gnadenbrot, wie auch immer das aussehen mag. Man muss aber auch sagen, dass sowohl Stofftiere als auch Roboter einfach zu „lieben“ sind! Denn sie geben keine Wiederworte, machen stets was man will und man kann sie ignorieren, wenn man keine Lust mehr hat, ohne dass es dem geliebten Objekt auf die Psyche geht.

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