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Wie groß schätzen Sie das Potenzial in diesem Bereich ein?
Mies: Bei etwa 70% der installierten Werkzeugmaschinen besteht der Bedarf, das Be- und Entladen zu automatisieren. Von diesen potenziellen Anwendungen sind aber erst etwa 10% realisiert. Intelligente Roboter mit Bildverarbeitung werden zukünftig eine flexible Beladung der Maschinen bis Losgröße 1 ermöglichen. An unserem Geschäft mit der allgemeinen Industrie hat die Automatisierung von Werkzeugmaschinen bereits jetzt einen Anteil von 25 bis 30%, aber er ist noch lange nicht ausgereizt.
Welche Bedeutung misst man bei Fanuc dem Thema Mensch-Roboter-Kooperation bei?
Mies: Ich kann die wirtschaftlichen Vorteile von Mensch-Maschine-Arbeitsplätzen nicht erkennen. Es wird nicht viele solcher Anwendungen geben. Eine Lösung mit Roboter, Bildverarbeitung und Servogreifer ist wirtschaftlicher und bietet eine hohe Flexibilität. Dort erwarte ich großes Wachstum, weil ein beliebiger Mix an Bauteilen verarbeitet werden kann. Aber Fanuc ist stückzahlgetrieben und wenn sich für Mensch-Roboter-Anwendungen ein Markt auftut, sind wir vorbereitet. Die dazu nötige Dual-Check-Safety-Funktion gibt es bei Fanuc schon seit 2006. Der Markt hat dies allerdings bis jetzt nur in kleinen Stückzahlen nachgefragt.
Wie müssen die Roboterhersteller auf die zunehmende Miniaturisierung reagieren?
Mies: Die Robotik wird sich in Sachen Traglast sowohl nach oben als auch nach unten ausweiten. Fanuc zeigt in der Woche vom 14. bis 17. April auf seiner Inhouse-Show in Japan zum ersten Mal einen Mini-Delta-Roboter mit einem Handhabungsgewicht von unter 500 g. Nur mit einer solchen Kinematik sind die geforderten hohen Geschwindigkeiten realisierbar.
Welche technischen Daten zeichnen den Mini-Roboter aus und wo soll er eingesetzt werden?
Mies: Den Fanuc Robot M-1iA gibt es in zwei Ausführungen, zum einen als Sechsachser mit einem dreiachsigen Handgelenk und zum anderen als Vierachser, der mit 3000 °/s auf höchste Geschwindigkeit ausgelegt ist. Beiden gleich sind die Parallelkinematik und der Arbeitsraum mit 280 mm Durchmesser und 100 mm in Z-Richtung. Die ersten Einsätze werden in der Elektronikindustrie sein. Beispielsweise in der Montage von Handys und anderer Consumer-Elektronik. Man kann sich aber auch Anwendungen im Food- oder im Verpackungsbereich vorstellen.
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