Die breite Palette der Finanzierungsmöglichkeiten zeigt: Die Rolle der Banken als wichtigster Kapitalgeber wurde abgelöst. Diese Vor- und Nachteile verschiedener Finanzierungsansätze sollten Unternehmen kennen.
Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der wichtigsten Finanzierungsmethoden.
Wer eine Fabrik plant, die Internationalisierung vorantreibt, neue Produkte entwickelt, ein Unternehmen zukauft oder sich auf neue Geschäftsfelder wagt, benötigt oft neues Kapital. Die Wege der Finanzierung reichen von Gesellschafterdarlehen über klassische Bankkredite bis zur Kapitalaufnahme durch den Verkauf von Anteilen. Die intensive Auseinandersetzung mit den Optionen und ihren Konsequenzen gehört zum unternehmerischen Pflichtprogramm.
Klassische Finanzierung durch Banken
Kreditkonditionen waren vermeintlich noch nie so attraktiv wie heute. Sie erlauben manche unternehmerische Investitionsentscheidung, die früher nicht getroffen worden wäre. Das Risiko hoher Schuldenlasten und entsprechender Rückzahlungsverpflichtungen aber bleibt. Gerade in Zeiten geringer Margen können die Banken allerdings weder umfangreiche Prüfprozesse anstrengen noch Ausfallrisiken eingehen. Sie werden daher Nebenabreden zum zukünftigen Cash Flow oder der Verschuldungsquote in das Kreditverhältnis einbeziehen, die unter bestimmten Umständen zu Risikozuschlägen oder Kreditkündigungen führen und deshalb kritisch hinterfragt werden sollten.
Fazit: Wer sich über eine Bank finanziert, verpflichtet sich zu monatlichen Ratenzahlungen – wer also bereit ist, diese Verpflichtung einzugehen, kann auf diese Finanzierungsform zurückgreifen. Die großen Vorteile: kein Mitspracherecht, keine Strategieauseinandersetzungen, keine Konflikte. Der Nachteil: Die Raten fallen an. Unabhängig von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation.
Öffentliche Seite
Anders verhält es sich bei der Förderung von öffentlicher Seite. Fördergelder, Zuschüsse oder öffentliche Garantien können klassische Kredite ersetzen oder zu einer Bonitätsverbesserung des Unternehmens beitragen. EU, Bund und Länder haben verschiedene Mittel der Unternehmensförderung geschaffen, der Fokus liegt neben Neugründungsförderung vor allem auf der Unterstützung des Mittelstandes. Im Wesentlichen besteht hier die Wahl zwischen drei Möglichkeiten: maßnahmenbezogene Zuschüsse, Beteiligungen durch Gesellschaften mit öffentlichem Auftrag oder Gewährung von vergünstigten, zweckbezogenen Krediten.
Über 2000 unterschiedliche Fördermittelprogramme gibt es derzeit und hier wird auch ein Nachteil deutlich: Die Vielfalt und Spezifikation macht es nicht leicht, das passende Programm zu finden. Zusätzlich ist die Beantragung meist mit großem Aufwand, zusätzlichen Auflagen und Zustimmungsvorbehalten verbunden. Daher gibt es mittlerweile Agenturen, die sich auf die Fördermittelsuche spezialisiert haben.
Fazit: Generell gilt, in Zeiten niedriger Zinsen wird sich die Einbindung öffentlicher Mittel nur dann lohnen, wenn der Staat zusätzliche Mittel und Risiken übernimmt, die im Übrigen nicht gewährt werden. Insbesondere im Bereich von Forschung und Entwicklung oder Zukunftsinvestitionen können sich daher öffentliche Programme als vorteilhaft herausstellen, auch wenn sie zumeist mit einem erhöhten Bearbeitungsaufwand verbunden sind.
Private Equity als Alternative zu klassischen Finanzierungen
Zusätzliches Eigenkapital zur Unterstützung und Einbindung in Unternehmensstrategien kommt meist aus risikoorientierten, unternehmerischen Kreisen. Oft treten hier sogenannte Family Offices oder Private-Equity-Häuser auf. Gerade bei Nachfolgereglungen, Sanierungen oder Wachstumsfinanzierungen sind natürliche Personen vielfach nicht mehr in der Lage, das höhere Risiko einer Finanzierung zu übernehmen. Gleichzeitig sind institutionelle Beteiligungsgesellschaften in diesem Segment eher zurückhaltend. Oft fehlt die Nähe zum jeweiligen Geschäftsmodell oder ist nicht gewollt. Genau hier kann ein unternehmerisch aufgestelltes Private-Equity-Haus einspringen.
Dabei unterscheiden sich viele PE-Häuser in ihrem Fokus. Gesucht werden entweder minder- oder mehrheitliche Beteiligungen. Andere sehen ein operatives Engagement und wieder andere nur finanzielle Beiträge in das Unternehmen. Mit Private-Equity-Angeboten wird individuell an der Schnittstelle zwischen Eigentümerposition und Management, zwischen Finanzbeitrag und Mitspracherecht gearbeitet.
Fazit: Es zeichnet sich ab, dass im Bereich Private Equity das Verständnis für den Mittelstand wächst und auch die Fallgruppen „buy and build“ sowie „turn around“ in den Fokus von PE-Häusern rücken. Gerade die Kombination von Private Equity und mittelständischer Substanz kann für beide Seiten sehr erfolgreich sein. Der Mangel an lukrativen Anlageformen am Kapitalmarkt kommt zudem den Bewertungen von mittelständischen Unternehmen zugute.
Stand: 08.12.2025
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Unternehmensstrategie als Grundlage
Ob Eigen- oder Fremdkapital, ob operativer Einfluss und Risikobeteiligung oder nur Bereitstellung von Finanzmitteln: Alle Erfahrungen zeigen, dass die Transformation von Investitionsausgaben in liquiditätspositive Ergebnisbeiträge mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist. Sinnvollerweise wird man daher den Finanzierungsbedarf im Unternehmen aufsplitten und analysieren, um dann die entsprechende Finanzierung dahinterzulegen. Die Unternehmensstrategie sollte in jedem Fall die Grundlage für das Finanzierungskonzept bilden und nicht umgekehrt.
* Ulrich Bühlmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Bühlmann Projektentwicklung und Management UG in 48565 Steinfurt, Tel. (0 15 20) 1 40 99 05, info@buehlmann-partner.com, www.buehlmann-partner.com