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Fit für den Job: Erkrankungen vermeiden – Gesundheit fördern

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Eine veränderte Einstellung gegenüber dem Thema Gesundheit innerhalb des Betriebs kann aus seiner Sicht auch dazu beitragen, wirksam etwas gegen Rückenschmerzen oder Stress-Probleme von Mitarbeitern zu unternehmen: „Auch heute noch wird die Gesundheit vielfach als Privatsache angesehen. Dass aber zum Beispiel Rückenschmerzen, die ein besonders häufiger Grund für Krankmeldungen sind, durch eine Veränderung von Arbeitsabläufen, Führungs- und Gesundheitsaktivitäten der Mitarbeiter innerhalb des Jobs positiv beeinflusst werden können, ist inzwischen häufig durch Untersuchungen belegt worden.“ Das Ziel, durch Prävention von Rückenschmerzen weniger Krankmeldungen zu erreichen, haben die Mitarbeiter von neun Finanzämtern innerhalb von zwei Jahren erreicht. Das hat das Verbundvorhaben „Integrierte Netzwerk-, Organisations- und Personalentwicklung (INOPE)“, das von PASiG begleitet wurde, gezeigt.

Zimolong: „Ein entscheidender Faktor dabei war die Tatsache, dass die Leitung der Finanzämter die Arbeit in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern anders organisiert haben, so dass diese weniger stressig wurde.“ Beispielsweise wurde Rotationsarbeit für besonders anstrengende Bürgersprechstunden eingeführt oder es wurden größere Entscheidungsspielräume für die routinemäßigen Bearbeitungen gewährt. In jedem Fall sind laut Zimolong viele der Mitarbeiter selbst für ihre Gesundheit aktiv geworden. Für Unternehmen und Führungskräfte, die ihre Präventionskultur festigen oder verbessern wollen, bietet der Kongress zur diesjährigen A+A unter anderen zahlreiche Seminare rund um Prävention 4.0. Unabhängig der Messelaufzeit gehören Schulungen und Beratungen zum Leistungsportfolio der Mitglieder von PASiG.

Psychosomatische Sprechstunde – damit Stress nicht krank macht

Lange wurde in der Arbeitswelt die Frage vernachlässigt, wie viele Mitarbeiter am Arbeitsplatz unter Stress, Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Problemen leiden. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: „Man schätzt, dass innerhalb eines Jahres fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland unter irgendeiner Art von psychischen Problemen leidet. Diese zeigen sich sehr unterschiedlich – schließlich fühlt sich jeder ab und zu gestresst, niedergeschlagen oder verunsichert. Je früher aber die Warnsignale des Körpers und der Seele wie Rücken- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Erschöpfungszustände wahr- und ernstgenommen werden, desto günstiger sind die Therapiemöglichkeiten und damit die langfristige Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und Führungskräfte“, sagt Hilde Lindlohr, Arbeits- und Allgemeinmedizinerin, Betriebsärztin der Uniklinik Köln mit Weiterbildungen unter anderem in Psychotherapie und systemischer Therapie und Beratung.

Seit fünf Jahren bietet sie im Betriebsärztlichen Dienst eine psychosomatische Sprechstunde für die Beschäftigten an und hat gute Erfahrungen gemacht: „Dieses niederschwellige Vor-Ort-Angebot wird gut angenommen. Die Beratungen sind immer individuell und lösungsorientiert – was bedeutet, man muss sich Zeit für den Menschen nehmen und sich auf ihn einstellen.“ Zuweilen reichen ein bis zwei Gespräche von 50 Minuten aus, doch wenn die Problematik komplex ist oder eine längere Therapie erfordert, fungiert Betriebsärztin Lindlohr als Lotsin und vermittelt den Ratsuchenden Kontakte zu Kollegen innerhalb ihres Therapeuten-Netzwerks. „Auch ein zeitweiliger stationärer Klinikaufenthalt kann je nach der persönlichen Situation hilfreich sein“, sagt Lindlohr und fasst zusammen: „Eine psychosomatische Sprechstunde im Betrieb ist sehr sinnvoll und sollte von möglichst vielen Betriebsärzten mit entsprechender Weiterbildung angeboten werden, unter anderem da Betriebsärzte aufgrund ihrer Arbeitsplatzkenntnisse sehr zielgerichtet bei arbeitsbezogenen Problemen beraten können.“

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