Feinstbearbeitung Flexibilität und Produktivität beim Honen von Pleuelaugen steigern
Kurze Takt- und Umrüstzeiten sind die kennzeichnenden Eigenschaften eines neuartiges Pleuel-Honzentrums. Vier durch einen Rundtisch verbundene, aber ansonsten unabhängig voneinander arbeitende Einheiten aus Hon-, Mess- und Beladestation minimieren Haupt- und Nebenzeiten.
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Wenn es um Neuinvestitionen in den Maschinenpark ging, waren die Zulieferer von Pleuelstangen zu tiefgreifenden unternehmerischen Entscheidungen bereit. Entweder legten sie Wert auf kürzeste Taktzeiten. Dann kamen für sie nur Vollautomaten in Frage. Oder es stand die Flexibilität mit schnellstmöglicher Umrüstung im Mittelpunkt, dann war das handbeladene Bearbeitungszentrum die einzige Alternative. Ein technisches System, das Schnelligkeit und Flexibilität verbindet und das sowohl kurze Taktzeiten als auch kurze Umrüstzeiten ermöglicht, war bislang nicht in Sicht.
Neue Marktanforderungen ziehen neue Technologien nach sich. Gerade im Zeitalter der Variantenvielfalt und der Kleinserien ist die hohe Fertigungsflexibilität der erfolgsentscheidende Faktor in der Kfz-Industrie. Allerdings darf allein schon aus Kostengründen diese Flexibilität nicht zu Lasten des Produktionstempos gehen.
Im Gegenteil: Kurze Taktzeiten plus schnelle Umrüstzeiten plus höchste Fertigungsqualität, das sind die Herausforderungen, denen sich Zulieferer heute stellen müssen und die sie nicht ohne Unterstützung der Maschinenbauer bewältigen können.
So hat der Nürtinger Hon- und Finishmaschinen-Spezialist Nagel GmbH mit dem neuartigen Pleuel-Honzentrum Variorod eine zukunftsweisende Bearbeitungslösung entwickelt. Diese macht aus dem „schnell oder flexibel“ ein „schnell und flexibel“.
Beim Honen sowohl Taktzeiten als auch Umrüstzeiten verkürzen
Das Ziel, sowohl die Taktzeiten als auch die Umrüstzeiten zu verkürzen, erreicht diese Lösung auf einem außergewöhnlichen Weg: über vier durch einen Rundtisch verbundene, aber ansonsten unabhängig voneinander arbeitende Einheiten aus Hon-, Mess- und Beladestation.
Mit einem Overheadhandling frei verkettet, führt die einzelne Einheit einen kompletten Hon- und Nachmesszyklus durch. Die einzelnen Einheiten können je nach Bedarf völlig flexibel neben- oder hintereinander geschaltet werden und dementsprechend völlig frei gestaltet entweder Folge- oder Parallelprozesse ausführen. Also je nach Bedarf vier Mal großes Auge oder drei Mal großes und ein Mal kleines Auge. Es ist Normal- und/oder Precidorhonen möglich.
Rundtisch gewährleistet geringe Nebenzeiten über den ganzen Zyklus des Honens
Die Verbindung der Stationen über den Rundtisch gewährleistet eine sehr geringe Nebenzeit, in der Regel unter 3 s. Weil die bauteilabhängigen Wechselteile wie die Transportplatte und das Honwerkzeug frei zugänglich sind, dauert die Umrüstung weniger als 10 min pro Einheit.
Durch die Dimensionierung des Rundtisches ist gewährleistet, dass alle Formen und Größen von Pkw-Pleueln eingerüstet werden können, egal ob es sich um R-Pleuel, V-Pleuel oder gekröpfte Pleuel handelt. Die wesentlichen Vorteile des Pleuel-Honzentrums sind:
- Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Honprozesse,
- Transfer in einer Kombination aus Handling- und Rundtischtransport,
- mit bis zu vier Spindeln ausrüstbar,
- wenige und einfache Wechselteile sowie
- ausgestattet mit der Nagel-Hon-steuerung MSU.
Ebenso flexibel ist die Einheit in Bezug auf die Bearbeitung von kleinem und großem Auge. Die autarke Funktionsweise der Einheit gewährleistet also die frei wählbare Aufteilung der Einheiten untereinander. Das heißt, die Konfiguration (Prozesse, Werkzeugauslegung und Bohrungen) richtet sich nur nach den Kundenerfordernissen.
Für die Anwender bedeutet dies, dass sie mit der Variorod über eine Universallösung verfügen, die die Vorteile aller bisher gebräuchlichen Systeme in sich vereinigt. Die besonderen Variorod-Nutzwerte sind frei wählbare Aufteilung der Prozesse und Spindeln, kurze Umrüstzeiten, hohe Ausbringung auch bei extremer Variantenvielfalt, Planungssicherheit auch für noch unbekannte Pleuel sowie optimale Taktzeiten durch sehr kurze Nebenzeiten.
Spindeln sind nach Bedarf nachrüstbar, das heißt, die Kapazität wächst mit dem Bedarf. Folge- und Parallelbearbeitung sind möglich. Für jede Spindel ist eine Nachmessstation integrierbar. Der Honprozess wird durch Parameter beschrieben.
Bedienoberfläche ist benutzerfreundlich
Die Bedienoberfläche der Steuerung mit integriertem Teleservice ist benutzerfreundlich. Per Tastendruck sind verschiedene Landessprachen aufrufbar. Auf alle Spindeln kann zentral zugegriffen werden.
Unter anderem werden Honkraft und Hubverlagerung aufgrund von aktuellen Messwerten automatisch geregelt. Die Speicherung der Messwerte ist möglich. Es besteht auch die Möglichkeit, ein SPC-System zu integrieren.
Dipl.-Ing. (FH) Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Kai Habbes ist Projektleiter der Nagel Maschinen- und Werkzeugfabrik GmbH in 72622 Nürtingen.
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