Bitte maßhalten! Flourpolymerverbot kann uns teuer zu stehen kommen

Quelle: Pressemitteilung von Plasticseurope 3 min Lesedauer

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Für die geplante EU-Regulierung von PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) wünscht sich die Kunststoffindustrie von der Bundesregierung und auf EU-Ebene ein gutes Augenmaß.

Wenn das Verbot für PFAS ((Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) so kommt, wie es jetzt geplant wird, dann müssen auch unbedenkliche Kunststoffe wie die Flourpolymere (etwa Teflon) verschwinden. Kunststoffexperten warnen vor dieser Pauschalisierung. Hier ihre Argumente ...(Bild:  D. Pont)
Wenn das Verbot für PFAS ((Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) so kommt, wie es jetzt geplant wird, dann müssen auch unbedenkliche Kunststoffe wie die Flourpolymere (etwa Teflon) verschwinden. Kunststoffexperten warnen vor dieser Pauschalisierung. Hier ihre Argumente ...
(Bild: D. Pont)

Der derzeitige Beschränkungsvorschlag von PFAS differenziert weder zwischen den völlig unterschiedlichen und einzeln zu regulierenden Substanzen, noch zwischen den sehr weitreichenden und unterschiedlichen Anwendungen. Insbesondere die Fluorpolymere, die eine wichtige Rolle in Industrieprozessen, bei der Energie-, der Wärme- und der Mobilitätswende sowie für die Digitalisierung spielen, stellen keinerlei Risiko für Konsumenten oder Umwelt dar, denn sie sind inert und damit sicher. Auch gibt es keine Alternativen für diese Art von Kunststoffen, wie es weiter heißt. Die Kritik in der Kunststoffbranche gegen ein allumfassendes PFAS-Verbot ist deshalb groß und wird mit Kopfschütteln begleitet. „Wir sind Kunststoff“, eine Initiative der führenden Industrieverbände der Kunststoffindustrie, hat nun die verschiedenen Positionen des Kunststoffmaschinenbaus, der Kunststoffhersteller und der kunststoffverarbeitenden Unternehmen zusammengetragen. Es gibt eine zentrale Forderung, die alle Industrieverbände teilen: Fluorpolymere müssen von einem möglichen PFAS-Verbot ausgenommen werden.

Fluorpolymere zu verbieten ist nicht durchdacht

Die Arbeitsgruppe der Fluorpolymerhersteller von Plastics Europe, dem Verband der Kunststofferzeuger, nimmt die öffentliche Besorgnis über PFAS ernst, kritisiert jedoch, dass der Verbotsvorschlag der Europäische Chemikalienagentur (ECHA) nicht zwischen Fluorpolymeren und anderen PFAS unterscheidet. Auch seien die Übergangsfristen in vielen Fällen unzureichend. „Beim Regulierungsvorschlag muss noch an vielen Stellen nachgebessert werden“, fordert deshalb Ingemar Bühler, Plastics Europe Deutschland. Mit folgenden Tatsachen sollte sich die Politik näher befassen:

  • Aufgrund ihres harmlosen Gefahrenprofils sollten Flourpolymere im Vorschlag eine allgemeine Ausnahmeregelung genießen. Denn Fluorpolymere bestehen aus ungiftigen, nicht bioverfügbaren, nicht wasserlöslichen und nicht mobilen Molekülen. Sie haben faktisch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit;
  • Fluorpolymere werden in kritischen Anwendungen eingesetzt, die zur Erreichung strategischer EU- und UN-Klimaziele beitragen und ein Wegbereiter des europäischen Green Deal, des Chips Act, der Wasserstoffstrategie sowie der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität sind. Die vorgeschlagene Beschränkung schafft allgemeine Unsicherheit, die Investitionsentscheidungen und Innovationen in diesen und anderen wichtigen EU-Ambitionen untergraben würde;
  • Der Mangel an anerkannten Alternativen könnte die Tür für eine bedauerliche Substitution durch Alternativen öffnen, die nicht die gleichen Spezifikationen wie Fluorpolymere erfüllen, aber möglicherweise wirklich gefährlich und weniger langlebig sind. Das könnte bedeuten, dass bei manchen Anwendungen strenge Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllbar sind.

Politik sorgt für Rückzug statt Aufbruch

Und Pro-K, der Industrieverband für langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme, macht sich dafür stark, Fluorpolymere von der Regulierung auszunehmen. Der aktuelle Beschränkungsvorschlag umfasst über 10.000 PFAS-Substanzen, darunter Fluorpolymere, obwohl diese nach OECD-Kriterien als products of low concern und damit unbedenklich gelten. „In den vergangenen Monaten haben betroffene Unternehmen und Organisationen über 3.500 Eingaben zum ECHA-Dossier vorgenommen. Vielfach wurde dabei auf die Gefahr wegbrechender industrieller Wertschöpfungsketten hingewiesen, sollten Fluorpolymere beschränkt respektive verboten werden. Pro-K hat sich hier an die Spitze der Bewegung gestellt und setzt sich massiv für eine differenzierte Betrachtung und Bewertung der Fluorkunststoffe ein“, betont Sven Weihe, Interims-Geschäftsführer von Pro-K. Viel Know-how und Wertschöpfung rund um Fluropolymere sind aktuell noch in Europa beheimatet, jetzt aber durch das ECHA-Verfahren in Frage gestellt. Komme es zu Beschränkungen bis hin zu Verboten, verschärften sich die asymmetrischen Abhängigkeiten, scheiterten Projekte für den Klimaschutz und viele weitere grüne Prioritäten. Das ginge einher mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, dem Wegfall einer leistungsfähigen Wirtschaft und Infrastruktur sowie Einbußen in der Lebensqualität. Aber manche Politiker sehen bekanntlich in jedem Kobalt einen Kobold.

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