IFR Report „World Robotics R&D Programs 2025“ Forschen reicht nicht, Umsetzen bringt Erfolg

Eine Analyse von Ralf Uwe Steck 5 min Lesedauer

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Der Report „World Robotics R&D Programs 2025“ der IFR zeigt, wie die Volkswirtschaften der Welt an Robotik forschen und was die Forschungsziele sind. Europa und Deutschland bleiben mal wieder in den Grundlagen stecken.

Die staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme  weltweit verfolgen unterschiedliche Strategien, wie der IFR-Report „World Robotics R&D Programs 2025“ zeigt.(Bild:  Kuka)
Die staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme weltweit verfolgen unterschiedliche Strategien, wie der IFR-Report „World Robotics R&D Programs 2025“ zeigt.
(Bild: Kuka)

Volkswirtschaften in aller Welt investieren in Robotik, um Industrie und Gesellschaft zu unterstützen. Die staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme (F&E) verfolgen allerdings ganz unterschiedliche Strategien: Die International Federation of Robotics (IFR) analysiert mit dem Report „World Robotics R&D Programs 2025“ offizielle Förderprogramme in Asien, Europa und Amerika. Singapur und Kanada wurden dabei zum ersten Mal ausführlich erwähnt.

China fördert Spitzentechnologien

In China läuft der “14th Five-Year Plan“ für die Entwicklung der Roboterindustrie noch bis Ende 2025. Ziel des Plans ist es, China zu einer weltweit führenden Nation im Bereich der Robotertechnologie und der industriellen Entwicklung zu machen. Das “Key Special Program on Intelligent Robots“ wurde im Juli 2024 aktualisiert. Die Entwicklung unabhängiger Schlüsselsektoren für die Volkswirtschaft soll mit einem Budget von rund 45,2 Millionen USD (ca. 329 Millionen CNY) gefördert werden. Zu den Hauptzielen gehören grundlegende Spitzentechnologien, wie beispielsweise das Training generativer KI-Modelle.

Japan: Roboter für Gewerbe, Pflege, Medizin, Landwirtschaft

In Japan zielt die “New Robot Strategy” darauf ab, das Land zum weltweit führenden Zentrum für Roboterinnovationen zu machen. Zu den Schlüsselsektoren gehören unverändert das verarbeitende Gewerbe, Pflege und Medizin sowie die Landwirtschaft. Das 2020 ins Leben gerufene “Moonshot Research and Development Program“ wird bis 2050 laufen und mit einem Budget von 440 Millionen US-Dollar (25 Milliarden JPY) ausgestattet sein. Zehn definierte Moonshot-Ziele in den Bereichen Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft sollen das „menschliche Wohlergehen“ fördern. Dazu gehören beispielsweise Herausforderungen, mit denen das Land in Zukunft konfrontiert sein wird: Die Überalterung der Bevölkerung und die Erderwärmung. Das Programm fördert gezielt KI-Projekte, in denen Roboter autonom lernen, sich an ihre Umgebung anpassen, ihre künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln und mit Menschen zusammenarbeiten.

Südkorea fördert Innovationen in der Fertigung und im Dienstleistungssektor

Die Regierung in Südkorea kündigte im Januar 2024 den "4th Basic Plan on Intelligent Robots" mit einer Fördersumme von 128 Millionen USD (180 Milliarden KRW) und einer Laufzeit bis 2028 an. Der Plan zielt darauf ab, die Robotik als Kernindustrie der vierten industriellen Revolution zu entwickeln sowie Innovationen in der Fertigung und im Dienstleistungssektor zu fördern. Die koreanische Robotikindustrie soll mit verbesserter Technologie wettbewerbsfähiger werden. Darüber hinaus will das Land die strategische Kooperation von Unternehmen und die internationale und interregionale Zusammenarbeit in der Robotikindustrie stärken.

USA schicken Roboter ins All und in den Krieg

In den USA gehören zu den öffentlichen Förderprogrammen im Bereich Robotik in erster Linie die Grundlagenforschung zu intelligenten Robotern und autonomen Systemen der National Science Foundation (NSF), die Weltraumrobotik der Nasa und das Programm "Military Robotics and Autonomous Vehicles" des Verteidigungsministeriums (DoD). Nach dem Mars-Erkundungsprogramm startete die Nasa im Mai 2019 das Projekt Artemis, um Astronauten auf die Mondoberfläche zu schicken und neue Fähigkeiten für Marsmissionen nach 2024 zu entwickeln.

Das Gesamtbudget für Artemis beträgt für die Haushaltsjahre 2021 bis 2025 insgesamt 53 Milliarden USD. Die NSF-Forschungsprogramme unterstützen Entwicklung und Einsatz von Robotern am Arbeitsplatz, in Krankenhäusern, in Gemeinden und in Haushalten. Das für 2024 beantragte Budget beläuft sich auf rund 70 Millionen USD. Der Haushalt 2023 des US-Verteidigungsministeriums beinhaltete für Robotik und autonome Technologien insgesamt 10,3 Milliarden USD.

Programm "Horizon Europe" legt Grundlagen in Europa

“Horizon Europe“ ist mit einem Budget von 100 Milliarden USD (95,5 Milliarden EUR) und einer Laufzeit bis 2027 das wichtigste Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der EU. Die wichtigsten Ziele sind: Stärkung der wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der EU sowie Förderung der Innovationskapazität und Wettbewerbsfähigkeit. Für das auf Robotik bezogene Arbeitsprogramm 2023 bis 2025 stellt die Europäische Kommission insgesamt 183,5 Millionen USD (174 Millionen EUR) bereit. Fokussiert wird auf eine industrielle Führungsposition in den Bereichen KI, Daten und Robotik, eine saubere Energiewende und innovative Gesundheitsinitiativen, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Deutscher Aktionsplan soll Forschung in Anwendung bringen

Die deutsche Hightech-Strategie 2025 (HTS) hat mit einem Gesamtbudget von 369,2 Millionen USD (350 Millionen EUR) eine Laufzeit bis 2026. Der „Aktionsplan Robotikforschung“ soll die Vernetzung von Forschungszentren als “Robotics Institute Germany“ (RIG) unterstützen, Fachkräfte fördern und Robotik-Forschungsergebnisse in die Anwendung bringen.

Im Vergleich der Programme fällt auf, dass die asiatischen Länder und die USA immer die Anwendung im Blick haben, während Forschung vor allem in Europa sehr stark in der Grundlagenforschung stecken bleibt. Immerhin spricht die deutsche Strategie auch von „in die Anwendung bringen“. Schaut man in die anderen Volkswirtschaften, wird die Anwendung und die Anforderungen der jeweiligen Länder jedoch von vornherein verankert – in Gebieten, die wir in Deutschland eigentlich ebenso wichtig nehmen sollten, weil wir vor denselben Herausforderungen stehen:

  • Japan mit seiner alternden Bevölkerung investiert in Pflegeroboter und kollaborative Anwendungen – Pflegenotstand kennen wir bekanntlich auch in Deutschland. Und nicht zuletzt lassen sich die im Pflegebereich wichtigen Technologien, beispielsweise die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen, auch in der Produktion gut nutzen.
  • Die USA mit ihrem großen und stark geförderten Militär- und Space-Sektor investieren genau in diese Gebiete und sind in beiden Bereichen schon weit über Grundlagenforschung hinaus - autonome Roboter sind nicht nur auf dem Mars unterwegs, sondern auch im Gefecht. Ein Beispiel sind die hundeartigen Roboter von Boston Dynamics, die beispielsweise zu Transport im Gefecht eingesetzt werden. Auch der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie wichtig militärische Anwendungen autonomer Maschinen beziehungsweise Drohnen und Fahrzeuge sind – eine wichtige Fähigkeit für Armeen der Zukunft, auch für die Bundeswehr.
  • Zudem spielen Automatisierung und Robotik eine entscheidende Rolle, um den demokratischen Faktor auszugleichen. Roboter, entlasten die schwindende Facharbeiterschaft von Aufgaben und machen kräftezehrende Jobs einfacher, um die Mitarbeiter länger fit zu halten.

Deutschland sollte in der Robotik nicht bei Technologie-Demonstratoren und Basistechnologien stehenbleiben, sondern möglichst schnell in die Umsetzung kommen. Allzu oft fehlt der Wille oder der Mut, die Innovationen, die in Deutschlands hervorragender Forschungslandschaft entstehen, zu Produkten zu entwickeln.

Vor allem die Unternehmen sind gefordert, nicht nur schnelle Lösungen auf Basis bestehender Technologien umzusetzen, sondern etwas zu wagen, und Ideen einfach mal auszuprobieren – auch wenn sie scheitern können. Nur auf Sicherheit zu spielen, reicht nicht in der aktuellen Lage.

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