Gefahr unter Wasser Forscher orten Mengen von jahrzehntealten Atommüllfässern

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Bei ihrer Suche nach vor Jahrzehnten entsorgtem Atommüll hat ein internationales Forscherteam bereits über 1.000 Fässer im Nordostatlantik entdeckt und verortet.

Altlastensuche ! Das ist die Tauchdrohne Ulyx, die bis zu einer Tiefe von 6.000 Metern das Meer durchforsten kann. Diese robotische Wasserratte hilft jetzt einem Forschungsteam bei einer ganz wichtigen Aufgabe! Es geht um das Aufspüren von sehr vielen Atommüllfässsern im Nordatlantik ...(Bild:  Flotte Océanographique France)
Altlastensuche ! Das ist die Tauchdrohne Ulyx, die bis zu einer Tiefe von 6.000 Metern das Meer durchforsten kann. Diese robotische Wasserratte hilft jetzt einem Forschungsteam bei einer ganz wichtigen Aufgabe! Es geht um das Aufspüren von sehr vielen Atommüllfässsern im Nordatlantik ...
(Bild: Flotte Océanographique France)

Die Entdeckung der vielen Atommüllfässer im Nordatlantik gab eine Sprecherin der französischen Forschungsorganisation CNRS bekannt. Das internationale Forschungsteam war bereits Mitte Juni vom westfranzösischen Brest aus mit ihrem Schiff „L'Atalante“ zu ihrem Suchareal im Westeuropäischen Becken des Atlantiks aufgebrochen, wie man weiter erfährt. Vier Wochen wollen sie in diesem Bereich nach Atommüllfässern suchen, dabei aber auch herausfinden, welchen Einfluss das Ganze auf das örtliche Ökosystem hat. Aus Deutschland ist ein Forscher vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven mit an Bord. Das Problem könnte gigantische Ausmaße haben, denn es soll sich um Hunderttausende solcher Fässer handeln, die von 1950 bis in die 1980er-Jahre über Bord geschafft wurden – und zwar von etlichen Staaten.

Die marine Atommüllentsorgung war auf lange Sicht blauäugig

Die dunklen Tiefen des Ozeans, die fernab der Küste und von menschlicher Aktivität existieren, erschienen damals als günstige und einfache Lösung, um das zu entsorgen, was in der Industrieentwicklung und in Laboren anfiel – zumindest dort, wo der Ozean als geologisch stabil galt, wie die Forscher anmerken. Damals hatte man noch wenig Ahnung vom Leben in den Tiefen, die erst später mit dafür tauglichen Kameras und speziellen Tauchbooten von wenigen Enthusiasten – man denke an Jaques-Yves Cousteau und seine Mannschaft – wirklich pioniermäßig erkundet werden konnten – und auch dann nur äußerst lückenhaft. Erst 1993 wurde die Entsorgung von Atommüll im Ozean schließlich untersagt. Mindestens 200.000 Fässer werden alleine im Nordostatlantik vermutet, die in 3.000 bis 5.000 Metern Tiefe durchaus als eine Art Zeitbombe bewertet werden können.

Eine neue Karte soll die Position der heiklen Fässer markieren

Wo genau sich der Nuklearmüll befindet, ist aber nicht bekannt, wie man zugeben muss. Auch über den Zustand derselben und ob sie einzeln oder in Gruppen liegen, wisse man nicht viel. Genau 21 Forscher sind deshalb derzeit in dem Gebiet unterwegs, in dem aber wohl nur rund die Hälfte der Abfälle landete, wie man vermutet. Das Team will dabei eine Karte mit den Fundstellen erarbeiten und zugleich etliche Proben von Wasser, Boden und auch Lebewesen nehmen. Unterstützung bekommen sie dabei vom autonomen Tauchroboter Ulyx, der unter anderem über eine Kamera für 3D-Bilder und ein Sonarsystem zur Ortung von Gegenständen mit Schall verfügt. Die Fässer sind zwar für die Druckverhältnisse in diesen Tiefen ausgelegt, doch könnte Strahlung durchaus die Umgebung kontaminieren. Ein Experte geht immerhin davon aus, dass bei den allermeisten nuklearen Abfällen im Nordatlantik die Radioaktivität nach etwa 300 bis 400 Jahren quasi vorbei ist. Das werden zwar im Durschnitt erst unsere 14×Ur-Enkel erleben, aber immerhin ist es kein Dauerzustand. Fragt sich halt nur, wie viel Schaden in dieser Zeit entsteht.

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