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Vierte Industrielle Revolution

Frankreich will Industrie 4.0 international angehen

| Autor: Stéphane Itasse

Ob Großkonzern oder Start-Up – auf der Messe Be 4.0 zeigten zahlreiche Unternehmen ihre Angebote zum Thema Industrie 4.0.
Ob Großkonzern oder Start-Up – auf der Messe Be 4.0 zeigten zahlreiche Unternehmen ihre Angebote zum Thema Industrie 4.0. (Bild: CATHERINE KOHLER)

Wie kann Europa im globalen Wettlauf um Industrie 4.0 mithalten? Angesichts der Finanzkraft von amerikanischen und asiatischen Großkonzernen wie Google, Amazon oder Alibaba setzt Frankreich auf eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern.

Eine industrielle Revolution bedeutet einen totalen Wandel, nicht nur der Wirtschaft, sondern des gesamten Lebens“, sagte Prof. Philippe Dessertine, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Universität Paris I Panthéon Sorbonne, auf einer Konferenz innerhalb der Messe Be 4.0 in Mulhouse. Die vierte industrielle Revolution gehe dabei tiefer als die vorherigen und sei noch lange nicht zu Ende: „Wir sind auf der zweiten Stufe einer Treppe mit 10.000 Stufen“, führte er weiter aus. Insgesamt sieht er das Thema aber positiv – Industrie 4.0 ist für ihn die Antwort auf Herausforderungen für die gesamte Menschheit wie die Bevölkerungsexplosion oder den Klimawandel.

Umso deutlicher wurde Dessertine aber bei der Situation in Europa. Für ihn hat der alte Kontinent die ersten zwei Stufen der vierten industriellen Revolution bereits verpasst, nämlich die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz. „Europa muss sich bewusst werden, welchen Rückstand es hat“, forderte er. Hinzu komme, dass die 20 größten Unternehmen der Welt alle aus Asien oder Amerika kommen. „Europas Stellung in der Welt resultiert aus den Pionierleistungen der ersten und zweiten industriellen Revolution“, analysierte Dessertine. Auf der anderen Seite profitiere der Kontinent aber davon, dass überall Industrie-4.0-Vorhaben angepackt würden, in Asien und Amerika sei dies in wenigen Regionen konzentriert.

Konzerne investieren mehr als Staaten

„Wir müssen die grenzüberschreitende Kooperation verstärken“, forderte denn auch Jean Rottner, Regionalpräsident der Region Grand Est. „Dort, wo Frankreich 1 Mrd. Euro investiert, wendet ein Unternehmen wie Alibaba 15 Mrd. auf“, verdeutlichte er die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Für seine Region strebt er dabei einen starken Austausch mit den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie mit der Schweiz an.

Industrie-4.0-Ansätze im Vergleich  
FrankreichSchweizDeutschland
500 Mio. Euro sind für das Programm „Industrie du Futur" vorgesehen. Davon ist die Hälfte für die Finanzierung von Sonderabschreibungen von 2019 bis Ende 2020 budgetiert, die kleine und mittlere Unternehmen bei Investitionen in die Robotik und den digitalen Wandel unterstützen sollen. Die andere Hälfte soll in die Schaffung von 15 bis 20 regionalen Plattformen nach deutschem Vorbild fließen, bei denen große lokale Industrieunternehmen jeweils die Patenschaft übernehmen."Die Plattform „Industrie 2025" wurde von den drei Verbänden Asut, Swissmem und Swiss-Tnet geschaffen. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist sie rein privatwirtschaftlich organisiert und arbeitet ohne staatliche Unterstützung. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen und des Standortes Schweiz zu sichern und weiterzuentwickeln. Dazu wollen die Verbände die Akteure beim Thema Industrie 4.0 sensibilisieren, vernetzen und voranbringen.
Die Plattform umfasst unter anderem ein zentrales Büro für die Fragen zu Industrie 4.0 in der Schweiz, die Website www.industrie2025.ch, Wissenserwerb zu den wichtigen Themen, Beobachtung von Märkten und Trends und internationale Aktivitäten.
""Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 wurde zur Hannover Messe 2011 im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung vorgestellt. Ziel war zunächst, die Akteure zu Kooperationen zu ermutigen, um digitale, smarte und vernetzte Fabriken zu errichten, die die Innovationsfähigkeit des Standorts erhöhen.
Im April 2013 vereinbarten die Verbände Bitkom, VDMA und ZVEI eine Kooperation, um ihr Wissen zu bündeln und gemeinsam die Plattform Industrie 4.0 zu betreiben. Diese Plattform wurde 2015 ausgebaut und steht heute unter der Leitung einer Gruppe mit Vertretern von Bundeswirtschaftsministerium, Bundesforschungsministerium, der Deutschen Telekom AG, des BDI, der IG Metall, der SAP AG, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Siemens AG und der Festo AG.
"

Diesen internationalen Ansatz spiegelte auch die Messe Be 4.0 Ende November im französischen Mulhouse wider. Mehr als 3500 Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter Region Grand Est, Mulhouse Alsace Agglomération und Parc Expo Mulhouse zur zweiten Ausgabe des Veranstaltung, davon 18 % aus dem Ausland. Unter den 230 Ausstellern waren sowohl etablierte Unternehmen wie Siemens, Schneider Electric, EDF, Engie oder Endress+Hauser als auch 50 Start-Ups. Die Ausstellungsfläche betrug nach Angaben der Organisatoren 10.000 m². Die Ausstellung wurde von insgesamt mehr als 50 Konferenzen begleitet; Themen waren unter anderem die Digitalisierung der Industrie und neue Wirtschaftsmodelle, der Platz des Menschen in der Industrie, die Rolle von Cobots und Robotern, Big Data und Cybersicherheit. „In ihrer zweiten Ausgabe hat sich die Messe Be 4.0 dynamisch weiterentwickelt und ihre Fläche verdoppelt“, kommentierte Laurent Grain, Direktor des Parc Expo Mulhouse. Für das kommende Jahr hat er sich zum Ziel gesetzt, die Messe zu dem deutsch-französischen Industrie-4.0-Treffen zu machen.

Region als Motor der Transformation

Die Region Grand Est selbst sieht sich als Motor der aktuellen 4.0-Transformation. Dazu hat sie innerhalb eines Jahres eine eigene Strategie namens SRDEII (Schéma Régional de Développement Économique, d'Innovation et d'Internationalisation) ausgearbeitet und implementiert. Darin enthalten ist ein regionaler Plan zur „Industrie du Futur“, der die Unternehmen dabei unterstützen soll, sich zu modernisieren.

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