Quasi fühlende Maschinenkomponenten zur Prozesskraftüberwachung wurden am IFW bereits erfolgreich erforscht und entwickelt. Jetzt steht die neueste Generation davon parat. Hochsensible Halbleiter machen sie nämlich noch leistungsfähiger.
Bild 1: Mit der neuesten Generation von fühlenden Maschinen können Zerspanungsprozesse sogar bei geringsten einwirkenden Kräften sicher überwacht werden.
(Bild: N. Niemeyer)
Im Kontext der Industrie 4.0 gewinnen intelligente Prozessüberwachungs- und Regelungssysteme zunehmend an Bedeutung. Eine wesentliche Grundvoraussetzung ist die Erfassung von qualitativ hochwertigen Prozessdaten. Diese sind entscheidend für die Zuverlässigkeit und Robustheit der Systeme. Um selbst kleinste Prozessveränderungen zu erfassen, werden die Werkzeugmaschinen mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet. Zur Erfassung von Prozesskräften werden bisher hauptsächlich Dynamometer eingesetzt. Diese sind teuer, schränken den Arbeitsraum ein und reduzieren die Steifigkeit des Gesamtsystems. Weil der Frequenzbereich der Dynamometer durch ihre Eigenfrequenz auf circa zwei Kilohertz reduziert ist, werden zur Erfassung des dynamischen Prozessverhaltens auch noch Beschleunigungssensoren benötigt.
Als Alternative dazu werden sensorische Werkzeughalter eingesetzt, die eine prozessnahe Datenerfassung ohne den Arbeitsraum zu beeinträchtigen, erlauben. Aber auch diese Methode ist teuer, weil für automatisierte Werkzeugwechsel mehrere Werkzeughalter benötigt werden. Die Industrie meidet solche Systeme, wegen der hohen Anschaffungskosten und der Prozessbeeinflussung. Um das zu ändern, sind günstigere Ansätze ohne Prozessbeeinflussung zwingend erforderlich. Hierzu wurden am IFW fühlende Maschinen entwickelt (siehe MM MaschinenMarkt, Ausgabe 1, vom Januar 2021). Diese beeinträchtigen die Prozesse nicht und sind günstiger, als die üblichen Systeme.
Prozesskraftmessung ohne unerwünschte Einflüsse
Die fühlenden Maschinen basieren auf recht günstigen Dehnungsmessstreifen (DMS). Diese wurden in die Struktur des Spindelschlittens integriert, sodass der Arbeitsraum nicht beeinflusst wird und Werkzeugwechsel weiterhin uneingeschränkt möglich sind. Auch lassen sich die Sensoren im Falle eines Retrofit bei Bestandsmaschinen nachrüsten. Durch die Fusion mehrerer DMS werden die Prozesskräfte in die drei Raumrichtungen (X, Y und Z) rekonstruiert. Eine wesentliche Herausforderung bei der Kraftmessung am Spindelschlitten ist die hohe Steifigkeit der Komponente. Diese Hürde wurde mit einer geschickten Sensorplatzierung genommen. Dabei wurden Kerben in den Spindelschlitten eingebracht und die DMS im Kerbgrund appliziert. Durch die Kerben wird die Dehnung lokal erhöht, ohne dass die Gesamtsteifigkeit des Schlittens verändert wird. Mit den fühlenden Maschinen, basierend auf metallischen DMS (M. DMS), wurden richtungsaufgelöste Prozesskräfte bei unterschiedlichen Werkzeugmaschinen mit einer Messunsicherheit von etwa 50 bis 100 Newton rekonstruiert. Verschiedene Anwendungen, wie die prozessparallele Kompensation der Werkzeugabdrängung, waren erfolgreich.
Übliche Sensorsysteme erfassen kleine Kräfte nicht mehr
Bei Prozessen mit sehr kleinen Werkzeugen (Bild 1) treten durch die geringen Zustellungen nur auch nur geringe Prozesskräfte von unter 50 Newton auf. Viele übliche Sensorsysteme erfassen das gar nicht. Und auch mit den metallischen DMS der fühlenden Maschinen ist eine Überwachung für diese geringen Prozesskräfte nicht möglich. In der neuen Generation der fühlenden Maschinen wurden nun die metallischen DMS durch neuartige halbleiterbasierte DMS (H. DMS) ergänzt. Diese sind bis zu hundertmal sensitiver als die metallischen. Modernere Auswerteelektronik erlaubt es jetzt auch, die Auswertung der DMS im Frequenzbereich von fünf Kilohertz durchzuführen. So kann auch das dynamische Prozessverhalten präzise erfasst werden. Bild 2a zeigt die Signalverläufe eines H. DMS, eines strukturintegrierten metallischen DMS am Spindelschlitten und eines Dynamometers (Typ 9257B von Kistler Instrumente) bei einem Flankenfräsprozess in Stahl.
Bild 2a: Das Werkzeug ist nach 58 Sekunden gebrochen. Die untere Hälfte steckt noch im Werkstück.
(Bild: N. Niemeyer)
Dabei wurde der in Bild 1 gezeigte Schaftfräser mit einem Durchmesser von D = 1,5 Millimeter verwendet. Als Schnitttiefe und -breite wurden ap = 0,5 mm respektive ae = 0,2 Millimeter gewählt. Nach etwa 58 Sekunden versagte das Werkzeug durch Bruch (Bild 2b).
Bild 2b: Signalvergleich eines Dynamometers, eines halbleiterbasierten DMS (H. DMS) und eines metallischen DMS (M. DMS). Platziert waren die Systeme am Spindeschlitten eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums DMG Mori HSC 30. Die rote Senkrechte markiert den Zeitpunkt des Werkzeugbruchs.
(Bild: IFW)
Mit dem H. DMS und dem Dynamometer ist dieser durch einen Sprung in der Signalamplitude deutlich zu erkennen. Bei dem metallischen DMS (M. DMS) ist beim Werkzeugeintritt jedoch kaum eine Signaländerung zu registrieren. Der Werkzeugbruch ist im Signal nicht direkt sichtbar. Erst das Schleifen des verbliebenen Rests des Werkzeugschafts über die Oberflächen (im letzten Prozessabschnitt) ist in der Signalamplitude des metallischen DMS erkennbar. Wie das Beispiel zeigt, lassen sich mit der neusten Generation der fühlenden Maschinen selbst Prozesse mit geringstem Werkstoffabtrag und Prozesskräften von unter 20 Newton überwachen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.