Exklusivinterview mit EAMTM-Präsident Michele Cialdella Gebrauchtmaschinenhandel macht glänzende Geschäfte
Cialdella: Keine Frage! In Italien, meinem Heimatmarkt, entwickeln sich die Geschäfte eruptiv, vergleichbar mit einem Vulkanausbruch. Doch auch bei den anderen Mitgliedern unseres
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MM: Die Weltkonjunktur läuft nach wie vor rund, die deutsche Wirtschaft boomt, überall wird kräftig investiert. Macht sich dies auch am Gebrauchtmaschinenmarkt bemerkbar?
Cialdella: Keine Frage! In Italien, meinem Heimatmarkt, entwickeln sich die Geschäfte eruptiv, vergleichbar mit einem Vulkanausbruch. Doch auch bei den anderen Mitgliedern unseres Verbandes laufen die Geschäfte in diesem Jahr sehr gut. Auf der Resale wird ja nicht nur verkauft, sondern von Händlern auch gekauft, um die Lagerbestände aufzufüllen. Dabei ist das Preisniveau deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Das zeigt, dass sich der Markt für gebrauchte Werkzeugmaschinen derzeit hervorragend entwickelt.
MM: Bei neuen Werkzeugmaschinen gibt es inzwischen wieder Lieferfristen. Wirkt sich das positiv auf den Gebrauchtmaschinenabsatz aus?
Cialdella: Natürlich. Wir beobachten eine Korrektur auf dem Markt. Die oft kräftigen Preissenkungen bei Neumaschinen, mit der die Nachfrage in den letzten Jahren angekurbelt werden sollte, waren natürlich schlecht für den Gebrauchtmaschinenhandel. Jetzt läuft es genau umgekehrt. Die Händler profitieren davon, dass viele Werkzeugmaschinenbauer momentan Lieferengpässe haben. Solche Entwicklungen am Gebrauchtmaschinenmarkt wollen wir übrigens im Rahmen einer Studie untersuchen, die der Verband mit italienischen Universitäten gestartet hat. Dabei werden Studien- oder Diplomarbeiten, die sich mit diesem Thema befassen, gefördert beziehungsweise prämiert. Wir wollen das Projekt später auf weitere europäische Länder ausdehnen. Von der Untersuchung sollen einerseits die EAMTM-Mitglieder profitieren. Andererseits wollen wir mit den Ergebnissen, die wir nach außen kommunizieren, die Seriosität und Qualität unserer Verbandsarbeit unterstreichen.
MM: In welchen Regionen der Welt läuft das Geschäft mit gebrauchten Werkzeugmaschinen gegenwärtig besonders gut?
Cialdella: Ich denke, die interessantesten Märkte für gebrauchte Werkzeugmaschinen sind derzeit Indien und China.
MM: Mit Rumänien und Bulgarien gibt es zwei neue EU-Mitglieder mit vergleichsweise hohem Wirtschaftswachstum. Ist das eine Chance für den Gebrauchtmaschinenhandel?
Cialdella: In der Tat wird in Rumänien und Bulgarien viel investiert. Die Wirtschaft beider Länder wandelt sich rapide, das Wirtschaftswachstum ist entsprechend hoch. Selbstverständlich ergeben sich dazu interessante Absatzchancen für den Gebrauchtmaschinenhandel. Technologisch liegen die südosteuropäischen Länder aber gut fünf Jahre hinter Polen zurück, das ebenfalls ein sehr attraktiver Markt für Gebrauchtmaschinen ist.
MM: Was verkauft sich derzeit besser? Hochwertige CNC-Maschinen oder einfachere Werkzeugmaschinen?
Cialdella: Nun, das hängt letztlich vom Markt ab. Wenn man sich auf der diesjährigen Resale umschaut, kann man feststellen, dass inzwischen sehr viel Hightech angeboten wird. Insbesondere Käufer aus China setzen auf „große Technik“, das heißt, auf technisch moderne Werkzeugmaschinen. Einfachere Maschinen bauen sie ja schließlich selbst. In Indien ist das ganz anders. Dort würde man gerne Hightech kaufen, nur fehlt dazu das Geld. Also setzt der indische Gebrauchtmaschinenkäufer eher auf die solide und preiswerte Mittelklasse.
MM: Und in Osteuropa?
Cialdella: Dort ist es ähnlich wie in China. Nur das Beste ist gerade gut genug.
MM: Sehen Sie in neuen Low-cost-Maschinen aus asiatischer Fertigung eine Konkurrenz zur „guten“ gebrauchten Werkzeugmaschine made in Europe?
Cialdella: Zweifellos ist das so. Dies zu leugnen wäre unsinnig. Preisgünstige Neumaschinen aus Korea oder Taiwan sind selbstverständlich eine Konkurrenz zu Gebrauchtmaschinen aus europäischer oder japanischer Produktion.
MM: Nach Meinung eines großen norddeutschen Händlers sind Anbieter, die neben der Maschine keine Zusatzleistungen wie Retrofitting, Aufstellung, Einfahren, Service oder Finanzierung anbieten, langfristig nicht mehr wettbewerbsfähig. Was sagen Sie dazu?
Cialdella: Da ist durchaus etwas daran! Wer gebrauchte Hightech-Maschinen verkauft, muss dem Kunden mehr bieten als nur die Maschine. Der Kunde benötigt Einweisung, Schulung und Beratung. Vielfach will er nicht nur eine Maschine kaufen, sondern hat eine Fertigungsaufgabe zu lösen. Genau dabei muss ihn der Händler beraten können. Und: Der Kunde ist zunehmend bereit, dafür zu bezahlen. Auch für den Händler selbst bedeutet das einen Schritt nach vorn – eine Vorgehensweise, die unser Verband im Rahmen seiner Qualitätsphilosophie nachhaltig unterstützt.
Das Interview führte MM-Redakteur Jürgen Schreier.
EAMTM-Kurzporträt
Der Europäische Verband der Händler für Gebrauchtmaschinen (EAMTM) vertritt die Interessen von Werkzeugmaschinenhändlern. Der in Brüssel ansässige Verband hat Mitglieder in 21 Ländern. Gegründet wurde er 1940 in Großbritannien als zunächst rein britische Organisation mit zehn Mitgliedern. Heute hat der Verband, der im Jahr 1990 in European Association of Machine Tool Merchants (EAMTM) umbenannt wurde, 260 Mitglieder. EAMTM informiert seine Mitgliedsunternehmen über aktuelle Branchentrends, berät sie und ermöglicht einen Service, der für kleinere Werkzeugmaschinenhändler sonst unerreichbar wäre.
Das EAMTM-Logo steht für eine Auswahl tausender neuer und gebrauchter Werkzeugmaschinen, auf deren Qualität der Käufer vertrauen kann. Denn alle EAMTM-Mitglieder tätigen ihre Geschäfte im Einklang mit dem Ehrenkodex des Verbandes. Zusätzlich haben die meisten Verbandsmitglieder einen After-Sales-Service.
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