Umformtechnik Gemeinsame Forschung für gemeinsamen Erfolg
Zur Diskussion über drei Forschungsthemen im Bereich Umformtechnik hatten das Institut für Umformtechnik (IFU) der Universität Stuttgart und die Forschungsgesellschaft Umformtechnik (FGU) am 12. September eingeladen. Auf der Agenda standen die Themen Temperaturfeldbestimmung bei der Verarbeitung hochfester Stahlblechwerkstoffe sowie die entsprechende Optimierung der Schneidparameter zum Schneiden und die Weiterentwicklung der Werkzeug- und Prozesstechnik für Schnellläuferpressen.
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Vorgestellt wurden diese Themen vorerst als Projektskizzen mit jeweils entsprechend anvisierten Laufzeiten von 1 bis 2 Jahren . Veranstaltungsmoderator Professor Mathias Liewald, Leiter des IFU, will den potentiellen Forschungspartnern aus den Unternehmen so den nötigen Gestaltungsspielraum geben, um eigene Erfahrungen und Ziele einzubringen.
Drei Forschungsthemen als Angebote
Beim Besprechen der ersten Problemstellung kamen so auch einige Anregungen. Neben dem Grundansatz – Untersuchungen zur Änderung des Gefüges typischer kaltumformbarer Blechwerkstoffe im Bereich von Raumtemperatur bis 600°C – sei die Beobachtung zusätzlicher Parameter wichtig, so einige Teilnehmer. Beispielsweise stelle sich die Frage nach der Leistungsfähigkeit des Schmierstoffes in Abhängigkeit von der Temperatur oder nach der Eingrenzung der zu untersuchenden Werkstoffe.
Das zweite Thema, so Liewald, sei als Idee aus vielen Gesprächen mit Industriepartnern entstanden. „Wir haben festgestellt, dass wir heute im Werkzeugbau zu lax mit den Schnitten und Schnittkantengeometrien umgehen.“ Auch hier kamen von IFU-Seite einige Umsetzungsvorschläge und von Unternehmens-Seite Anregungen, wie der Hinweis, man solle sich im Rahmen dieses Projektes auch Gedanken über die Messtechnik für die Schnittluft machen.
Thema drei wirft die Frage auf: „Was begrenzt konkret die Leistungsfähigkeit schnelllaufender Umform- und Schneidprozesse?“ Hierzu stellte Liewald zwei Umsetzungsszenarien vor. Aufbauend auf dem Stand der Technik und den Ergebnissen abgeschlossener Forschungskooperationen sollen beispielsweise Standzeituntersuchungen optimierter Schneidparameterkombinationen und Werkstoffe/ Beschichtungen durchgeführt werden.
Maschinenpark im Versuchsfeld des IFU
Neben den Inhalten der einzelnen Forschungsprojekte wurden auch die technischen Möglichkeiten für die Umsetzung am IFU erläutert. Dass für jedes einzelne Thema die entsprechende Technik verfügbar ist, davon konnten sich Interessenten bei einem anschließenden Rundgang durch das Versuchsfeld überzeugen. Dass es natürlich in Abhängigkeit von bestimmten Parametern, die die Partner untersuchen wollen, technische Grenzen gebe, ist für Liewald klar. Auch darüber und über eine Erweiterung der technischen Möglichkeiten müsse man sich im Einzelnen gemeinsam mit den Partnern verständigen.
Flexibilität wichtig für Erfolg
Der erste Schritt ist gemacht – die Ideen stehen im Raum. Wie viele Projektpartner sich letztendlich aus welchen Unternehmen zu einer Forschungskooperation zusammenfinden, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, so Liewald. Die Kooperationspartner werden dann in konstituierenden Sitzungen gemeinsam die weitere Vorgehensweise festlegen. Es wird ein Projektplan mit einzelnen Etappen entstehen, regelmäßige Treffen werden stattfinden, ein überschaubarer Kostenrahmen wird vereinbart und ein Vertrag wird letztendlich die Modalitäten der Zusammenarbeit regeln. Trotz dieser klaren und notwendigen Vorgaben ist eins für Liewald wichtig: Flexibilität. „Wenn sich also während der Bearbeitung herausstellt, dass ein weiterer Werkstoff untersucht oder die Laufzeit verlängert werden soll, so liegt dies einzig in der Entscheidungsbefugnis des Teams.“ Schließlich finanziere und definiere die Forschungskooperation auch die gewünschten Ergebnisse und somit den gewünschten Erfolg. Gemeinsam fallen ihr dann auch die Rechte, wie Patente zu.
Offenheit birgt Risiko und Chancen
Eingeladen hatte die Fördergesellschaft 120 potentielle Projektpartner – angefangen bei Unternehmen aus der Automobilindustrie und dem Werkstoffbereich bis hin zu Pressen- und Werkzeugherstellern. Interesse an einer Forschungskooperation haben im Vorfeld der Veranstaltung etwa 50 Unternehmen bekundet.
Forschungskooperationen zwischen Hochschuleinrichtungen, Instituten und Unternehmen sind üblich. Dass der offene Vorschlag und anschließende Dialog über Inhalte, Möglichkeiten und Grenzen auch Gefahren in sich birgt, weiß Liewald.
Eine Reihe von Projekten im Bereich der vorwettbewerblichen Forschung, die auf diesem Weg erfolgreich abgeschlossen wurden, gibt ihm und seinem Weg Recht. „Nicht zuletzt bestätigen mich darin auch Projektpartner namhafter Unternehmen, die auch bei diesen Themen wieder mitforschen werden.“
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