Von der Schiene auf die Kette Görlitzer Alstom-Werk geht an Rüstungskonzern KNDS

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz unterzeichneten beide Unternehmen jetzt in Görlitz eine Vereinbarung, durch die Alstom offiziell an KNDS geht.

Im Schienenfahrzeug-Werk von Alstom in Görlitz wird man bald von bunt auf 3-Farb-Tarnmuster umstellen. Denn nun gehört es dem Rüstungskonzern KNDS und die Produktion schwenkt auf Panzerteile um. Leider wird es auch Jobs kosten.(Bild:  Alstom)
Im Schienenfahrzeug-Werk von Alstom in Görlitz wird man bald von bunt auf 3-Farb-Tarnmuster umstellen. Denn nun gehört es dem Rüstungskonzern KNDS und die Produktion schwenkt auf Panzerteile um. Leider wird es auch Jobs kosten.
(Bild: Alstom)

Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS übernimmt das Görlitzer Werk des Schienenfahrzeugherstellers Alstom. Insgesamt sollen etwa 580 der rund 700 Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigung bei KNDS oder Alstom finden, wie es weiter heißt. Für den Rest soll es eine faire und sozialverträglich Lösung geben, teilte Alstom mit. Die KDNS Deutschland GmbH & Co. KG plane dort unter anderem die Produktion verschiedener Baugruppen für den Kampfpanzer Leopard 2 und den Schützenpanzer Puma. Außerdem sollen Module für verschiedene Varianten des Radpanzers Boxer gefertigt werden. Der Übergang des Standortes erfolgt demnach schrittweise und wird voraussichtlich 2027 abgeschlossen sein. Erste Personalübernahmen und der Produktionsstart in Görlitz seien noch in diesem Jahr geplant. Laut Olaf Scholz bringe dieser Schritt mehr Sicherheit für Deutschland und die Bundeswehr an sich, die ja auf ein Sondervermögen von rund 100 Milliarden Euro zurückgreifen kann, um sich fitter zu machen.

Der „Igel“ Deutschland braucht schärfere Stacheln

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ging auch auf Kritik an der Rüstungsindustrie ein. Er halte den eingeschlagenen Weg für richtig. Frieden und Sicherheit sind seiner Meinung nach die Grundlage für Freiheit und Wohlstand. Deutschland könne nur dann im Frieden leben, wenn es sich militärisch gut aufstelle. Auch der niedliche Igel hat eben Stacheln. Kritik an der Rüstungsproduktion hatte es unter anderem von den Linken gegeben. Für Tim Dawidowsky, Präsident Central & Northern Europe von Alstom, kommt zusammen, was wirklich zusammen passt. Die Übernahme sei eine Zäsur für den Standort. Durch Görlitz im KNDS-Produktionsverbund erweitere man nun die Fertigungskapazitäten, um die Verteidigungsfähigkeit von Deutschland zu stärken. Sein Unternehmen werde einen 2-stelligen Millionenbetrag investieren.

Nur die IG Metall ist nicht ganz zufrieden

Dirk Schulze, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, kritisierte – und pochte auf die Einhaltung von Verträgen mit Alstom: Es gebe auf beiden Seiten noch Hausaufgaben zu erledigen. Man sei noch dabei, das eine oder andere Sträußchen mit Alstom auszutragen. Das sich das Unternehmen nicht an den mit der IG Metall geschlossenen Zukunftstarifvertrag halte, ist laut Schulze eine Schande. Auf Details ging er dabei aber nicht ein. Insgesamt bewertet die IG Metall die Übernahme aber als positives Zeichen.

Görlitzer Schienenfahrzeuge seit 175 Jahren

Die Schienenfahrzeug-Ära endet in Görlitz nun. Bis Frühjahr 2026 läuft noch die Herstellung von Doppelstockwagen für Israel und Straßenbahnen für Städte, wie Göteborg und Magdeburg. Alstom stellt klar, dass die Einstellung der Produktion nicht das Ende der Fertigung von Schienenfahrzeugen in Ostdeutschland ist. Aktuell ist Alstom in Deutschland an 14 Standorten mit insgesamt 9.600 Beschäftigten präsent. In Bautzen und Salzgitter soll sich fortan der Fahrzeugbau konzentrieren. Hennigsdorf werde für Service und Digitalisierung zuständig sein.

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