Werkzeugmaschinen-Design Gutes Maschinen-Design kann kaufentscheidend sein

Autor / Redakteur: Walter Frick / Bernhard Kuttkat

Kräftige, kontrastreiche Farben und anmutige Gestaltung – zunehmend hüllen Konstrukteure gemeinsam mit Designern Werkzeugmaschinen in ein anmutiges Outfit, das die inneren Werte visualisieren soll. Gutes Maschinen-Design kann durchaus kaufentscheidend sein.

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Welche Rolle spielt Design im Werkzeugmaschinenbau? Gilt noch der Grundsatz „Form folgt Funktion“ – oder werden heutzutage schon mal Abstriche bei der Funktion zugunsten der schönen Form gemacht?

Dazu Diplom-Industriedesigner Jochen Rauschert, Geschäftsführer der Nexxon Design GbR in Coburg: „Ich war noch nie ein Freund von ‚Form folgt Funktion’, weil es sich im Grunde um eine viel bemühte, aber sehr allgemeingültig formulierte Plattitüde handelt.“

Natürlich müsse beispielsweise ein Rad rund sein, damit es rollen kann. Es besagt aber noch lange nicht, „ob das Rad an der gewählten Stelle auch die sinnvollste aller möglichen Lösungen darstellt“.

Deshalb setzt das Team um Rauschert auf „smart engineering“, das eben nicht nur reines Styling ist, sondern alle Faktoren berücksichtigt, die für den Markterfolg eines Produkts verantwortlich sind. Das umfasst die Analyse und Optimierung der Funktionen im Hinblick auf Effizienz, Ergonomie, Kosten und Ökologie, das Nutzen modernster Techniken und neuerer Werkstoffe sowie das Entwickeln einer Produkt-Formensprache, die die genannten Ziele nach außen kommuniziert.

Industrie-Designer moderiert zwischen Konstrukteur, Produzent, Käufer und Bediener

„Industrie-Design“, erläutert Rauschert, „entsteht heute mehr denn je in engem Dialog und Kontext unterschiedlichster Interessengruppen.“ Dem Industrie-Designer falle dabei zusätzlich die Aufgabe des Moderators zu, der die Anforderungsprofile von Konstrukteur, Produzent, Käufer und Bediener herausstellt und in ein stimmiges Gesamtkonzept integriert.

An einem Beispiel aus der Praxis zeigt der Designer auf, wie facettenreich Maschinen-Design ausfallen kann. So konnte durch eine von ihm durchgeführte Marktrecherche über neuartige Lackierverfahren und Pigment-Lacke einem Kunden ein Farbkonzept für seine Maschinen ausgearbeitet werden, das rund 4000 Euro pro Anlage an Lackierkosten eingespart.

Maschinen-Design visualisiert „innere“ Werte

„Maschinen-Design wird sicherlich nie vergleichbare Emotionen auslösen und den Stellenwert beim Käufer genießen, wie es vom Automobil-Design her bekannt ist“, weiß Rauschert. Dennoch sei Maschinen-Design die effizienteste Möglichkeit, um „innere“ Werte wie Qualität, Modernität, Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Effizienz nach außen zu visualisieren und zu kommunizieren.

Anders als Rauschert ist Werner Erlenmaier, Leiter Entwicklung und Konstruktion Stanz-Kombimaschinen der Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG, Ditzingen, überzeugt, dass der Grundsatz „Form folgt Funktion“ gerade im Werkzeugmaschinenbau immer eine entscheidende Rolle spielt: „Die ‚schöne Form’ muss darunter allerdings nicht leiden. Ganz im Gegenteil, es ist die Herausforderung an unsere Designer, unter dem Gesichtspunkt der höchsten Funktionalität eine Gestaltung zu finden, die dem hohen technischen Anspruch unserer Produkte, aber auch dem Zeitgeist gerecht wird.“

Dabei werde sehr genau unterschieden zwischen kurzlebigen Modetrends, denen die Werkzeugmaschine als langfristiges Investitionsgut nicht unterliegen sollte, und längerfristigen Entwicklungstendenzen aus den Bereichen Kunst-Kultur-Design: „Hinter unserem Produktdesign müssen Statements stehen – Statements über das Produkt und dessen Qualität, aber auch Statements über das gesamte Unternehmen“ betont Erlenmaier. Das Produktdesign sei einer der Botschafter der Unternehmensphilosophie.“

Maschinen-Design kann laufend entscheidend sein

Die Frage, ob das Aussehen einer Werkzeugmaschine kaufentscheidend sein kann, beantwortet der Trumpf-Entwickler mit einem ganz entschiedenen Ja: „Eine der Anforderungen an unser Produktdesign ist, die hohe technische Qualität, die Innovationskraft, aber auch die Langlebigkeit unsere Produkte nach außen zu transformieren und für den Kunden, vielleicht auch teilweise unbewusst, erlebbar zu machen.“ Letztlich könne durch das Produktdesign das Vertrauen in die vorhandene Produktqualität positiv beeinflusst werden.

Aber gutes Produktdesign beschränke sich ja nicht nur auf ein schönes Äußeres, sondern zeichne sich auch zum Beispiel durch eine durchdachte Ergonomie aus: „Die bessere Bedienbarkeit einer Maschine zählt durchaus zu den ‚Hard Facts’ bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt.“

„Maschine kann viel und sieht gut aus“

„Wir haben eine Maschine entwickelt, die viel kann, viel bringt und dazu auch noch gut aussieht“, geriet Dr.-Ing. Roland Ruppel, Geschäftsführer der Zimmer & Kreim GmbH & Co. KG in Brensbach, geradezu ins Schwärmen, als er auf der EMO Hannover 2007 die neue Senkerodiermaschine „The Cube“ präsentierte.

Welche Rolle spielt für ihn das Design im Werkzeugmaschinenbau? Ruppels Antwort: „Vor vier Jahren haben wir uns erstmals entschlossen, für das Design der Genius 700 und unserer Chameleon die Dienste von Industriedesignern in Anspruch zu nehmen. Den zwischenzeitlichen Erfolg beider Produkte führe ich auch auf das ansprechende Design zurück.“

Anmutiges Maschinen-Design hat positive Wirkung

Allerdings müsse die Technik das halten, was das Design darzustellen versucht. Deshalb meint Ruppel, dass der Grundsatz „Form folgt Funktion“ erweitert werden sollte in „Form folgt Funktion folgt Form“. „Denn zunächst steht die Funktion im Vordergrund; dennoch beeinflusst das Design auch die Technik, weil alternative Detaillösungen gefunden werden müssen“, argumentiert Ruppel. Die Funktion müsse diesen äußeren Ansprüchen auch gerecht werden, sonst erreiche man eine gegenteilige Wirkung.

Auf die positive Wirkung eines anmutigen Designs setzt auch der weltweit agierende Werkzeugmaschinenbauer MAG Industrial Automation Systems. „Wir wollen damit auch zeigen, dass wir eine Einheit sind“, betont MAG-Vorstandsmitglied und Entwicklungschef Dr. Wolfgang Horn.

MAG setzt auf einheitliches Design für seine Maschinen

Alle Werkzeugmaschinen der 13 zu MAG gehörenden Unternehmen haben ein einheitliches MAG-Outfit in Grau und Graphit. Ein markanter Akzentstreifen aus Edelstahl ist Wiedererkennungsmerkmal an allen Maschinen. „Um die Kosten nicht explodieren zu lassen, haben wir bewusst auf detailverliebte und aufwendig herzustellende Verkleidungen verzichtet“, erklärt Horn und fügt hinzu: „Alles sei funktional; unsere Maschinen sind so gestaltet, dass beispielsweise der Service und der Austausch von bestimmten Bauteilen problemlos und schnell möglich ist.“

Auch bei MAG Industrial Automation Systems bestimmt die Funktion das Design immer maßgeblich. Dabei stehen Wiedererkennungswert und Designsprache immer im Dienst der Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit und sollen zur Senkung der Wartungs- und Betriebskosten beitragen.

Walter Frick ist Fachjournalist in 97990 Weikersheim.

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