Reparaturzentren Hier bekommen Roboter ein nächstes Leben

Von Birga Teske, PR & Communications Specialist bei Fanuc Europe 5 min Lesedauer

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Ein Recht auf Reparatur? Fanuc wäre auf jeden Fall auf ein solches Nachhaltigkeitsgebot schon vorbereitet. Denn der Roboter- und Automatisierungsexperte hat sich auf lange Produktleben, Reparaturen und Recycling ausgerichtet.

Mit seinem Repair Center verfolgt Fanuc einen stringenten Nachhaltigkeitsansatz.(Bild:  Fanuc Europe)
Mit seinem Repair Center verfolgt Fanuc einen stringenten Nachhaltigkeitsansatz.
(Bild: Fanuc Europe)

Die Europäische Kommission will für Mobiltelefone und Tablets ein „Recht auf Reparatur“ durchsetzen, um Verbraucher zu schützen und Müll zu vermeiden. Das könnte vielleicht auch mal der Industrie winken. Immer mehr Firmen verfolgen inzwischen das Ziel einer Kreislaufwirtschaft, in der Produkte und Rohstoffe so lange wie möglich genutzt werden.

Und während viele deutsche Unternehmen gerade mitten im Veränderungsprozess stecken, hat der japanische Automatisierungsspezialist Fanuc von Anfang an eine lange Nutzungsdauer, Reparatur und Recycling in sein Geschäftsmodell integriert. Das Unternehmen designt seine Produkte so, dass sie lange halten, sich einfach warten lassen und betreibt ein weltweites Servicenetz mit Reparaturzentren und Ersatzteillagern.

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Was von den Nutzern lange Jahre einfach unter „guter Kundenservice“ abgehakt wurde, entwickelt sich nun zu einem unverhofften Wettbewerbsvorteil für Fanuc. Denn Industrieunternehmen aus allen Branchen haben das Thema Nachhaltigkeit in der Produktion für sich entdeckt. Das fängt an bei CO2-Neutralität, erstreckt sich über Müllvermeidung und Recycling bis hin zu einem möglichst langfristigen Einsatz von Produktionsmitteln.

Im Repair Center überholt Fanuc jährlich zwischen 14.000 und 16.000 Teile, von Servomotoren über Roboter-Handgelenke bis hin zu Leiterplatten und Verstärkern. (Bild:  Fanuc Europe)
Im Repair Center überholt Fanuc jährlich zwischen 14.000 und 16.000 Teile, von Servomotoren über Roboter-Handgelenke bis hin zu Leiterplatten und Verstärkern.
(Bild: Fanuc Europe)

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„99,96 Prozent aller Ersatzteile haben wir vorrätig.“

Burkhard Molitor, Leiter des Fanuc Repair Centers

Anwendertrend: umrüsten statt neu bauen

„Wir stellen fest, dass unsere Kunden etwa bei einem Modellwechsel ihre Fertigungslinien häufiger umrüsten, anstatt sie komplett neu aufzubauen“, berichtet Martin Miksche, Serviceleiter von Fanuc Deutschland. Geplante Wartungen und Umrüstungen alter Produkte nehmen zu. „Es kommt nicht selten vor, dass unsere Servicetechniker an Produkten arbeiten, die älter sind als sie selbst“, sagt Miksche.

Ein solcher Einsatz rechnet sich für die Kunden oft nicht nur aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten, sondern auch finanziell: „Wenn eine 20 Jahre alte Maschine stillsteht, die bisher reibungslos gelaufen ist und fest in einer bestehenden Linie verbaut ist, lohnt sich eine Reparatur in der Regel auch bei sehr alten Maschinen“, erklärt Miksche. Tatsächlich gebe es eine Reihe von Kunden, die ihre Fanuc-Drahterodiermaschinen bereits länger als 35 Jahre in Betrieb hätten.

Vorher/nachher: Nach der Komplettüberarbeitung läuft der Fanuc-Motor wieder rund.(Bild:  Fanuc)
Vorher/nachher: Nach der Komplettüberarbeitung läuft der Fanuc-Motor wieder rund.
(Bild: Fanuc)

Doch nicht jedes Unternehmen wird in der Lage sein, kurzfristig einen solchen Reparaturservice anzubieten. Wichtig sind laut Miksche eine geringe Fehleranfälligkeit und einfache Reparierbarkeit der Produkte, eine hohe Ersatzteilverfügbarkeit sowie ein effizientes Servicenetzwerk. Auch die Erstellung von Datenbanken mit Bauplänen alter Modellreihen, Hinweisen zu möglichen Fehlerquellen sowie Reparaturanleitungen sei entscheidend, damit Servicemitarbeiter optimal agieren könnten.

In vielen Spindelantrieben steckt mindestens ein zweites Produktleben.(Bild:  Fanuc Europe)
In vielen Spindelantrieben steckt mindestens ein zweites Produktleben.
(Bild: Fanuc Europe)

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„Wir entwickeln unsere Produkte von Anfang an so, dass sie sich leicht reparieren lassen.“

Mitsuyuki Taniguchi, Executive VP, Fanuc Europe

Kaizen zahlt auf die Nachhaltigkeit ein

Um potenzielle Schwachstellen an Produkten von vornherein auszuschließen, empfehlen sich engmaschige Qualitätskontrollen. Diese können sich bis hin zur Einrichtung eines firmeneigenen Testzentrums erstrecken. Im Testzentrum am Fanuc-Hauptsitz in Japan beispielsweise werden harsche Fabrikumgebungen simuliert. Die Produkte müssen Staub, Dampf oder Wasserbad überstehen. Kabel und Schläuche werden extremen Belastungen ausgesetzt. Fanucs Entwicklungsabteilung nutzt die Ergebnisse für ständige Verbesserungen (Kaizen).

Ein weiterer wichtiger Aspekt – die gute Reparierbarkeit von Produkten – lässt sich mit einem gut durchdachten Design erreichen: „Wir entwickeln unsere Produkte folglich von Anfang an so, dass sie sich leicht reparieren lassen“, erklärt Mitsuyuki Taniguchi, Executive Vice President von Fanuc Europe. Weil das Unternehmen in der Fertigung und Montage viele Roboter einsetzt, lassen sich die Produkte nicht nur in einfachen, robotergerechten Arbeitsschritten zusammensetzen, sondern von den Servicetechnikern auch leicht wieder auseinandernehmen.

Eine hohe Ersatzteilverfügbarkeit will ebenfalls gut geplant sein. Schon während der Produktion einer neuen Modellreihe muss mit spitzem Stift gerechnet werden: Wie viele Ersatzteile und welche werden künftig nötig sein, um die Ansprüche der Kunden oder ein „Recht auf Reparatur“ zu erfüllen? Dann gilt es, diese Teile zu beschaffen und für Jahre und Jahrzehnte zu bevorraten. Und schließlich müssen sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um tatsächlich genutzt werden zu können.

Neuwertig: Fanuc tauscht Verschleißteile aus, säubert und lackiert Oberflächen und macht Software-Updates.(Bild:  Fanuc Europe)
Neuwertig: Fanuc tauscht Verschleißteile aus, säubert und lackiert Oberflächen und macht Software-Updates.
(Bild: Fanuc Europe)

Rund 600.000 Teile liegen im Ersatzteillager

Die Umsetzung kann organisatorisch und finanziell aber durchaus zu einem Kraftakt werden. Fanuc beispielsweise hält alleine in seinem europäischen Ersatzteillager rund 600.000 Teile im Wert von mehreren Millionen Euro vor. Um diese effizient und möglichst lange zu nutzen, recycelt Fanuc regelmäßig Ersatzteile. „Wenn unsere Servicetechniker beim Kundeneinsatz abgenutzte oder defekte Teile austauschen, senden sie diese standardmäßig an unser Reparaturzentrum in Luxemburg“, erläutert Servicemanager Miksche.

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Auf zwei Ebenen und 2.400 Quadratmetern überholen 28 Mitarbeitende dort jährlich zwischen 14.000 und 16.000 Teile, von Servomotoren über Roboterhandgelenke bis hin zu Leiterplatten und Verstärkern. Damit die Techniker auch an sehr alten Produkten eine korrekte Fehleranalyse durchführen können, gibt es neben modernen auch fast museumsreife Testgeräte, wie etwa ein Testsystem für analoge Spindelplatinen aus den 1980er-Jahren. „Wir tauschen alle Verschleißteile aus, säubern und lackieren die Oberflächen und machen Software-Updates, um die Teile auf neuwertigen Zustand zu bringen“, berichtet Burkhard Molitor, Leiter des Repair Centers. Gelegentlich erfahren Produkte sogar ein Hardware-Upgrade. Das ist dann etwa der Fall, wenn die Mitarbeiter alte Bildröhren durch moderne LC-Bildschirme ersetzen müssen. Einige der Teile werden anschließend an die Kunden zurückgeschickt und dort bevorratet, die meisten aber kommen ins Fanuc-Ersatzteillager und warten dort auf ihren nächsten Serviceeinsatz.

Ein Lackierroboter arbeitet in der Motorreparatur. (Bild:  Fanuc Europe)
Ein Lackierroboter arbeitet in der Motorreparatur.
(Bild: Fanuc Europe)

99,96 Prozent aller Ersatzteile sind vorrätig

Das Recycling und die langfristige Vorratsplanung zeigen Wirkung: „99,96 Prozent aller Ersatzteile, die unsere Servicetechniker europaweit benötigen, haben wir vorrätig“, berichtet Molitor. „Und wenn uns doch einmal ein Teil fehlt, können wir es in der Regel binnen weniger Tage von anderen Fanuc-Standorten anliefern lassen.“

Klar ist, dass es produzierende Unternehmen viele Jahre Arbeit und großes Engagement kosten wird, ein „Recht auf Reparatur“ umzusetzen. Schnelles Handeln ist nötig, um die Weichen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu stellen. Denn die Kunden sind gedanklich längst einen Schritt weiter: „Noch vor zwei Jahren haben Besuchergruppen oft gefragt, ob sich der ganze Aufwand für uns überhaupt lohnt“, erinnert sich Repair-Center-Leiter Molitor. „Heute scheinen sie eher zu überlegen, wieso sie das anderswo noch nicht gesehen haben.“ (pf)

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Unternehmen richten sich zunehmend an einer Kreislaufwirtschaft aus. Der Automatisierer Fanuc hat bereits eine lange Nutzungsdauer, Reparatur und Recycling in sein Geschäftsmodell integriert.

Elemente der Strategie sind beispielsweise das Produktdesign, das Nachhaltigkeitsaspekte wie Recycling-Fähigkeit, einfache Wartung, Haltbarkeit & Co. mit hinein entwickelt.

Fanuc betreibt zudem weltweit Reparaturzentren und Ersatzteillager, allein das europäische hält rund 600.000 Teile vor, auch Komponenten für jahrzehntealte Maschinen.

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