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Recht Homeoffice – das müssen Unternehmen jetzt beachten

Autor / Redakteur: Sascha Morgenroth und Annalena Wissel / Melanie Krauß

Welche Regeln gelten beim Arbeiten zu Hause? Dürfen Risikogruppen aus Angst vor Ansteckung daheim bleiben? Und muss auch unter Quarantäne aus dem Homeoffice gearbeitet werden? Wir haben die Antworten.

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Homeoffice ist nur möglich, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zugestimmt haben.
Homeoffice ist nur möglich, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zugestimmt haben.
(Bild: ©AdriaVidal - stock.adobe.com)

Wann kann ich als Arbeitgeber meine Mitarbeiter ins Homeoffice schicken?

Homeoffice kann vom Arbeitgeber nur einseitig angeordnet werden, wenn dazu eine ausdrückliche Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung besteht. Anderenfalls muss der Mitarbeiter dem Homeoffice erst zustimmen.

Müssen Arbeitgeber ihren Vertrag jetzt ergänzen, wenn sie Mitarbeiter ins Homeoffice schicken wollen?

Besteht bisher noch keine Vereinbarung zum Homeoffice, sollten Arbeitgeber den Arbeitsvertrag entsprechend ergänzen. In einer solchen Vereinbarung sollten dann auch weitere Details geregelt werden, wie die Überlassung von Betriebsmitteln für das Homeoffice, Kosten und Aufwendungen, Versicherungen, Zutrittsrechte des Arbeitgebers und die Beendigung des Homeoffice.

Welche Regeln gelten beim Arbeiten zu Hause?

Auch im Homeoffice gelten die allgemeinen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu Höchstgrenzen der Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeiten sowie des Arbeitsschutzes.

Wie kann der Arbeitgeber die Arbeitszeiten kontrollieren?

Der Arbeitgeber kann den Mitarbeiter unter anderem dazu verpflichten, genau aufzuschreiben, wenn er die täglich zulässigen Arbeitszeiten überschreitet. Diese Aufzeichnungen muss er dann dem Arbeitgeber vorlegen.

Welche Ausrüstung muss der Arbeitgeber zur Verfügung stellen?

Im Homeoffice muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer grundsätzlich die erforderlichen Betriebsmittel auf seine Kosten zur Verfügung stellen. Dazu zählen beispielsweise Büromöbel, IT-Ausstattung und Schreibmaterialien. Er kann den Arbeitnehmer nicht zwingen, mit seinen eigenen Geräten zu arbeiten.

Dürfen Arbeitgeber Zutritt zum Home­office ihrer Mitarbeiter verlangen?

Der Arbeitgeber hat nicht generell Zutrittsrecht zum Heimarbeitsplatz seiner Mitarbeiter. Grund dafür ist die garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung im Grundgesetz. Der Arbeitgeber sollte sich daher bei Bedarf im Rahmen der Homeoffice-Vereinbarung vom Arbeitnehmer ein entsprechendes Zutrittsrecht einräumen lassen.

Darf ich einem Mitarbeiter im Home­office auch Aufgaben übertragen, die er im Unternehmen sonst nicht zu übernehmen hat, zum Beispiel leichte Bürotätigkeiten?

Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer nur die Aufgaben übernehmen, die zur arbeitsvertraglich vereinbarten Position gehören. Ausnahme: Der Arbeitgeber hat sich dies ausdrücklich arbeitsvertraglich im Rahmen einer sogenannten Versetzungsklausel vorbehalten. In diesem Fall darf er dem Arbeitnehmer andere zumutbare Aufgaben zuweisen. Diese müssen allerdings dessen beruflichen Kenntnissen und Erfahrungen entsprechen.

Wer haftet, wenn im Homeoffice ein Unfall passiert?

Wenn ein Unfall passiert, während der Arbeitnehmer einer Tätigkeit explizit im Rahmen seiner Arbeit nachgeht, gilt dies als Arbeitsunfall. Das gilt auch, wenn er beispielsweise seinen Schreibtisch verlässt und einen Weg innerhalb des Wohngebäudes zurücklegt. Voraussetzung dabei ist jedoch ein unmittelbares Betriebsinteresse. Darunter fallen nicht sogenannte „eigenwirtschaftliche Tätigkeiten“, also beispielsweise Wasser zum Trinken holen.

Haben Mitarbeiter aus Angst vor einer Coronainfektion, zum Beispiel als Teil der Risikogruppe, einen Anspruch auf Homeoffice?

Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Homeoffice – es sei denn, ein solcher Anspruch ist arbeits- oder kollektivvertraglich vereinbart. Ist der Arbeitnehmer nicht erkrankt, muss er daher mit seinem Arbeitgeber das Gespräch suchen und mit diesem gegebenenfalls eine Tätigkeit im Homeoffice vereinbaren.

Darf ich meinen Mitarbeiter zu Home­office verpflichten, solange er nur zum Schutz vor Ansteckung in Quarantäne ist?

Da Homeoffice nicht einseitig angeordnet werden kann, müssen sich beide Seiten – das heißt Arbeitgeber und Arbeitnehmer – zunächst darauf einigen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass bereits eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung dazu besteht. Ist dies der Fall, kann der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer erwarten, dass dieser auch während einer behördlich verhängten Quarantäne aus dem Home­office arbeitet. Ist dies nicht der Fall, entsteht für den Mitarbeiter ein Verdienstausfall. Der Arbeitgeber ist dann dazu verpflichtet, das Gehalt weiterhin fortzuzahlen. Diese Zahlung kann er sich im Anschluss jedoch von den Behörden erstatten lassen.

* Dr. Sascha Morgenroth ist Leiter der Praxisgruppe Arbeitsrecht, Annalena Wissel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons in 60308 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 90 74 54-05, www.simmons-simmons.com

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