Umformtechnisches Kolloquium Hannover

Industrie 4.0 macht die Presswerke flexibler

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Die Neuerungen durch Industrie 4.0 aus Sicht des Werkzeugbaus schilderte Jens Poelmeyer, Projektleiter virtuelle Prozesskette bei Audi. Denn er integriert die Wertschöpfungsketten der Verfahrens- und Anlagenentwicklung, der Erstellung von technischen Anlagen und der Produktherstellung. Diese Zusammenhänge könnten ohne Digitalisierung nicht mehr in voller Effizienz gesteuert werden. Die Digitalisierung ist zwar laut Poelmeyer nicht neu, doch durch Datenanalyse und Datenverknüpfung erreicht sie eine neue Dimension.

Industrie 4.0 eröffnet auch dem Werkzeugbau neue Geschäftsmöglichkeiten

„Das bringt auch Chancen durch neue Geschäftsfelder für den Werkzeugbau“, sagte er. Beispiele seien das virtuelle Try-out, die Simulation realer Prozessschwankungen oder die Erstellung eines virtuellen Prozessfensters für die Serienproduktion. Auch das Fernwartungsportal im Audi-Intranet nutze Industrie 4.0: Die Benutzer haben Zugriff auf intelligente Werkzeuge, Informationen aus dem Prozess sind weltweit verfügbar und ermögichen eine schnelle, flexible Problemanalyse und Zusammenarbeit.

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Die virtuelle Prozesskette Blech ermögliche es auch, weg vom lokalen Qualitätsprozess für jeden Prozessschritt zu einer globalen Betrachtungsweise zu gehen. Dazu wurde die komplette Prozesskette vom Einzelteil bis zur Zusammenbaugruppe verknüpft, einschließlich des Bezugs zu vor- beziehungsweise nachgelagerten Prozessschritten.

Durch Industrie 4.0 sieht Poelmeyer drei Handlungsfelder für den Audi-Werkzeugbau erscheinen:

  • Smarte Produkte: Hierzu gehören intelligente Werkzeuge, die sich im Prozess regeln lassen, selbstregelnde Werkzeuge und in einer letzten Stufe selbstlernende Werkzeuge;
  • smarte Dienstleistungen, beispielsweise in der Fernwartung, und
  • smarte Produktion im Zeichen von Big Data und durchgängiger Transparenz.

Ziel ist eine hochflexible Fertigung, die über mehrere Stufen erreicht wird: Datendurchgängigkeit, Planungsgenauigkeit, Trenderkennung, Ablaufregelung und intelligente Assistenten. Über Smart Services will Audi eine ganzheitliche Datenanalyse erreichen, von der Messung der Schmierstoffmenge, Simulationsdaten aus dem Umformprozess bis hin zur Qualitätskorrelation der umgeformten Bauteile. In den intelligenten Werkzeugen erlauben Sensoren einen Einblick in den Umformprozess und Aktoren entsprechend korrigierende Eingriffe – aktive Ziehhilfen verändern den Flanscheinzug für den nächsten Hub, um das geforderte Prozessfenster einzuhalten.

In der Prozesskette schließlich erlaubt die Integration von Maschinendaten und Datenbanken eine ganzheitliche Informationserfassung, Konsolidierung der Information, stochastische und explorative Modelle sowie Analysedienste. Industrie 4.0 bietet hier Vorteile bei der Bauteilverfolgung und einen gesenkten Aufwand zur Datenerfassung, eine frühe Fehlererkennung und Vermeidung von Fehlerverschleppung in Folgeprozesse, weniger Ausschuss sowie schnellere Produktionsanläufe.

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