Wirtschaftlicher Irrsinn Chemiekonzern Ineos macht zwei deutsche Werke zu

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Der britische Chemiekonzern Ineos schließt zwei Werke in Rheinberg (Kreis Wesel). Rund 175 Stellen sind von der geplanten Maßnahme betroffen, teilte das Unternehmen aus London mit.

Das britische Chemieunternehmen Ineos kann die hohen Energiekosten und die Regulierungen durch die EU nicht mehr stemmen. Nun werden auch zwei Werke in Deutschland geopfert.(Bild:  Ineos)
Das britische Chemieunternehmen Ineos kann die hohen Energiekosten und die Regulierungen durch die EU nicht mehr stemmen. Nun werden auch zwei Werke in Deutschland geopfert.
(Bild: Ineos)

Der genaue Zeitpunkt, wann das Tor hinter den Ineos-Mitarbeitern in Rheinberg das letzte Mal schließt, steht bisher noch nicht fest. Als Gründe für diese Entscheidung führt die Ineos-Chefetage die ausufernden Energie- und CO2-Kosten an. Sie seien erdrückend hoch und es fehle außerdem ein Zollschutz gegen die Flut billiger Chemikalien aus Asien. Man konzentriere sich nun darauf, die verbliebenen Betriebe in Rheinberg zu erhalten und die dortigen 300 Arbeitsplätze zu sichern. Europa begeht nach Ansicht der Ineos-Entscheider nicht weniger als industriellen Selbstmord, während die Konkurrenz in den USA und China von billiger Energie profitiert. In Europa dagegen werden die europäischen Hersteller durch die eigene Politik und das Fehlen eines Zollschutzes vom Markt verdrängt. Die Chemikalien aus China sind auch deshalb so billig, weil sie häufig mit günstigem Öl und Gas aus Russland hergestellt wurden, wie es weiter heißt. Der Markt werde außerdem von emissionsschwangeren Importen überschwemmt. Das ist laut Ineos völlig untragbar und wird zu weiteren Schließungen, Arbeitsplatzverlusten und einer höheren Abhängigkeit von anderen Regionen bei wichtigen Rohstoffen führen, wenn sich nichts tut. Moderne und effiziente europäische Werke müssen demnach also schließen, während die Emissionen weltweit stiegen. Dies ist nicht nur wirtschaftlicher Irrsinn! Das ist ökologische Heuchelei. Übrigens wurden die Ineos-Standorte in Grangemouth und im belgischen Geel bereits dichtgemacht. Bekanntlich wird es in Gladbeck ein weiteres deutsches Werk treffen.

Chemieverband registriert beim „Schiff Deutschland“ heftige Schlagseite

In einem der Rheinberger Werke, die nicht fortgeführt werden sollen, produziert die Firma bislang Chemikalien aus der Familie der Allyle, die etwa für Epoxidharze gebraucht werden. Und diese wiederum kommen bei der Produktion von Gütern für die Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, Autoindustrie und Erneuerbare-Energien-Industrie zum Einsatz – man denke an faserverstärkte Kunststoffe, sogenannte Composites, die auch für den Leichtbau wichtig sind. Außerdem gewinnt Ineos in Rheinberg den Rohstoff respektive das Element Chlor, das unter anderem für Medikamente und die Abwasserentsorgung benötigt wird, wie man weiter erfährt. Ineos ist leider auch kein Einzelfall, die ganze deutsche Industriebranche ist unter Druck. Vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) heißt es, dass bei den Unternehmen Krisenstimmung herrscht. Erste Hoffnungen auf eine konjunkturelle und wirtschaftspolitische Wende seien längst wieder verflogen. „Die Industrienation Deutschland hat heftig Schlagseite“, merkte auch der VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup kürzlich an. Er warnte die Politik deshalb davor, den Untergang zentraler Branchen zu riskieren. Der Verbandschef fordert rasche Reformen und eine Verringerung der Stromkosten. Weg auch, mit der Monsterbürokratie und der irrsinnigen Regulierung, so seine Worte. Wenn die Politik jetzt nicht handle, verlören man nicht nur Anlagen und Arbeitsplätze, denn jetzt stehe die industrielle Zukunft insgesamt auf dem Spiel.

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