Buchtipp Instandhaltung

Inflationäre Instandhaltung gefährdet deutsche Industrie

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Die Wende in einer verfehlten Instandhaltungspolitik

Spätestens nach vier Jahren hören Investitionen auf, sich zu amortisieren. Produktionsausfallkosten werden nicht festgehalten, Instandhaltungskosten werden entweder bewusst oder unbewusst manipuliert, Flops vertuscht oder ignoriert. Produktionszahlen werden falsch berechnet, Deckungsbeiträge nach dem Prinzip „so isses“ eher festgelegt als berechnet. Was haben dann aber Wirtschaftlichkeitsberechnungen in der Produktion und Technik für einen Sinn? Sind unsere betriebswirtschaftlichen Ansätze falsch oder wenden wir Menschen sie falsch an?

Eine der wichtigsten Innovationen der Menschheit, die elektronische Datenverarbeitung, läuft Gefahr, zu einer neuen Ansammlung von „Datenfriedhöfen“ zu werden. Daten, die „nur verwaltet“ werden, nehmen immer mehr zu. In vielen Fällen bekommen diese Datensammlungen eine Alibifunktion. Sie sollen Aktivität, Fleiß, Statistik oder Tendenzen „vorgaukeln“ und sind im Grunde nur Schwachsinn. Das führt dazu, dass immer mehr EDV- Abteilungen von anderen Abteilungen bedient werden, an Stelle dass die EDV die Abteilungen mit Analysen unterstützt, steuert, ihnen hilft.

Europäische Individualisierung kann Innovationen hervorbringen

Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den Ländern mit einem hohen Anteil an guten Fachkräften, exzellenten Spezialisten und fähigen Führungskräften. Das reicht allerdings nicht aus. Es reicht nicht aus, weil Spezialwissen nicht gleichzusetzen ist mit der Fähigkeit, strategisch zu denken und zu planen. Hier besteht noch Handlungsbedarf. Dabei braucht Deutschland in keiner Weise Japan oder Ostasien zu fürchten oder nachzuahmen. Gerade die europäische Individualisierung kann hervorragende Innovationen hervorbringen. Wenn man die Berichte und die Meinungen im Internet analysiert stellt man zwei wichtige Ergebnisse fest: Erstens man gewinnt den Eindruck einer Unschlüssigkeit, nach dem Motto „Na und, wir haben predictive Maintenance eingeführt .... und jetzt?“. Zweitens man versteht predictive Maintenance als die.....Organisationsform des Reparaturbetriebes. So entsteht der Eindruck einer „Blase“ die nach dem plötzlichen Aufblasen kurz vor dem Platzen steht. Beide Empfindungen liegen falsch.

Praktikabilität fehlt

In dem Buch über „predictive Maintenance“ warnt der Autor gerade vor diesen negativen Schlussfolgerungen. Zwei Beispiele dazu: ein Konzernbetrieb mit über 500 Mitarbeitern und ein Mittelstandsbetrieb mit 150 Mitarbeitern. Der Konzernbetrieb wählt einen Berater aus, erteilt eine Studie, macht ein Konzept und in ein Jahr ist alles vorbei. Ziel auf dem Papier erreicht. Hauptsache alle sind zufrieden, denn schließlich nicht mal der Berater weiß was predictive Maintenance ist. Der Mittelstandsbetrieb verfügt über 15 bis 20 Instandhalter. Alle reparieren und alles läuft – irgendwie. Plötzlich haben sie eine neue Software. Sie sammelt Daten. Was soll man machen mit beispielsweise 200 Datenblättern? Analysieren während der Fertigungsleiter Hilfe braucht? Die Praktikabilität fehlt.

Nie war man so nah, um zu begreifen, dass sich Reparaturmentalität und Vorbeugung nicht vereinen lassen. Nie war man so nah eine „intelligente“ Instandhaltung einführen zu können. Dabei braucht man zum bestehenden Funktionsbegriff nur den alten Begriff zur Werterhaltung hinzufügen. Denn instandhalten bedeutet auch den Wert zu erhalten, das ist keine technische sondern eine sozialökonomische Notwendigkeit.

Drei Empfehlungen des Autors:

  • Empfehlung 1: Überprüfen Sie Ihre Auditierungsverfahren beziehungsweise Ihr Konzept. Sprechen Sie über ein neues Konzept mit den Betroffenen. Weniger Auditierung ist mehr.
  • Empfehlung 2: Überprüfen Sie die Stellen wo ein Drucker steht und halbieren Sie ihre Anzahl. Viele Drucker erzeugen viele Kopien und das ist bereits Bürokratie.
  • Empfehlung 3: Überprüfen Sie Ihre Organisation in der Instandhaltung, viele Führungsebenen und viele Führungssäulen bedeuten viele Informationswege, das ist Bürokratie. Flachen und straffen, das bringt Zeit.

MM

* Dr.h.c. Dipl.-Ing Nikolaus D. Mexis ist emeritierter Professor und Unternehmensberater im europäischen Raum für die Bereiche Produktion und Instandhaltung aus 68219 Mannheim

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