Innovationsfähigkeit in der Produktion

Redakteur: MM

In der Praxis existieren zahlreiche Konzepte, die der Verbesserung von Prozessen und Produkten dienen sollen. Den größten Erfolg haben dabei jene Unternehmen, die den Verbesserungsprozess von der...

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In der Praxis existieren zahlreiche Konzepte, die der Verbesserung von Prozessen und Produkten dienen sollen. Den größten Erfolg haben dabei jene Unternehmen, die den Verbesserungsprozess von der Idee bis zur Umsetzung weitestgehend dezentralisieren. Damit dies funktioniert, benötigen die wertschöpfenden Einheiten eine möglichst hohe Innovationsfähigkeit.Das betriebliche Innovationsmanagement wird immer bedeutsamer. Unternehmerischer Erfolg ist auf Dauer nur durch Innovationen zu sichern. Unternehmen versuchen deshalb zunehmend, ihre Innovationsfähigkeit in allen Bereichen zu erhöhen. Innovation ist damit nicht mehr die alleinige Angelegenheit von Spezialisten, sondern betrifft alle Mitarbeiter. Dabei ist es erforderlich, neben der radikalen Erneuerung von Produkten und Prozessen auch fortlaufend Verbesserungen an bestehenden Produkten und Prozessen vorzunehmen.Gerade die systematische Förderung auch ,,kleiner" Innovationen, sogenannter Verbesserungsinnovationen, wird immer mehr zu einer entscheidenden Größe. Betriebe, die ihre Prozesse kontinuierlich hinterfragen und optimieren, haben die besten Chancen, ihren Profit zu steigern und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erschließen. Die Produktion besitzt in diesem Zusammenhang eine sehr bedeutende Rolle, da hier die Potenziale zur Verbesserung von Prozessen, Technologien und Verfahren am größten sind.Unter den zahlreichen Konzepten, welche die Generierung von Verbesserungsinnovationen unterstützen sollen, ist sicher das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) eines der bekanntesten. Das BVW ist eine dauerhafte oder temporäre betriebliche Einrichtung zur Förderung, Begutachtung, Anerkennung und Verwirklichung von Verbesserungsvorschlägen der Arbeitnehmer. Gleichwohl ist das BVW nicht unumstritten. Eine zu hohe Formalisierung und die daraus resultierenden langen Bearbeitungs- und Umsetzungszeiten sind ein häufig geäußerter Vorwurf. Aus diesem Grund setzen viele Unternehmen auf eigene, unbürokratische Ideen- und Verbesserungsprogramme. Zahlreiche dieser Lösungen orientieren sich an dem als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) bekannten Ansatz.Die Entstehungsgeschichte von KVP ist im Umfeld der TQM-Bewegung zu finden. Dort ist die Idee eines Continuous Improvement Process (CIP) beschrieben. Auch das aus Japan bekannte Kaizen lässt sich letzten Endes auf diese Gedanken zurückführen.Die zahlreichen Konzepte unterscheiden sich in ihren heute beschriebenen Ausprägungen zum Teil erheblich, haben jedoch im Prinzip die gleiche Intention, nämlich die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen, Produkten und Handlungen.Die ,,richtige" OrganisationsformBei allen Möglichkeiten, die die genannten Konzepte bieten, stellt sich die grundsätzliche Frage, auf welcher organisatorischen Basis Verbesserungsinnovationen am ehesten möglich sind. Geht es um Verbesserungen, die sich auf den eigenen Arbeitsbereich oder das nähere Arbeitsumfeld beziehen, sollten die beteiligten Mitarbeiter selbst Ideen entwickeln und diese auch selbst umsetzen. Wichtig sind dabei vor allem die Überschaubarkeit der Organisationseinheiten, die Transparenz im Hinblick auf die integrierten Prozesse sowie ein hohes Maß an Verantwortung und Kompetenz für die Mitarbeiter der Einheiten.In Produktionssystemen sind diese Anforderungen beispielsweise in Fertigungsinseln, Fertigungssegmenten, Fraktalen oder teilautonomen Arbeitsgruppen weitestgehend erfüllt. Die geeignete Organisationsform allein genügt allerdings noch nicht. Es müssen zudem ganz spezielle Voraussetzungen vorliegen, die das Zustandekommen von Verbesserungsinnovationen erst ermöglichen. Diese Voraussetzungen bilden zusammen die Innovationsfähigkeit eines Produktionssystems bzw. einer Produktionseinheit.Bestimmung der InnovationsfähigkeitDie Innovationsfähigkeit bezeichnet die Leistungsfähigkeit eines Produktionssystems oder einer Produktionseinheit zur Hervorbringung von Verbesserungsinnovationen und definiert sich über verschiedene organisatorische Rahmenbedingungen. Dabei wird eine Unterteilung in Innovationskapazität und Innovationskompetenz vorgenommen.Die Innovationskapazität beinhaltet personelle, finanzielle und materielle Aspekte. Die personelle Innovationskapazität gibt Auskunft darüber, ob und inwieweit die Mitarbeiter über den zeitlichen Freiraum verfügen, sich parallel zu ihren primären Aufgaben auch um Verbesserungen zu kümmern.Die finanzielle Innovationskapazität sagt aus, ob eine Produktionseinheit über ein Budget verfügt, mit dem sie notwendige Sachausgaben tätigen kann. Eine Verbesserung sollte schließlich nicht daran scheitern, dass zum Beispiel einige Bleche und Schrauben für eine arbeitserleichternde Vorrichtung nicht beschafft werden können, nur weil hierfür keine Mittel vorgesehen sind.Die materielle Innovationskapazität beinhaltet schließlich verschiedene Sachmittel, mit deren Hilfe Verbesserungsideen in die Praxis umgesetzt werden können. Verfügt eine Produktionseinheit beispielsweise über eine eigene Grundausstattung an Werkzeugen, können die Mitarbeiter eine Vielzahl kleiner Verbesserungen ohne Zeitverzug selbst realisieren.Die Innovationskompetenz integriert sowohl qualifikatorische als auch organisatorische Aspekte. Die fachlich-methodische Innovationskompetenz bezieht sich insbesondere auf die notwendige Qualifikation zur Ideengenerierung, also zum Beispiel auf die Fähigkeiten zur Problemanalyse und Problemlösung. Mit der manuell-fachlichen Innovationskompetenz sind im Wesentlichen die Fähigkeiten zur Verrichtung handwerklicher Aufgaben angesprochen.Die organisatorische Innovationskompetenz ist schließlich ein Maß für die Rechte, die einer Produktionseinheit zur eigenständigen Umsetzung von Verbesserungen zugestanden werden. Sie sagt im Prinzip aus, welche ,,maximale Tragweite" eine Verbesserung haben kann, ohne dass es einer Abstimmung mit der Produktionsleitung bedarf.Damit liegen also sechs Kriterien zur Bestimmung der Innovationsfähigkeit vor. Doch wie erkennt man nun, wie ,,gut" oder ,,schlecht" ein Kriterium ausgeprägt ist? Wie kann man die Innovationsfähigkeit messen? Hierzu bietet sich die Verwendung einer standardisierten Checkliste mit einem einfachen Punktesystem an. Dabei kommt eine geschlossene Skala von 0 Punkten (geringstmögliche Ausprägung) bis 5 Punkten (höchstmögliche Ausprägung) zur Anwendung. Die Punktwerte 1 bis 4 repräsentieren entsprechende Zwischenstufen. Die Ermittlung der Punktwerte mit Hilfe der Checkliste gewährleistet eine hohe Objektivität in der Bewertung. Die Tabelle zeigt einen Ausschnitt aus einer solchen Checkliste für die personelle Innovationskapazität.Die Ausprägungen der einzelnen Kriterien lassen sich in einem Polardiagramm darstellen. Damit kann für jede Produktionseinheit ein charakteristisches ,,Innovationsfähigkeitsprofil" abgebildet werden. Durch die Berechnung des Durchschnitts aus den Punktwerten aller sechs Kriterien lässt sich zudem ein Gesamtwert für die Innovationsfähigkeit ermitteln.Innovationsprofil ermittelnDie Darstellungen geben Aufschluss darüber, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht, das heißt welche Kriterien in ihren Ausprägungen optimiert werden müssen. Dabei gelten einige Grundregeln. Prinzipiell müssen alle sechs Kriterien vorhanden beziehungsweise in einer zumindest geringen Ausprägung erfüllt sein. Demzufolge muss jedes Kriterium mindestens den Punktwert 1 aufweisen. Für den Gesamtwert der Innovationsfähigkeit kann ein Soll-Wert definiert werden. Dieser besitzt aufgrund der an die Einzelkriterien gestellten Anforderungen ebenfalls mindestens den Wert 1.Eine Maximierung auf den Höchstwert 5 ist aber nicht in jedem Falle sinnvoll, da hierdurch möglicherweise zu hohe Aufwände entstehen. Zur Steigerung der Innovationsfähigkeit sind solche Maßnahmen zu bevorzugen, mit denen die am schwächsten ausgeprägten Kriterien optimiert werden können. Potentielle Maßnahmen sind beispielsweise die Zuordnung von Budgets oder die Durchführung von Schulungen zur Vermittlung von Problemlösungstechniken.Sollen alle Potenziale zur Optimierung des Produktionssystems genutzt werden, müssen sich im Idealfall alle Akteure an den hierfür notwendigen Innovationsaktivitäten beteiligen. So entstehen nicht nur Verbesserungen von großer Tragweite, sondern auch eine Vielzahl kleiner Verbesserungsinnovationen, die in Summe einen erheblichen Nutzen mit sich bringen. Die Messung, Beobachtung und gezielte Optimierung der Innovationsfähigkeit von Produktionseinheiten führt zu einer stabilen Verankerung von Verbesserungsinnovationen in der Produktion.Alle Akteure müssen sich beteiligenMit den sechs aufgezeigten Kriterien zur Bestimmung der Innovationsfähigkeit kann das innovative Potenzial von Produktionseinheiten für die meisten bekannten dezentralen Organisationsformen recht gut beschrieben werden. Die Einführung und Anwendung der dargestellten Systematik ist prinzipiell in allen produzierenden Industriebetrieben möglich.

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