Pleitegeier gegen Bundesadler Insolvenzen in Deutschland auf Rekordwert

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) analysiert hat, gab es seit rund 14 Jahren nicht so viele Unternehmenspleiten wie jetzt.

Wie Hallenser Wirtschaftsexperten jetzt herausgefunden haben, ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland bei einem traurigen Rekordwert angekommen. Von einer großen Rezession könne aber keine Rede sein.(Bild:  K. Mügge)
Wie Hallenser Wirtschaftsexperten jetzt herausgefunden haben, ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland bei einem traurigen Rekordwert angekommen. Von einer großen Rezession könne aber keine Rede sein.
(Bild: K. Mügge)

Im dritten Quartal 2024 hat die Zahl der Insolvenzen laut IWH so hoch gelegen wie in keinem anderen Quartal seit 2010. Außer der aktuellen Schwächephase der deutschen Wirtschaft spielten auch Nachholeffekte aus der Coronapandemie eine Rolle, so der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller. Denn damals sei die Zahl der Insolvenzen durch staatliche Stützprogramme künstlich verringert worden. Viele der damals gestützten Unternehmen gerieten jetzt aber in Schwierigkeiten. Im dritten Quartal 2024 sind nun 3.991 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften zu verzeichnen. Zuletzt hat im zweiten Quartal 2010 mit 4.071 Insolvenzen der Wert höher gelegen, was an Nachwirkungen der Wirtschaftskrise 2008/2009 lag, so die Experten.

Staatliche Wachstumsinitiative soll helfen

Letzte Woche hatte die Bundesregierung die Konjunkturprognose gesenkt. Sie rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) betonte, dass die Wirtschaft wieder stärker wächst, wenn die Maßnahmen der Wachstumsinitiative entschlossen und von allen umgesetzt werden. Die Bundesregierung setze auf ihr Wachstumspaket mit Steuererleichterungen, Arbeitsanreizen und Strompreisvergünstigungen. Führende Wirtschaftsinstitute sind aber skeptisch, ob das Paket überhaupt den nötigen Impuls bringen kann.

Eigentlich gute Basis für die Wirtschaft

Seit Juni 2023 liegt die Zahl der monatlichen Insolvenzen zum Teil deutlich über dem jeweiligen Durchschnitt der Jahre vor der Coronaplage (2016 bis 2019). Allein im September verzeichnete das IWH 1.303 Insolvenzen, was um 44 Prozent über dem Septemberdurchschnitt vor der Pandemie liegt. Allerdings sind die Zahlen von früheren Höchstständen noch entfernt. So gab es laut IWH in den Jahren 2003 und 2010 teilweise 2.000 Firmenpleiten pro Monat. Dennoch erlebe die Bundesrepublik derzeit keine schwere Rezession, so einige Experten. An sich sei die Substanz der deutschen Wirtschaft immer noch sehr gut. Unternehmen seien in unterschiedlichen Bereichen außerdem sehr innovativ und die Finanzlage sei besser als in früheren Zeiten, in denen man Deutschland den kranken Mann Europas nannte.

Pleitenserie in Deutschland geht weiter

Im Vergleich zum dritten Quartal 2023 sei der Anstieg der Insolvenzen in den großen Bundesländern Bayern (56 Prozent) und Baden-Württemberg (42 Prozent) am stärksten gewesen. Bei den Branchen ist der Zuwachs im großen Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen mit 31 Prozent hoch. Kleinere Branchen, wie etwa das Grundstücks- oder Wohnungswesen, hätten mit 69 Prozent sogar einen noch größeren Anstieg der Insolvenzen. Angesichts der Frühindikatoren rechnet das IWH in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Pleiten.

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