Expertenbeitrag

Dr. Sebastian Heger

Dr. Sebastian Heger

Produktmanager, soffico GmbH

Industrial Internet of Things Sind IoT-Plattformen out und Smart Product Plattformen die Zukunft?

Ein Gastbeitrag von Dr. Sebastian Heger und Marcel Möstel* 4 min Lesedauer

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IoT-Plattformen haben sich als das Fundament für die Verbindung von Geräten, Maschinen und Anlagen etabliert. Besonders die heimische Industrie mit ihrer vielfältigen Ingenieurskunst profitiert von der Vernetzung ihrer Produkte. Aber sind IoT-Plattformen hierfür noch zeitgemäß?

Unternehmen wollen die Vorteile des Internet of Things nutzen, ohne dabei von den technischen Details überfordert zu werden. Sogenannte Smart Product Plattformen sollen das möglich machen.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
Unternehmen wollen die Vorteile des Internet of Things nutzen, ohne dabei von den technischen Details überfordert zu werden. Sogenannte Smart Product Plattformen sollen das möglich machen.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

In Zeiten rasant wachsender digitaler Geschäftsmodelle stoßen herkömmliche Plattformen für das Industrial Internet of Things, kurz IIoT, strukturell immer häufiger an ihre Grenzen. Ist es also an der Zeit, über einen Generationenwechsel nachzudenken? Können Smart Product Plattformen diesen einläuten? Was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff? Und warum könnten sie die Zukunft des IIoT sein?

Um die Bedeutung von Smart Product Plattformen zu verstehen, ist es hilfreich, zunächst einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte von IoT-Plattformen zu werfen:

Ihre Anfänge lassen sich bis in die frühen 2000er Jahre zurückverfolgen, als die ersten vernetzten Geräte und Anwendungen auf den Markt kamen. Diese frühen Plattformen waren hauptsächlich darauf ausgerichtet, technische Standards für die sichere Verbindung zwischen Geräten im Feld und der Cloud zu etablieren. Der Fokus lag auf Datenaustausch. Mit der Zeit wurden die Plattformen jedoch immer ausgefeilter und boten weitreichende Funktionalitäten, um die steigenden Anforderungen an Vernetzung und Skalierung zu bewältigen.

In den 2010er Jahren erlebte die IoT-Branche rund um AWS und Azure einen regelrechten Boom. Eine Vielzahl von IoT-Plattformen entstand, um die unterschiedlichsten Anwendungsfälle zu adressieren. Von Smart Home-Anwendungen im B2C-Bereich bis hin zu industriellen IoT-Anwendungen, also dem IIoT, im B2B-Bereich. Plattformen für das Internet of Things wurden zur treibenden Kraft hinter der digitalen Transformation von vielen Geräte- und Anlagenherstellern.

Neue Geschäftsmodelle überfordern klassische IoT-Plattformen

Trotz oder gerade wegen der fortschreitenden Technologieentwicklung stoßen traditionelle IoT-Plattformen inzwischen jedoch an ihre Grenzen. Je näher die Geschäftsmodelle der Unternehmen an die Plattformen heranrücken, desto weitreichender werden die Anforderungen, die rund um die Modellierung von Vertriebs-, Partner- oder Service-Strukturen entstehen.

Langsam aber sicher wird klar: Die Gerätekonnektivität oder das -monitoring allein ist nicht erfolgsentscheidend, sondern das Mapping von Gerätedaten, Business Entitäten und Prozessen. Mehr denn je gilt es heute, Kundenzentrierung, Geschäftsmodellierung und IoT-Technologien zusammenzubringen. Dabei hilft der Ansatz von Smart Product Plattformen.
Während klassische IoT-Plattformen oftmals ein technologiegetriebenes Bild der Vernetzung von Geräten zeichnen, gehen Smart Product Plattformen einen Schritt weiter und betonen die entscheidenden Aspekte, die für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle im Fokus stehen müssen:

Flexibilität in der Datenmodellierung
Anstatt sich nur auf vorgefertigte Datenstrukturen zu verlassen, bieten Smart Product Plattformen die Möglichkeit, Datenmodelle dynamisch anzupassen und auf die individuellen Anforderungen der Geschäftsprozesse zuzuschneiden. Das ermöglicht es Unternehmen, eigene Prozesse besser abzubilden, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und ihr Geschäftsmodell kontinuierlich zu optimieren. Denn: Kein Unternehmen ist wie das andere.

Digitale Zwillinge
Die Kunden eines Unternehmens denken häufig nicht in einzelnen Geräten in ihrem Arbeitsalltag, sondern in Business Entitäten. Ein Beispiel: Betreiber eines Schwimmbads interessiert in erster Linie der aktuelle Zustand der einzelnen Schwimmbecken, nicht die mit dem Becken verbundene Messtechnik. Entsprechend müssen die Telemetriedaten des Geräts auf das digitale Abbild des Beckens übertragen werden.

Offenheit der Anwendung
Um erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle rund um smarte Produkte zu etablieren, werden die Daten nicht nur in der Smart Product Plattform benötigt. Eine Integration in ERP, CRM und Serviceportale ist unerlässlich. Das erfordert offene Schnittstellen zur Integration in die bestehende Anwendungslandschaft des Unternehmens.

Payment
Digitale Geschäftsmodelle sollen den Umsatz ankurbeln. Dazu stellen Smart Product Plattformen entsprechende Features zur Zahlungsabwicklung bereit. Diese beginnen bei einfachen Subscription-Modellen, zum Beispiel kostenlosen Basisfunktion und Premium-Features gegen eine monatliche Gebühr. Und enden bei der Abrechnung nach tatsächlich erbrachter Leistung durch den Einsatz des physischen Produkts, beispielsweise Pay-per-Use.

Kunden im Zentrum
Traditionell standen Entwickler und Hersteller selbst als primäre Zielgruppe von IoT-Plattformen im Fokus. Anstelle dieser technologischen Betrachtung für die Optimierung von Geräten und Anlagen legen Smart Product Plattformen gezielt Wert auf die Bedürfnisse und Mehrwerte von Kunden und Anwendern. Das geschieht häufig durch direkt integrierte Kundenportale, die digitale Dienste für die Kundschaft rund um Geräte und Anlagen schon out-of-the-box abbilden. Auch die Möglichkeit, Unternehmenspartner, wie Händler oder Servicedienstleister, auf der Plattform zu integrieren, sind ein wichtiger Bestandteil von Smart Product Plattformen.

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IoT-Plattform weiterentwickelt

Das Konzept von Smart Product Plattformen sind weitergedachte IoT-Plattformen: Sie lösen alle technologischen Herausforderungen rund um das Internet of Things und die Cloud.

Statt viel Zeit in die technische Integration zu investieren, können sich Unternehmen auf das Wesentliche fokussieren. Sie bleiben Spezialisten im eigenen Kerngeschäft, ohne in technischen Details unterzugehen. Das jahrzehntelange Marktwissen rund um Geräte, Maschinen und Anlagen kann so gezielt auf den Aufbau von digitalen Services angewendet werden. Ein entscheidender Erfolgsfaktor in Zeiten von Fachkräftemangel und Servitization.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Industry of Things erschienen.

* Marcel Möstel ist Head of Solutions bei der Tresmo GmbH.

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