Fachtagung Carbon Composites 2013 Kardierprozess zur Wiederverwendung von Carbonabfall

Autor / Redakteur: Bernd Gulich und Marcel Hofmann / Peter Königsreuther

Viele fragen sich was mit ausgedienten Compositebauteilen und Abfallmaterial geschehen soll. Bernd Gulich vom Sächsischen Textilforschungsinstitut gibt in seinem Fachvortrag in Augsburg interessante Antworten.

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(Bild: Hofmann)

Carbonabfälle stellen eine vergleichsweise junge und noch weitgehend ungenutzte Abfallgruppe dar. Deren Wiederaufbereitung und wirtschaftlich sinnvolle Verwertung ist bisher als ungenügend einzuschätzen.

Lediglich die Aufbereitung zu Kurzschnittfasern beziehungsweise Mahlgut für die Kunststoffverstärkung hat sich industriell etabliert. Hinsichtlich des Managements natürlicher Ressourcen und unter wirtschaftlichen Aspekten muss es oberstes Gebot sein, energieintensiv produzierte Carbonfasern unter Beibehalt der Funktionalität und des Potenzials als Verstärkungsfaser einer effektiven Kreislaufwirtschaft durch stoffliches Recycling zuzuführen.

Modifizierter Schneid- und Reißprozess

Unter dieser Zielstellung ordnen sich die umfangreichen Aktivitäten am Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V. in Chemnitz ein, deren Ergebnisse im Vortrag vorgestellt werden. Aufgrund der jahrelangen Erfahrungen auf dem Gebiet des Textilrecyclings ist es gelungen, Carbonabfälle durch einen modifizierten Schneid- und Reißprozess in Fasern mit einer für eine textile Weiterverarbeitung akzeptablen Länge aufzubereiten. Weil die Technologie bereits im Technikumsmaßstab entwickelt wurde, kann die Umsetzbarkeit in den Industriemaßstab kurzfristig erwartet werden.

Aus Faserflor entstehen neue Verstärkungsvliese

Das Konzept der textilen Weiterverarbeitung geht von der Kardierung der rezyklierten Carbonfasern in reiner Form oder in Mischungen mit anderen Fasern aus. Der entstehende Faserflor ist durch eine ausreichende Faserauflösung und Orientierung charakterisiert und kann mittels unterschiedlicher Verfahren weiter verarbeitet werden.

Im Vortrag näher eingegangen wird auf die Bildung von quergelegten Vliesen und deren anschließende Verfestigung durch Vernadeln oder Übernähen mit einem Fadensystem. Vliesstoffe sind im Flächenmassebereich zwischen 40 bis 700 g/m² herstellbar. Abschließend wird anhand von Kennwerten hergestellter Laminate auf mögliche Anwendungspotenziale eingegangen.

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