KI überwacht Antriebe Effizientere Elektromotoren durch Temperaturkontrolle

Quelle: Pressemitteilung Universität des Saarlandes 3 min Lesedauer

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Mit einem neuen KI-gestützten Verfahren kann das Team um Professor Matthias Nienhaus von der Universität des Saarlandes die Temperaturverteilung in laufenden Elektromotoren erfassen – ohne zusätzliche Technik zu verbauen. Stattdessen nutzen die Ingenieure vorhandene Antriebsdaten und ein KI-Modell.

Um die Temperaturverteilung im Elektromotor in Echtzeit mit KI-Methoden schätzen zu können, sammelte Doktorand Saeed Farzami an einem Teststand Massen von Daten. Hierzu stattete er einen Elektromotor an allen kritischen Stellen mit Sensoren aus: an verschiedenen Orten in den Wicklungen, im Rotor und auch am Gehäuse. (Bild:  Oliver Dietze)
Um die Temperaturverteilung im Elektromotor in Echtzeit mit KI-Methoden schätzen zu können, sammelte Doktorand Saeed Farzami an einem Teststand Massen von Daten. Hierzu stattete er einen Elektromotor an allen kritischen Stellen mit Sensoren aus: an verschiedenen Orten in den Wicklungen, im Rotor und auch am Gehäuse.
(Bild: Oliver Dietze)

Elektrogeräte und Maschinen sollen mit möglichst wenig Material gebaut werden und klein bleiben. Dafür müssen auch ihre Elektromotoren klein und leicht sein – und zugleich viel Leistung bringen. Liefern Motoren viel Power in einem kompakten Gehäuse, werden sie warm. Die Temperaturen steigen dabei im Motor nicht gleichmäßig an. Vielmehr herrschen in den einzelnen Komponenten verschieden hohe Messwerte. Hohe Temperaturen setzen Elektromotoren zu und senken die Lebensdauer und auch ihre Leistung.

„Der sichere Betrieb, aber gerade auch die effiziente Steuerung der elektrischen Antriebe hängen von Leistungsverlusten und Wärmeprozessen im Elektromotor ab“, erklärt Professor Matthias Nienhaus von der Universität des Saarlandes. Damit die Motoren trotz hoher Belastungen sicher laufen und in ihrem Inneren nichts überhitzt, wäre es ideal, die Temperatur ständig im Blick zu behalten: Der Motor soll möglichst effizient arbeiten, ohne dass es gefährlich warm wird. Aber Temperaturfühler im Elektromotor unterzubringen, ist kein leichtes Unterfangen. Je kleiner die Antriebe sind, umso weniger Platz bleibt für zusätzliches Messgerät. Außerdem interessieren die Messwerte ausgerechnet dann, wenn der Motor bei hoher Last und hohen Drehzahlen läuft, was es für Sensoren nicht leichter macht. „Die herkömmlichen Methoden, um Temperaturen im Motor zu messen, sind daher aufwendig und teuer – vor allem bei laufendem Betrieb in den beweglichen Motorteilen. In der Praxis wird deshalb regelmäßig darauf verzichtet“, erklärt Nienhaus.

Der Antriebstechniker und sein Team entwickeln auf dem Saarbrücker Campus ein neues Verfahren, das genau dies ermöglicht: Es liest Temperaturdaten aus Elektromotoren aus, ohne viel zusätzliche Technik dafür einzubauen. Mit nur wenigen Daten des Motors selbst wird es möglich, die Temperatur seiner Bauteile permanent während des Betriebs zu bestimmen. „Wir entwickeln ein Kontrollsystem, das bei Betrieb die Temperaturänderung im Elektromotor anzeigt. Ein solches Kontrollsystem ermöglicht eine präzise Leistungsregelung bei hoher Effizienz“, sagt Nienhaus. Das System könnte einerseits vor Überlastung warnen und die Leistung rechtzeitig reduzieren, wenn die Temperatur zu hoch steigt. Andererseits könnte es auch die Leistung erhöhen, wenn alles im grünen Bereich ist, und so das Beste aus den Elektromotoren herausholen.

KI-gestützte Temperaturdiagnose – Motor wird selbst zum Sensor

Nienhaus‘ Arbeitsgruppe ist darauf spezialisiert, Elektromotoren selbst zum Sensor zu machen und zahlreiche Zustandsdaten direkt aus den elektromagnetischen Feldern des Antriebs zu gewinnen. Ihre neue Technologie ermittelt die Temperatur bei laufendem Betrieb – auch in den drehenden Teilen. „Wir schätzen die Gradzahl in Echtzeit mit Methoden der künstlichen Intelligenz“, sagt Doktorand Saeed Farzami aus Nienhaus‘ Team. Um die Temperatur bestimmen zu können, sammelte er an einem selbstentwickelten Teststand Massen von Temperaturdaten. Hierzu stattete er einen Elektromotor an allen kritischen Stellen mit Sensoren aus, wo Temperatur ins Spiel kommen kann: an verschiedenen Orten in den Wicklungen, im Rotor und auch am Gehäuse.

Aus den rotierenden Motorteilen las er in allen möglichen Szenarien Signale aus: von kleiner bis hoher Drehzahl. Mit den so gewonnenen Daten fütterte der Antriebstechniker ein neuronales Netzwerk. Ähnlich wie ein menschliches Gehirn kann ein künstliches KI-Modell geschult werden, durch solche Datenmassen und Korrektur von fehlerhaften Ergebnissen komplexe Muster zu erkennen und zu bewerten. „Mithilfe der thermischen KI-Modelle wird es möglich, anhand weniger Messwerte aus den Elektromotoren die Temperaturverteilung in den verschiedenen Bauteilen der elektrischen Antriebe zu schätzen“, erklärt Saeed Farzami.

Auf der Hannover Messe zeigt das Forschungsteam, wie die Technologie funktioniert, und sucht Partner aus der Industrie für den Transfer in die Praxis.

Universität des Saarlandes am Gemeinschaftsstand „Germany's Saarland“ auf der Hannover Messe 2026: Halle 11, Stand D41

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