Wohlstand wackelt! Chef von Körber sieht Bedrohung für deutsches Exportmodell

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Stephan Seifert, Chef des Technologiekonerns Körber, glaubt nicht, dass unser Wohlstand noch lange zu halten ist, wenn wir so weiter exportieren, wie bisher, so die dpa.

Stepan Seifert ist Chef des Technologiekonzerns Körber. Er blickt mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklungen in Deutschland. Vor allem die Strategie in Sachen Export hält er für überholt ...(Bild:  Körber)
Stepan Seifert ist Chef des Technologiekonzerns Körber. Er blickt mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklungen in Deutschland. Vor allem die Strategie in Sachen Export hält er für überholt ...
(Bild: Körber)

Unter dem deutschen Exportmodell wird gemeinhin eine Wachstumsstrategie verstanden, die auf der Ausfuhr hochwertiger Güter fußt, wie Stephan Seifert der dpa in einem Interview erklärte. Seifert verwies dabei auf die zugrunde liegenden Stichwörter Innovationsführerschaft, Erfinderreichtum und Unternehmertum. Das könnte zu einer Sackgasse werden. Seifert: „Das Geschäftsmodell Deutschland muss sich neu erfinden!“ Wichtig sei dabei, den Zugriff auf führende Technologien des 21. Jahrhunderts wie künstliche Intelligenz (KI) zu bekommen. Um das zu schaffen, rät er etwa zu Partnerschaften mit Firmen im Ausland – vor allem mit KI-Playern aus den USA und Asien. Siemens macht das seiner Meinung nach bereits beispielhaft. Und Körber arbeitet den Angaben nach mit Firmen im Ausland zusammen. Man kaufe auch zu, um Zugang zu Technologien und Märkten zu erhalten.

Deutscher Mittelstand verliert jeden Tag an China

Dem Mittelstand, wobei Seifert das Unternehmen Körber dazu zählt, setzt vor allem der wachsende Wettbewerb aus China zu. Seifert kommentierte: „Die Konkurrenz aus China wird jeden Tag sichtbarer und nicht zuletzt virulenter!“ Deutschland verliere deshalb jeden Tag an relativer Wettbewerbsfähigkeit. Der Begriff Mittelstand ist aber auch nicht einheitlich definiert! Denn die Förderbank KFW versteht darunter etwa Unternehmen mit höchstens 500 Beschäftigten und 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Andere definieren den Begriff über die Eigentümerstruktur. Und Körber ist etwa ein Stiftungsunternehmen, das einen Teil seines Gewinns an die gemeinnützige Körber-Stiftung abgibt.

Die Bundesregierung lässt viele Wünsche offen

Von der schwarz-roten Bundesregierung zeigte sich Seifert enttäuscht: „Ich war am Tag nach der Bundestagswahl voller Hoffnung. Heute muss ich sagen, dass viele Ankündigungen nicht umgesetzt worden sind.“ Von der Regierung erwartet der Körber-Chef demnach mehr Konstanz. Die geplante Teilabkehr der EU-Kommission vom sogenannten Aus für Verbrennungsmotoren – die Bundesregierung unterstützt ja den Kurs der Kommission – nannte er als Beispiel. Und Investitionen in neue Technologien (etwa Batteriezellen) würden da nicht viel bringen. In den vergangenen 20 Jahren ist laut Ansicht Seiferts eine verlässliche Industrie- und Wirtschaftspolitik verloren gegangen.

Das Unternehmen Körber – damals und heute:

Die Ursprünge von Körber reichen bis 1946 zurück – 80 Jahre Erfolg also. Das Unternehmen belieferte als Maschinenbauer vor allem die Tabakindustrie. Später kamen Abnehmer aus der Papier- und Schleiftechnik hinzu. Und Seifert leitete gemäß eigener Aussage zwischen Ende 2016 und Anfang 2017 einen Jahre zuvor angekündigten Umbau ein. Im Zuge dessen gab Körber mehrere konventionelle Geschäftsfelder ab und kaufte an anderer Stelle zu – etwa im Softwarebereich. Inzwischen ist Körber auch in die Bereiche Pharmazie, Supply Chain und Technologies (Lieferkette und Technologien) gegliedert. Die Hamburger bieten nun vor allem Maschinen, Anlagen und Software an. Rund 13.000 Mitarbeiter gibt es an über 100 Standorten weltweit, wie man auf der Website erfahren kann.

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