Fachkräftemangel Kollege Automat kann noch viel mehr

Ein Gastbeitrag von Simon Federle 4 min Lesedauer

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Zeit ist Geld – und Automatisierung spart nicht nur beides, sie unterstützt Unternehmen auch im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Denn die Automatisierung kann für immer mehr Tätigkeiten bei immer komplexeren Prozessen eingesetzt werden. Die freiwerdende Arbeitskraft ist dann intelligent an anderer Stelle einsetzbar. Intelligent bedeutet allerdings auch, dass Unternehmen ihre Fachkräfte dann selbst heranziehen können.

Markus Eirenschmalz, Mitglied der Geschäftsleitung & Leiter Produkt- und Technologieentwicklung bei der Eirenschmalz Maschinenbaumechanik und Metallbau GmbH: „Der anhaltende Fachkräftemangel zwingt uns regelrecht zu mehr Automatisierung.“(Bild:  Eirenschmalz)
Markus Eirenschmalz, Mitglied der Geschäftsleitung & Leiter Produkt- und Technologieentwicklung bei der Eirenschmalz Maschinenbaumechanik und Metallbau GmbH: „Der anhaltende Fachkräftemangel zwingt uns regelrecht zu mehr Automatisierung.“
(Bild: Eirenschmalz)

Was die Blechfertigung per se aber auch die Vernetzung von Maschinen angeht, ist das traditionelle Handwerk der Blechbearbeitung längst hoch automatisiert. Das ermöglicht schnellere, effizientere und transparentere Prozesse. Es stimmt, dass auf der einen Seite dadurch immer mehr Routinetätigkeiten überflüssig werden. Das Stichwort ist hier aber Routinetätigkeiten! So gilt: Auch wenn sich die Angst unter Mitarbeitenden hartnäckig hält, Automatisierung nimmt keine Arbeitsplätze, sie schafft freie Kapazitäten! Diese freiwerdenden Energien können dann in Weiterbildungen investiert werden und sind – wie die Arbeitsmarktsituation zeigt – tatsächlich vielerorts notwendig. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel spielt das eine nicht zu unterschätzende Rolle für Unternehmen.

Mehr Automatisierung für Standard und Struktur

Für Markus Eirenschmalz ist Automatisierung elementar für die Wettbewerbsfähigkeit geworden. „Unternehmen können es sich an keinem Wertschöpfungsschritt leisten, auf Automatisierung zu verzichten. Der internationale Wettbewerb und die hohe Inflation üben massiven Druck auf die Blechbearbeiter aus. Oft stehen sie am Anfang der Produktionskette. Ein Verzicht auf Automatisierung in den Produktionsprozessen würde zu überhöhten Herstellungskosten führen und die Wettbewerbsfähigkeit reduzieren.“ Eirenschmalz ist Mitglied der Geschäftsleitung sowie Leiter Produkt- und Technologieentwicklung bei der Eirenschmalz Maschinenbaumechanik und Metallbau GmbH. Das Unternehmen fertigt Präzisionsteile und einbaufertige Baugruppen aus Stahl, Edelstahl und Aluminium.

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Dirk Hendrischke ist Gründer und teilhabender Inhaber der Learnible GmbH. Die cloudbasierte E-Learning-Plattform hat sich darauf spezialisiert, das Wissen von Unternehmen zu zentralisieren und zugänglich zu machen. Zu seinen Kunden zählt Hendrischke herstellende Betriebe, die ihre Mitarbeitenden zunächst durch Automatisierung entlastet und dann durch Weiterbildung an das Unternehmen gebunden haben. „Haben Mitarbeitende realisiert, dass Automatisierung ihre Arbeit nicht ihre Arbeitsstelle übernimmt, stehen sie in der Regel ihrer zugewonnenen Arbeitszeit und -kraft sehr positiv gegenüber.“

Mehr Automatisierung für mehr Aufgaben

Mehr Zeit und mehr menschliche Arbeitskraft kann dann beispielweise für strategische, kreative und vor allem zwischenmenschliche Aufgaben genutzt werden. Marketing, Vertrieb, Kundenservice, Personalwesen oder auch Finanzen und Buchhaltung sind allesamt Bereiche, die auch in blechverarbeitenden Betrieben notwendig sind und nur bedingt vom Kollegen Roboter übernommen werden können. Hinzu kommt, dass die Bereitschaft zur Schichtarbeit sinkt und immer weniger Menschen Maschinen bedienen wollen. Dies gilt verstärkt für ländliche Regionen, die infolge von Abwanderung und des demografischen Wandels ohnehin nicht auf viele Facharbeiter hoffen können.

Eine Situation, die Eirenschmalz bekannt ist: „Uns als Familienbetrieb mit Sitz auf dem Land wäre lieber, wir könnten beim Betriebsrundgang in mehr Gesichter schauen und uns mit mehr Menschen unterhalten. Der anhaltende Fachkräftemangel zwingt uns regelrecht zu mehr Automatisierung.“ Für ihn ist das Grund genug, um sich nach weiteren Möglichkeiten umzusehen. „Bei kleinen Stückzahlen und bei viel Know-how im Produktionsprozess wird aktuell noch auf Automatisierungstechnologien verzichtet. Aber es wird auch hier durch schnelles Programmieren und sichere Handling-Prozesse Möglichkeiten geben, Automatisierungen produktiv einzusetzen. Die Integration und das effiziente Handling von Cobots zum Beispiel im Bereich Schweißen oder bei Prozessen rund um die Nebentechnologien birgt hier besonders großes Potenzial.“

Entwicklung kommt durch Weiterbildung

Damit ist es jedoch nicht getan. Die formale Versetzung der Mitarbeitenden in eine andere Abteilung wäre zu wenig. Unternehmen müssen in Weiterbildungen, Schulungen und Lehrgänge investieren, um sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig gilt, dass die Tätigkeiten und Aufgaben, die Vertrieb, Personal und Co. täglich bewältigen, keineswegs Selbstläufer sind. Auch sie müssen erlernt und ausgebildet werden, sind aber eine große Chance, Fachkräfte individuell und an den eigenen Betrieb zugeschnitten selbst zu schaffen. Das Vertrauen seitens der Geschäftsführung, dass Mitarbeitende ihre neuen Aufgaben meistern, fördert dann Loyalität, bindet sie an das Unternehmen und nimmt die Angst vor weiterer Automatisierung.

Hendrischke ist sich daher sicher, dass die Automatisierungsbereitschaft weiter zunehmen wird. Mit ihr auch die interne Weiterbildung der Mitarbeitenden. „Vor allem die digitale Weiterbildung eröffnet dann zahlreiche Vorteile, insbesondere in Bezug auf die Interaktion und das Engagement. Mit sozialen Netzwerken, Videokonferenzen und Live-Webinaren können Unternehmen umfassende Weiterbildungen schaffen. Die technischen Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos.“ Eirenschmalz sieht es eher praktisch. Für ihn ist bei künstlicher Intelligenz dann Schluss: „Es geht darum, wie sinnvoll die Einbindung zusätzlicher, KI-basierter Prozessschritte sein wird. Den Robotern noch mehr Verantwortung beispielsweise beim Steuern der Prozesse zu übertragen, sehen wir als sehr risikoreich an. Das möchten wir schon selbst in der Hand haben.

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