Turnaround im Chemiewerk

Komplettstillstand für Wartung total

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Die Prüfpflichten setzt der Betreiber flexibel auf Basis des gesetzlich erlaubten Rahmens fest: So müssen beispielsweise Behälter, die unter Druck stehen, spätestens alle fünf Jahre geprüft werden. Wenn aber die Experten von TÜV Süd Chemie Service zu dem Ergebnis kommen, dass die Sicherheit nicht für den Zeitraum garantiert ist, müssen die Prüffristen verkürzt werden. Nur in Ausnahmefällen kann die Prüffrist, bis zu einem gewissen Grad, verlängert werden. Der Turnaround im vergangenen September war vom Umfang her zwar kleiner als sonst, aber: „Wenn manche Anlagenteile noch laufen, ist die Koordination umso herausfordernder, gerade bezüglich der Sicherheit“, sagt Turnaround-Manager Hass. Was es diesmal allerdings für die Mitarbeiter von TÜV Süd etwas einfacher gemacht hat: Es gibt mehr innere Prüfungen – und weniger der aufwendigeren Druckprüfungen als sonst. „Die kommen dann beim ganz großen Stillstand in fünf Jahren wieder auf uns zu“, sagt Olaf Fuchs.

Erfahrung ist gefragt

Olaf Fuchs von TÜV Süd koordiniert die Prüfarbeiten. Wie Reiko Hass ist er schon lange vor und nach dem Turnaround mit dem Thema Stillstand beschäftigt. Der Diplomingenieur hat in Schkopau sein Büro und koordiniert auch die regelmäßigen TÜV-Süd-Prüfungen im laufenden Betrieb. Beim Turnaround steuert er die 13 TÜV-Süd-Experten aus Schkopau, Frankfurt und Dormagen, die für spezifische Aufgabenstellungen anreisen: Welcher Spezialist wird wann genau benötigt? Wo wird er untergebracht und mit wem kann er fahren? Die Hotels der Umgebung werden Monate vorher gebucht, Fahrgemeinschaften gebildet. „Die Mitarbeiter melden sich freiwillig für den Turnaround“, sagt Olaf Fuchs. „Sie können hier die Kollegen anderer Standorte treffen, Erfahrungen sammeln und austauschen.“

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Auffällig: Fast alle Kollegen sind über 40. „Gerade bei einem Werk mit einer Tradition wie in Böhlen ist Erfahrung das A und O“, so Fuchs. Er ist sich sicher: Ohne die jahrelange Praxiserfahrung in der chemischen Industrie könnten die Mitarbeiter beispielsweise die Korrosionsbilder nicht richtig einstufen. „So ist eine Schweißnaht von damals nicht mit einer Automatennaht von heute vergleichbar und kann trotzdem noch immer integer sein“, sagt er. Und bei falschen Befunden würde schließlich „unnötigerweise eine Riesenmaschinerie in Gang gesetzt werden“.

Kurz darauf sitzt das ganze Team von TÜV Süd Chemie Service mit Peter Goth zusammen und bespricht eine Leckage an einer Schweißnaht eines Wärmetauschers. Die Spezialisten finden eine zuverlässige Lösung, die den geplanten Abschlusstermin nicht gefährdet. Peter Goth will schnell „raus ins Feld“, sich das ansehen. Dort stehen schon Mitarbeiter verschiedener Firmen zusammen um den Wärmetauscher. Mit ihnen bespricht er das Ergebnis. Peter Goth, der bald in Rente geht, sagt später: „Ich bin 60, aber würde gerne noch zehn Turnarounds mit diesem Team machen“ – und natürlich mit seiner großen Liebe, dem Cracker.

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