Bei VW wird es immer ungemütlicher, Konzernchef Oliver Blume will die Kosten radikal senken. Neben Werksschließungen und Entlassungen steht nun das Lohnniveau ganz allgemein im Fokus. Zu den Einspar-Potenzialen in den einzelnen Werken kursieren inzwischen ebenfalls Zahlen.
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume lässt derzeit keinen Zweifel aufkommen, dass er die Kosten beim deutschen Autobauer senken will.
(Bild: Porsche)
VW-Konzernchef Oliver Blume sieht keine Alternative zu harten Sparmaßnahmen bei Volkswagen. „Das Ziel für Kosten- und Kapazitätsanpassung steht“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Nur der Weg dorthin sei „flexibel gestaltbar“. Die Kosten in Deutschland müssten massiv runter, sagte Blume. VW sei in der Heimat zu teuer. „Unser Arbeitskostenniveau ist beispielsweise hier oftmals mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt unserer europäischen Standorte.“
In den laufenden Tarifverhandlungen will der Autobauer unter anderem die Tariflöhne um zehn Prozent senken. Eine angestrebte Maßnahme: Jubiläumsgratifikationen für langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen wegfallen. „Wir haben diesen Vorschlag gemacht“, sagte eine Unternehmenssprecherin.
Nach Angaben des Betriebsrats stehen Tausende von VW-Beschäftigten kurz vor den Jubiläums-Prämien, die der Vorstand nun streichen will. Zuvor hatten der „Business Insider“ und das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet. Nach dem derzeitigen Tarifvertrag wird für die 25-jährige Werkszugehörigkeit das 1,45-fache eines Monatsverdienstes und für eine 35-jährige Zugehörigkeit das 2,90-fache eines Monatsverdienstes als zusätzlicher Einmalbetrag brutto ausgezahlt.
Keine Angaben zu Werksschließungen
Volkswagen hatte kürzlich nach mehr als 30 Jahren die Beschäftigungssicherung gekündigt. Von Mitte kommenden Jahres an wären betriebsbedingte Kündigungen möglich. Laut Betriebsrat könnten auch mindestens drei Werke in Deutschland geschlossen werden. VW macht bislang keine Angaben dazu. VW beschäftigt in Deutschland rund 120.000 Mitarbeiter.
Das Management sieht die Wettbewerbsfähigkeit des Autobauers gefährdet. Handlungsbedarf gibt es laut Blume auch bei den Entwicklungs- und Vertriebskosten sowie in weiteren Kostenbereichen. Dabei stehe VW eigentlich gut da, sagte der Vorstandschef. Der Konzernumsatz liege derzeit leicht über dem Vorjahr. Das operative Ergebnis stehe aber nach neun Monaten enorm unter Druck und sei um mehr als 20 Prozent gesunken.
Landkreise fürchten VW-Einschnitte
Die möglichen Einschnitte könnten aus Sicht des Landkreistags zu Problemen auf dem Land führen. „Die aktuellen Entwicklungen bei VW sind nicht nur für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt, sondern gerade auch für die Kfz-Zuliefererbetriebe, die größtenteils im ländlichen Raum ansässig sind, ein echter Schock“, sagte Verbandspräsident Achim Brötel (CDU) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Staatliche Eingriffe gegen Werksschließungen lehnten in einer Civey-Umfrage für das Nachrichtenportal Web.de indes 61 Prozent der Befragten ab. 25 Prozent waren dafür. Führende FDP-Politiker forderten in „Welt“ einen Rückzug der Regierungsvertreter aus dem VW-Aufsichtsrat. Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) sitzen für das Land im Kontrollgremium. Bei wichtigen Entscheidungen hat das Land ein Veto-Recht.
Die Werke von Volkswagen im Schnellcheck
Ein Sinnbild für die Krise bei VW ist die Überlegung der Konzernführung, dass einzelne Produktionsstandorte möglicherweise geschlossen werden. Das wäre eine völlig neue Dimension für den Autobauer, der ja zu einem Fünftel dem Land Niedersachsen gehört, das wiederum an der Beschäftigungssicherung interessiert ist. Mindestens drei Standorte stehen laut Betriebsratschefin Daniela Cavallo auf dem Prüfstand. Konkret durchgerechnet hat VW das laut „Handelsblatt“ für Emden, Osnabrück und Dresden. Entschieden sei aber noch nichts. Cavallo zufolge könnte es jedes Werk treffen: „Keines ist sicher!“
Wolfsburg:
Das VW-Stammwerk am Mittellandkanal gilt als größte zusammenhängende Autofabrik der Welt. Auf 6,5 Quadratkilometern erstrecken sich die Anlagen, rund 62.000 Mitarbeiter arbeiten am Stammsitz für VW. Gegründet wurden das Werk und die Stadt Wolfsburg 1938 für die Produktion des „KdF-Wagen“, aus dem später der VW Käfer wurde. Heute werden hier Golf, Tiguan und Touran gebaut. Mit zuletzt rund 500.000 Fahrzeugen Jahresproduktion ist der Standort aber nur zur Hälfte ausgelastet. Den Bau eines weiteren Werks für E-Autos in Wolfsburg hatte VW 2023 wieder abgeblasen.
Hannover:
Hannover war 1956 das zweite deutsche Werk des Konzerns. Sechs Jahre zuvor war in Wolfsburg der erste VW Transporter vom Band gelaufen. Jetzt bekam der „Bulli“ seinen eigenen Standort. Der Transporter blieb bis zum Auslaufen der sechsten Generation Mitte 2024 das wichtigste Modell in Hannover. Heute entstehen hier der Multivan und der 2022 gestartete vollelektrische ID. Buzz. Der Standort hat rund 14.700 Mitarbeiter. Bereits seit 2020 wird Personal abgebaut – ohne Entlassungen, indem frei werdende Stellen nicht besetzt werden. 3.000 Arbeitsplätze fielen seither weg, weitere 2.000 sollen bis 2029 folgen.
Stand: 08.12.2025
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Emden:
50 Jahre lang war das VW-Werk in Emden vor allem mit einem Modell verbunden: dem Passat, der hier ab 1974 vom Band lief. Zehn Jahre zuvor hatte VW den Standort in Ostfriesland eröffnet – vor allem wegen des Zugangs zum Hafen für den Export nach Übersee. Inzwischen wurde das Werk mit heute 8.600 Mitarbeitern zum reinen Elektro-Standort umgebaut. Mehr als eine Milliarde Euro hat VW dafür seit 2020 investiert. Statt des Passats werden hier jetzt ID.4 und ID.7 gebaut. Wegen der zuletzt schwachen Nachfrage nach E-Autos musste VW bereits zeitweise die Bänder stoppen. Die mögliche Einsparung bei einer Schließung beziffert VW laut „Handelsblatt“ auf 600 Millionen Euro pro Jahr.
Kassel/Baunatal:
Das Volkswagenwerk Kassel steht gar nicht in Kassel, sondern im nahen Baunatal. Der 1958 gegründete Standort ist heute das weltweit größte Komponentenwerk des Konzerns und mit 16.800 Mitarbeitern größter deutscher VW-Standorte nach Wolfsburg. Produziert werden Getriebe und Abgasanlagen für Verbrenner sowie die E-Motoren für die Elektro-Modelle. In einer eigenen Gießerei entstehen auch Teile für Karosserie und Fahrgestell. Zum Standort gehört zudem das größte Ersatzteillager Europas, das die Originalteile der Marken VW, Audi, Skoda und Seat weltweit vertreibt.
Braunschweig:
Das heutige Komponentenwerk in Braunschweig gilt als älteste VW-Fabrik überhaupt. Bereits vor dem Stammwerk in Wolfsburg lief hier 1938 die Herstellung von Werkzeugen für die künftige Autoproduktion an. Heute werden an dem Standort mit rund 7.200 Mitarbeitern unter anderem Achsen, Bremsscheiben und Lenkungen hergestellt. Die Produktion erfolgt verteilt auf drei Standorte in der Stadt. Zudem spielt Braunschweig eine wichtige Rolle bei der E-Mobilität: Hier entstehen seit 2013 aus angelieferten Zellen die Batteriesysteme, die dann in den E-Autos verbaut werden.
Salzgitter:
Die derzeit größte Baustelle des Konzerns befindet sich in Salzgitter: Direkt neben dem bestehenden Motorenwerk entsteht dort die erste eigene Batteriezellfabrik des Konzerns. 2025 soll die Produktion anlaufen, Salzgitter dann „vom Leitwerk Motor zum Leitwerk Zelle“ werden, wie VW ankündigte. Für den Standort mit heute 6.350 Mitarbeitern ist es bereits die zweite große Transformation.
Gegründet wurde das Werk 1970 für die Fertigung eines neuen VW-Modells, das sich dann aber nur mäßig verkaufte. Fünf Jahre später machte VW daraus ein Motorenwerk. 2023 wurden mehr als 800.000 Benzin- und Dieselmotoren hergestellt.
Osnabrück:
Der heutige VW-Standort blickt auf eine mehr als 100-jährige Tradition im Autobau zurück. Bereits 1901 übernahm Wilhelm Karmann hier ein Fahrrad- und Autowerk, ab 1949 baute die Firma als Auftragsfertiger Cabrios für VW. Als Karmann 2009 Insolvenz anmelden musste, übernahm Volkswagen den Standort. Zu verdanken war das nicht zuletzt dem Einsatz des damaligen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrats Christian Wulff (CDU). Heute fertigt der Standort mit 2.300 Mitarbeitern vor allem Fahrzeuge für die Konzernschwester Porsche: Boxster und Cayman. Das letzte VW-Cabrio – der offene T-Roc – läuft 2025 aus. Auch die beiden Porsche-Verbrenner werden Anfang 2026 auslaufen, dann steht das Werk ohne Folgemodell da, warnt die IG Metall. Bei einer Schließung rechnet VW dem „Handelsblatt“ zufolge mit Einsparungen von 130 Millionen Euro.
Zwickau:
August Horch legte hier vor 120 Jahren den Grundstein für die Marke Audi, zu DDR-Zeiten wurde in Zwickau der Kleinwagen Trabant gebaut. Nach der Wiedervereinigung zog VW am Stadtrand eine neue Fabrik hoch. Heute gilt sie mit rund 9.500 Beschäftigten als Leitwerk der E-Mobilität im Konzern. Dazu wurde die Autofabrik bis 2020 für rund 1,2 Milliarden Euro komplett auf Elektro umgestellt, als erste im Konzern. Der Standort leidet nun unter der schwachen Nachfrage nach E-Autos. Deswegen wurden bereits Schichten gestrichen und die Verträge Hunderter befristet Beschäftigter nicht verlängert.
Chemnitz:
Das Engagement von Volkswagen in Chemnitz begann schon vor der Wiedervereinigung. Bereits seit 1988 wurden hier in Lizenz VW-Viertaktmotoren für die DDR-Modelle Trabant, Wartburg und Barkas hergestellt. Das Ganze war vom damaligen VW-Konzernchef Carl Hahn eingefädelt worden, einem gebürtigen Chemnitzer. Nach der deutschen Einheit übernahm Volkswagen dann das Motorenwerk. Anders als Zwickau hängt der Standort noch komplett am Verbrenner. Im vorigen Jahr produzierten die 1.800 Mitarbeiter 690.000 Motoren – ausschließlich für Benziner.
Dresden:
Es ist der jüngste und zugleich kleinste VW-Standort: die „Gläserne Manufaktur“ in Dresden. Gegründet 2001 für das Oberklassemodell Phaeton war es ein Prestigeprojekt des damaligen Vorstandschefs Ferdinand Piëch. Doch 2016 zog VW angesichts sinkender Verkaufszahlen die Reißleine. Seither ringt die Manufaktur mit ihren 340 Mitarbeitern um eine neue Bestimmung. Seit Anfang 2021 wird der ID.3 montiert – in geringen Stückzahlen. VW denkt inzwischen offen über Ende der Fahrzeugfertigung in Dresden nach. Stattdessen könnte Dresden zum reinen Auslieferungszentrum neben der Autostadt in Wolfsburg werden. Mögliche Einsparung, mit der VW laut „Handelsblatt“ rechnet: 60 Millionen Euro pro Jahr.