Fränkisches Engineering-Forum Kreativität und Know-How sichert den Erfolg fränkischer Kunststoffverarbeiter

Autor / Redakteur: Hans Rausch / Josef-Martin Kraus

Thurnau (jk) – Mehr als 70 Firmenvertreter waren zum zweiten fränkischen Engineering-Forum der Kunststoffbranche gekommen, um sich zu informieren, wie Entwicklungsprozesse optimiert, die Produktqualität verbessert, das Firmen-Know-how gesichert und ausgebaut werden können. Veranstalter waren das von der Kunststoff-Netzwerk Franken e. V. und der Proma High Quality Engineering GmbH, Lichtenfels.

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In seinem Auftaktvortrag „Mit Easy zum Erfolg – Idee und Konzept, CAX-Leistungen und Serienproduktion aus einer Hand“, forderte Gerhard Laubmann, Geschäftsführer der Gealan Formteile GmbH, Oberkotzau, eine frühe Einbindung des Herstellers in den Entwicklungsprozess. Ein „Early Supplier Involvment“, verbunden mit einem simultanen Engineering-Prozess, stellt die Voraussetzung für eine optimale Produktumsetzung.

Frühe Einbindung der Kunststoffhersteller in die Entwicklung spart viel Geld

An Praxisbeispielen zeigte er auf, welches Einsparpotenzial realisiert werden kann, wenn die Entwickler die Möglichkeit haben, eine kunststoffgerechte Produktion bereits in der Frühphase der Produktentwicklung zu realisieren und dann in der Serienfertigung umzusetzen. Herr Laubmann forderte, dass Konzeption, Konstruktion, Erprobung, Produktions-Planung und Kalkulation keine sequenzielle Abfolge darstellen dürfen, sondern als parallel laufender Prozess abgebildet werden müssen.

Bei einem dementsprechenden Vorgehen profitieren alle beteiligten Parteien und es wird möglich, Innovationen effizient umzusetzen. Eine Verbesserung der Qualität bei gleichzeitiger Reduzierung der Prozess-, Material und Unterhaltskosten sowie die Integration zusätzlicher Funktionen ins Bauteil wurden bei einer Vielzahl an Praxisbeispielen auf diese Weise realisiert.

Ausbildung von Fachkräften als Erfolgsbasis

Innovatives Handeln und kunststoffgerechte Konstruktionen setzen ein entsprechendes Know-how der Mitarbeiter voraus. Die Basis eines solchen Firmen-Know-hows stellt von jeher die Ausbildung der Mitarbeiter auch insbesondere der Auszubildenden dar. In ihrem Gemeinschaftsvortrag stellten Herr Stefan Bauernfeind von der IHK-Bayreuth und Herr Peter Hofmann, Ausbildungsleiter der Kunststofftechnik Scherer & Trier GmbH & Co. KG aus Michelau den Ausbildungsberuf des „Technischen Produktdesigners (TPD)“ vor.

Im Gegensatz zum in der Zwischenzeit veralteten Berufsbild des Technischen Zeichners wurde mit dem Technischen Produktdesigner ein Ausbildungsgang geschaffen, der den aktuellen Anforderungen mannigfaltiger Branchen gerecht wird, da diese Ausbildung nicht branchenspezifisch sondern funktionsspezifisch gegliedert ist.

Bauernfeind stellte das klassische Berufsbild des Technischen Zeichners und des Technischen Produktdesigners gegenüber und im Anschluss daran unterstrich Herr Hofmann die Bedeutung dieses neuen Berufsbildes im Unternehmen Scherer & Trier. Er wies darauf hin, dass die Zukunft in der Ausbildung schwerpunktmäßig in Richtung des Technischen Produktdesigners gehen würde und gab dem Wunsch Ausdruck, eine Beschulungsmöglichkeit in diesem Ausbildungsberuf in der Region zu schaffen. Gegenwärtig sind die Auszubildenden in Bayern gezwungen, die zentrale Beschulungsstelle in Wasserburg am Inn zu besuchen.

Aufgrund der immer größeren Nachfrage nach diesem Ausbildungsberuf – nicht nur in der Kunststoffbranche, sondern auch im Maschinenbau und weiteren Branchen - sollte versucht werden, eine entsprechende Schulungsmöglichkeit auch in die Region zu holen. Das KNF und die IHK für Oberfranken in Bayreuth werden gemeinsam in dieser Richtung agieren, um den Jugendlichen in der Region vereinfachte Ausbildungsbedingungen zu verschaffen.

Wissensmanagement im Entwicklungsbereich

Wissen aufzubauen im Unternehmen ist eine Aufgabe, die andere Aufgabe besteht darin, das vorhandene Wissen zu sichern, zu kanalisieren, aber auch auszubauen. Dieses Thema war der Inhalt des Vortrags von Dr. Thomas Kamps, Stellv. Abteilungsleiter des Fraunhofer Instituts für Betriebsfestigkeit in Darmstadt. Der Referent stellte anhand einer Neuentwicklung des Fraunhofer Instituts Möglichkeiten einer effizienten Informationssuche im Intranet dar. Dazu erfolgt eine gezielte Indizierung des firmeneigenen Wissens in Verbindung mit entsprechenden Synonymdatenbanken.

Wie Kamps erläuterte, ist es bei der Informationssuche wichtig, nicht nur das eingegebene Schlagwort in der Informationsvielfalt des Unternehmens aufzufinden, sondern auch artverwandte Begriffe oder bedeutungsgleiche Begriffe in anderen Sprachen zu finden und gezielt zusammenstellen zu können. Anhand anschaulicher Beispiele erläuterte er die Vorgehensweise der Wissensvernetzung und unterstrich deren Bedeutung für den künftigen Unternehmenserfolg.

Kreativität ins Unternehmen holen

Im Anschluss informierte Prof. Graham Horton von der Zephram GbR über mögliche Marktvorteile durch „Open Innovation“. In einem Vortrag stellte Prof. Horton Möglichkeiten vor, wie Kreativität innerhalb des Unternehmens nicht nur generiert, sondern auch systematisch von außen ins Unternehmen geleitet werden kann.

Horton verwies auf die wissenschaftlich nachweisbare Korrelation zwischen Innovation und Erfolg. Innovation setzt Kreativität und Ideen voraus. Um marktfähige Erfolge zu erreichen ist eine große Anzahl an Ideen notwendig. Untersuchungen zeigen, dass lediglich 1% der Ideen zum Markterfolg führen. Daher gilt es die Anzahl, der Ideen im Unternehmen zu erhöhen.

Das Konzept der „Open Innovation“ beruht darauf, Know-how-Träger innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu vernetzen, um diesen die Möglichkeiten zu geben, sich wechselseitig mit neuen Ideen und innovativen Gedanken zu befruchten. Neben unterstützenden Maßnahmen wie entsprechenden Internetplattformen kommen dabei schwerpunktmäßig gezielte kreativitätsfördernde „Brainstorming-Sitzungen“ zum Einsatz, die über das bisherige Verständnis dieses Instrumentes hinausgehen. Die Zeit- und Kostenvorteile insbesondere im Bezug auf „time to market“ lassen sich in der Praxis nachweisen.

Innovative Oberflächen mit Natureffekt

Dipl.-Ing. Lutz Fischer, Geschäftsführer der Foliotec GmbH, Sparneck, griff diese Gedanken auf und zeigte anhand von Beispielen die Resultate. Die Foliotec GmbH hat sich in den letzten Jahren als Spezialist im Bereich des „In-Mould-Labeling“ (IML) etabliert. Mit diesem Spritzbießverfahren ist es möglich, nicht nur große, sondern auch kleine Losgrößen mit bestimmten Oberflächeneffekten zu versehen.

Die IML-Technik ist in der Kunststoffbranche auch immer dann gefragt, wenn es darum geht, Oberflächen mit bestimmten Effekten zu realisieren. Mit Hilfe einer dünnen Folie können verschiedenste Materialien kombiniert und anschließend als kostengünstige aber hochwertige Oberflächen auf Kunststoffteile aufgebracht werden. Insbesondere die Kombination von Kunststoff mit Naturwerkstoffen wie Holz wird auf diese Weise erleichtert, eine natürliche Anmutung wird in haltbarer Weise erreicht.

Es ist sogar möglich, die Holzmaserung auf dem Kunststoffteil zu erfühlen. Aber auch „Metalloberflächen mit so genanntem Cool-Touch-Effekt werden auf Kunststoffteilen realisierbar, eine Unterscheidung vom „Vollmetallteil“ ist mit dem bloßem Auge kaum mehr möglich.

Computertomographie an Bauteilen

Zum Abschluss des Tages präsentierte Prof. Franz Magerl, Dekan der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Amberg-Weiden, die Möglichkeiten der Computertomographie in der Bauteilentwicklung. Neben einer klassischen Durchleuchtung auf Fehlerstellen, wird es mit Hilfe des Computertomographen darüber hinaus möglich, hoch exakte Bauteilmessungen vorzunehmen und entsprechende Vergleiche mit der ursprünglichen Konstruktion zu ermöglichen.

Magerl zeigte anhand der an der FH in Amberg durchgeführten Untersuchungen die Bandbreite aber auch die Grenzen dieses Verfahrens auf und erläuterte die Möglichkeiten an praktischen Beispielen. Computertomographie ist schon seit längerer Zeit im Einsatz, wenn es darum geht, Fehlerstellen oder Schadensbilder bei Kunststoffteilen zu lokalisieren. Diese zerstörungsfreie Methode der Qualitätsüberprüfung bietet die Möglichkeit, Lunker im Kunststoff festzustellen und entsprechende Spannungsbrüche im Material zu lokalisieren.

Im Bereich der Produktentwicklung gewinnt die Computertomographie immer mehr an Bedeutung. Es wird nicht nur möglich, die Konstruktion auf ihre kunststoffgerechte Ausführung hin zu überprüfen, sondern in einem sehr frühen Prototypenstadium mögliche Korrekturen in der späteren Serie vorwegzunehmen und damit überflüssig zu machen. Darüber hinaus bieten sich damit bisher nicht gekannte Möglichkeiten für das Reengineering von Bauteilen.

Hans Rausch ist Geschäftsführer des Kunststoff-Netzwerk Franken e.V. in Bayreuth.

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