Ausgeknallt Laser entschärft alte Munition unter Wasser

Quelle: LZH 3 min Lesedauer

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Was soll man machen, wenn man auf einen Teil der rund 1,6 Millionen Tonnen Munition aus den beiden Weltkriegen in Nord- und Ostsee trifft? Eine Antwort kennt das Laser Zentrum Hannover (LZH) ...

Das passiert, wenn Altmunition in Gewässern auf übliche Art und Weise entschärft wird: Druck, Schall und Umweltbelastungen, wie man an der Fontäne sehen kann. Dann ist es auch noch teuer. Doch Know-how vom LZH kann das weitestgehend vermeiden ...(Bild:  LZH)
Das passiert, wenn Altmunition in Gewässern auf übliche Art und Weise entschärft wird: Druck, Schall und Umweltbelastungen, wie man an der Fontäne sehen kann. Dann ist es auch noch teuer. Doch Know-how vom LZH kann das weitestgehend vermeiden ...
(Bild: LZH)

In den Meeren korrodiert seit über 100 Jahren Munition vor sich hin. Rostet diese durch, gelangen giftige Substanzen ins Wasser und gleichzeitig kann die Gefahr steigen, dass Bomben und Granaten doch noch hochgehen. Um die gefährlichen Hinterlassenschaften zu entschärfen, wurde bisher gezielt gesprengt, was man „High Order“-Detonation nennt. Doch man kann sich vorstellen, dass das der maritimen Umgebung auch nicht gerade guttut. Das LZH hat deshalb ein auf dem Laser basierendes Verfahren entwickelt, das nicht transportfähige, bezünderte Munition unter Wasser schonender entschärfen kann.Das Vorhaben lief im Rahmen des Projektes „UnLowDet“, wie man aus Hannover erfährt. Lesen Sie nun, was die Laserexperten gemacht haben

Ankerben, durchbohren und abfackeln lassen ...

Das am LZH entwickelte Verfahren basiert auf einem 2-stufigen Prozess, bei dem zunächst per Laser Kerben in die Kampfmittelhülle eingearbeitet werden. Dabei bleibt die Wandstärke in Etwa zu einem Drittel intakt. Im zweiten Step durchstrahlt der Laser das Restmaterial, der Strahl trifft auf den Sprengstoff und löst die sogenannte Deflagration aus. Das ist zwar eine sehr schnelle Verbrennung, auch „LowOrder“-Umsetzung" genannt, aber es explodiert nichts dabei. Der durch die Verbrennungsgase entstehende Überdruck bricht schließlich die Hülle der Munition auf und verhindert die „High Order“-Detonation, weshalb auch keine Druck- respektive Schallwellen mehr auftreten. Die bisherigen Schäden an der marinen Umwelt würden so deutlich verringert. Und getestet hat man das Ganze auch schon.

Entschärfungserfolge mit diverser Munition

Und zwar im Sprengsee der Wehrtechnischen Dienststelle 71 in Elpersbüttel. Dort führte das LZH mit seinem Projektpartner Laser on demand die finalen Tests durch. Dabei validierten die Forscher die laserbasierte Methode mit Erfolg: Sie lösten also unter Wasser eine kontrollierte „Low Order“-Umsetzung aus – die Hülle brach auf und der Großteil des Sprengstoffes blieb erhalten. Getestet wurde das Verfahren an Sprengkörpern mit 200 Gramm TNT (Trinitrotoluol), Fundmunition aus dem Zweiten Weltkrieg (bereitgestellt vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein) sowie mit Mörsergranaten der Bundeswehr, wie es dazu heißt. Entscheidend für die Sicherheit war dabei, dass es in keinem Fall zum gefährlichen Übergang von Deflagration zur Detonation kam. Das Verfahren ermöglichte kontrollierte „Low Order“-Umsetzungen verschiedener Intensität, wobei die Munitionshüllen teilweise rissen teilweise oder gleich ganz aufbrachen, wie es weiter heißt.

Nix passiert! Und so sieht es aus, wenn die gleiche Munitionsart mit dem 2-stufigen Laserverfahren des LZH entschärft wird ... still ruht der See und dessen Umwelt ...(Bild:  LZH)
Nix passiert! Und so sieht es aus, wenn die gleiche Munitionsart mit dem 2-stufigen Laserverfahren des LZH entschärft wird ... still ruht der See und dessen Umwelt ...
(Bild: LZH)

Deflagration per Laser schont die Umwelt

Auch die Messungen der Schallemission haben bewiesen, dass das Verfahren der Umwelt Vorteile bringt. Denn nach Aussage der Forscher reduziert man damit den Unterwasserschall deutlich. Die Wissenschaftler wollen nun in Folgeprojekten ihr Wissen über das Zündverhalten und das Aufbrechen der Hülle von Sprengkörpern weiter vertiefen und das Verfahren auch auf andere Kampfmittel übertragen. Das Ziel dabei sei es, das Verfahren weiter zu optimieren, damit es rasch in die Anwendung kommen könne. Langfristig soll damit die Belastung für die Meereswelt reduziert und dabei auf teure Technik wie Blasenschleier, die den Schall sonst abdämpfen, aber dann auch Tiere vertreiben, verzichtet werden können.

(Das Verbundforschungsvorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03SX550B durch den Projektträger Jülich gefördert. Die Projektpartner danken der WTD71 für die Unterstützung bei den Demonstrationsversuchen).

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