Lean-Duplex-Stahl Lean-Duplex-Stahl lässt sich als Kaltband zu Profilteilen verarbeiten

Autor / Redakteur: Wilhelm Modersohn / Josef-Martin Kraus

Die Reduzierung des Kohlenstoffgehalts in der Herstellung hat beim Lean-Duplex-Stahl bessere Zähigkeits- und Duktilitätseigenschaften gebracht. Dadurch wurde eine unproblematische Verarbeitung als Warm- und Kaltband möglich. Für die Wirtschaftlichkeit ist jedoch insbesondere der reduzierte Anteil der teuren Legierungselemente Nickel und Molybän verantwortlich.

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Die Herstellung von korrosionsbeständigem Duplex-Stahl mit niedrigem Legierungsanteil an Nickel und Molybdän wurde lange Zeit als zu umständlich und teuer angesehen. Seit kurzem ist das Blatt gewendet. Ein Grund dafür ist die Herstellung, die verbessert wurde. Ein anderer liegt in der enormen Verteuerung der Legierungselemente Nickel und Molybdän.

Lean-Duplex-Stahl wird jetzt besser akzeptiert

Beides hat die Akzeptanz von Lean-Duplex-Stahl gesteigert, wie der Verarbeiter und Spezialist für Befestigungstechnik Modersohn, Spenge, bei Kunden bemerkte. Bei Modersohn hat der Werkstoff zu Innovationen im Produktbereich Befestigungstechnik geführt.

Zu den wesentlichen Vorteilen, die sich aus diesem Stahl für die Verarbeiter und deren Kunden ergeben, gehört eine höhere Planungssicherheit. So sorgt ein deutlich niedriger Nickel- und Molybdänanteil für mehr Preisstabilität.

Die Beständigkeit gegen Spannungsriss- und Lochkorrosion ist höher als bei vergleichbaren austenitischen Edelstählen. Bei gleicher thermischer Belastung und Wärmeleitfähigkeit dehnt sich der Stahl weniger stark aus. Außerdem hat der Werkstoff, der zu gleichen Teilen aus Austenit und Ferrit besteht, eine doppelt so hohe Grundfestigkeit – auch im geschweißten Zustand.

Diese Eigenschaft lässt sich zur konstruktiven Verschlankung von Befestigungselementen in der Gebäudetechnik nutzen. Zum Beispiel kommt man mit weniger Befestigungspunkten aus, was nicht nur die Montage vereinfacht, sondern auch die Anzahl an Wärmebrücken reduziert.

Aufstockung des Lagers wegen steigender Nachfrage nach Lean-Duplex-Stahl

Seit der Vorstellung dieses Stahls im vergangenen Jahr auf Messen hat Modersohn wachsenden Bedarf bei Kunden registriert. Daher hat der Stahlverarbeiter die Lagerkapazität für die Lean-Duplex-Legierungen 1.4362 und 1.4162 aufgestockt. Besonders beim Stahl 1.4362 werden seit diesem Frühjahr Standardbleche mit Dicken bis 60 mm in größeren Mengen auf Lager gehalten. Je nach Blechdicke kommen dann bei Modersohn in der Verarbeitung Tafelscheren (bis 10 mm), Laser- (bis 30 mm), Plasma- oder Wasserstrahltechnik (bis 60 mm und mehr) zur Anwendung.

Die Verarbeitung von Lean-Duplex-Stahl ist nicht gerade einfach. Bereits das Walzen im Stahlwerk wurde lange Zeit aufgrund der hohen Warmfestigkeit als eine technische Herausforderung angesehen. Hinderlich war der zu hohe Kohlenstoffgehalt, der zur Versprödung des Stahles führte.

So galt der Werkstoff 1.4462 als einziger einigermaßen marktfähiger korrosionsbeständiger Duplex-Stahl vor der Jahrtausendwende. Allerdings ist er im Vergleich zu den V4A-Stählen teurer. Das wird sich jedoch mit dem Lean-Duplex-Stahl 1.4362 deutlich ändern.

Verbesserter Schmelzprozess des Lean-Duplex-Stahls war Voraussetzung für Erfolg

Der Grund für diesen Optimismus liegt in der Verbesserung des Schmelzprozesses. Er hat zur Reduzierung des Kohlenstoffgehalts geführt, was sich deutlich positiv auf die Zähigkeits- und Duktilitätseigenschaften auswirkte. Das Ergebnis sind Stähle, die sich als Kaltband inzwischen ausgezeichnet verformen und fügen lassen.

So sind Bleche aus korrosionsbeständigem Lean-Duplex-Stahl mit mehr als 10 mm Dicke kaltverormbar. Aufgrund der hohen Festigkeit des Stahl ist das Abkanten bei Modersohn auf Blechdicken bis etwa 15 mm begrenzt.

Vom verbesserten Schmelzeprozess hat auch die Korrosionsbeständigkeit des Werkstoffs profitiert. Sie ist im Bereich der Befestigungstechnik bei Gebäuden besonders wichtig, weil sich die bei der Verarbeitung in die Profile eingebrachten Spannungen immer als problematisch erwiesen.

Insbesondere gilt das für die einsatzbedingten Zugspannungen an der Oberfläche, die zu kaum oder nicht sichtbaren Einkerbungen führen und somit einen Korrosionsangriff begünstigen. Aus diesem Grund wird bei der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung neuer Stahlwerkstoffe viel Wert auf die Beständigkeit gegen Spannungsrisskorrosion gelegt – vor allem in chloridhaltigen Medien.

Wilhelm Modersohn ist Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in 32139 Spenge

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