Materialfluss Logistiktrends im Maschinen- und Anlagenbau

Redakteur: Güney Dr.S.

SKF-Benchmark-Studie: Klassische Logistikaufgaben deutlich wichtiger als neue technische Lösungen. Deutschland wird Weltmeister! Im Fußball werden wir dies hoffentlich im Juli erleben. Da beruhigt...

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Deutschland wird Weltmeister! Im Fußball werden wir dies hoffentlich im Juli erleben. Da beruhigt es zu wissen, dass wir einen Titel sicher haben: Exportweltmeister. Und es sieht auch für 2006 gut aus. Eine treibende Kraft hinter dieser Entwicklung ist der Maschinen- und Anlagenbau. Was können wir aus dem Fußball lernen? Eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit und ständige Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten sind Grundvoraussetzungen, um in der Spitze mitzuspielen. Ein Bereich, der im Zuge der Globalisierung immer wichtiger für den Gesamterfolg eines Unternehmens wird, ist die Logistik. Globale Ersatzteil-, After-Sales- und Retouren-Logistik oder technische Neuheiten wie Radio-Frequency Identification (RFID) sind nur einige aktuelle Themen. Die Frage ist: Wie ist der Maschinen- und Anlagenbau hier aufgestellt und wie wird er auf die steigenden Herausforderungen reagieren?SKF-Logistiknetzwerk gefragtVor dieser Frage steht auch die SKF Logistics Services, eine Business-Unit der SKF GmbH und Inhouse-Dienstleister der Unternehmensgruppe SKF, weltweit führender Lieferant von Produkten, kundenspezifischen Systemlösungen und Serviceleistungen in den Geschäftsbereichen Wälzlager und Dichtungen. SKF Logistics Services beschäftigt heute weltweit 1000 Mitarbeiter an 28 Standorten und kann auf ein rasantes Wachstum in den letzten Jahren zurückblicken. Dafür verantwortlich ist vor allem auch der Gewinn von externen Logistikpartner, die heute das SKF-Logistiknetzwerk nutzen. Diese Entwicklung macht eine ständige Überprüfung und Anpassung der eigenen strategischen Positionierung notwendig. Ein Baustein hierzu war die Initiative zur Benchmark-Studie „Logistische Trends im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“.Durchgeführt wurde die Studie im Rahmen einer Diplomarbeit bei der Technischen Universität in Luleå, Schweden, zwischen dem 10. September und 28. Oktober. Unterstützt wurde sie auch vom VDMA und dem Steinbeiss-Transferzentrum Logistik & Marketingmanagement in Stuttgart/Eberbach.Im Rahmen eines zweistufigen Segmentierungsprozesses wurden insgesamt 347 Unternehmen aus verschiedenen Branchen des Maschinen- und Anlagenbaus wie zum Beispiel Antriebstechnik, Maschinenbau, Fluidtechnik, Armaturen oder Präzisionswerkzeuge befragt. In der zweiten Stufe wurden die Variablen Umsatz und geographischer Standort benutzt. Entscheidend war bei dieser Frage ein Unternehmensstandort innerhalb von Deutschland und ein Umsatz in der Höhe zwischen 50 Mio. und 5 Mrd. Euro. Aus der Studie geht eindeutig hervor, dass der Stellenwert der Logistik hoch ist und stetig weiter ansteigt. Fast 70% sehen die Logistik als wichtig oder sehr wichtig für den geschäftlichen Erfolg an, und fast 80% sagen, dass diese in den letzten drei Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Ein eindeutiger Trend ist also zu erkennen. Gründe sind sicherlich der starke Exportanteil und – damit verbunden – ein hoher Anteil an den Gesamtkosten.Nach Angaben der Teilnehmer machen die Logistikkosten im Durchschnitt 4,6% ihres Jahresumsatzes aus. Eine tiefere Betrachtung der Zusammensetzung der Logistikkosten macht deutlich, dass nahezu 50% der Kosten dem Bereich Transport zugeordnet werden. Danach folgen die Bereiche Lager (22%), Bestandskosten (17%) und Administrationskosten (13%). Bemerkenswert ist, dass Expresslieferungen 17% der gesamten Transportkosten ausmachen und Fehlerbehandlung mit nur 2% der Gesamtkosten der Logistik dargestellt werden. Inwieweit es konkrete Messungen der Fehlerbehandlung gibt, konnte nicht immer eindeutig geklärt werden.Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass globale Distributionskanäle für die angefragten Unternehmen zwingend erforderlich sind. Alle Unternehmen sehen Europa als Zielmarkt an. Direkt darauf folgt schon Asien/Süd-Pazifik mit 89% und dann Osteuropa mit 80%. Erstaunlich ist, dass Nordamerika erst auf Platz 4 mit 77% genannt wird. Südamerika und Afrika liegen mit unter 50% erwartungsgemäß am unteren Ende. Grundsätzlich ist zwischen einer „On-demand“-Produktion, die besonders im Bereich der Investitionsgüter zu finden ist, und dem Ersatzteilgeschäft ab Lager zu unterscheiden. Betrachtet man allerdings nur den „Ab-Lager“-Bereich, ergeben sich Verfügbarkeiten von durchschnittlich über 90%. Interessant wird es, diese Werte mit der Umschlagshäufigkeit zu vergleichen. Im Durchschnitt liegt hier der Wert zwar bei 6,3, es gibt allerdings starke Abweichungen nach oben wie auch nach unten. Best-Practise war hier ein Wert von fast 100% Warenverfügbarkeit und einer Umschlagsgeschwindigkeit von 10.Trotz der allgemein vorherrschenden Diskussion bezüglich Outsourcing hat die Studie für den Maschinen- und Anlagenbau eine eher konservative, auf Kontrolle ausgerichtete Orientierung ergeben. Der Outsourcing-Grad ist erwartungsgemäß mit 74% am höchsten im Bereich der Transportdurchführung. Bedeutend ist auch die teilweise Fremdvergabe der Lagerhaltung mit 50%. Lediglich 14% der Unternehmen haben die Lagerhaltung komplett fremdvergeben.Vor- und Nachteile genanntKlassisch wird der Bereich Kostensenkung mit 59% als erstes genannt, wenn nach Gründen für ein Outsourcing gefragt wird. Direkt danach folgen die Verringerung der Kapitalbindung mit 36% und die Konzentration auf Kernkompetenzen beziehungsweise die Erhöhung der Kapazitätsflexibilität mit jeweils 34%. Erst danach folgen Gründe wie Vermeidung von Investitionen oder Verbesserung des Kundenservice. Die Risikoverlagerung auf den Dienstleister wird mit 16% als eher unbedeutend angesehen.Als potenziellen Nachteil einer Fremdvergabe sehen 75% der Befragten die mögliche Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Qualitätsmängel und unterschiedliche Ziele als die des externen Dienstleisters sind andere bedeutende Gründe, die gegen ein Outsourcing sprechen. Interessant ist, das nur 23% höhere Kosten befürchten.Besonders interessant ist, dass gut entwickelte Geschäftsbeziehungen als sehr wichtig angesehen werden. In diese Zusammenhänge werden langfristige Beziehungen, enge Kooperation und gut funktionierende Kommunikation mit über 70% als Erfolgsfaktoren für ein funktionierendes Outsourcing betrachtet. Erst als dritter Punkt wird die Bereitschaft zur kontinuierlichen Kostenoptimierung genannt. Eine möglichst kurzfristige Zusammenarbeit sehen nur 2% als erstrebenswert.Als Ergebnis der Studie bleibt eines eindeutig festzuhalten: Logistik steht ganz oben auf der Liste des Top-Managements des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Vorbei sind die Zeiten, wo etwas abfällig von „Magazin“ und „Versand“ gesprochen wurde. Bedingt durch die Globalisierung und die hohe Exportabhängigkeit sehen sich die Unternehmen stetig steigenden Kundenanforderungen gegenüberstehen. Dies gilt gerade auch für so sensible und ertragskräftige Bereiche wie zum Beispiel die Ersatzteillogistik. Hier sind globale Distributionskanäle, absolute Lieferzuverlässigkeit und kurze Lieferzeiten ein Muss, um erfolgreich am Markt auftreten zu können.Bleibt als noch die Frage nach dem Make-or-Buy. Aus der Studie lässt sich hier kein „Königsweg“ ableiten. Die Frage ist vielmehr nur individuell aus der jeweiligen Unternehmenssituation heraus zu betrachten. Auch wenn niedrige Kosten, Kostenkontrolle und eine ständige Plananpassungsfähigkeit stark im Vordergrund stehen, ist das Outsourcing nicht immer eine logische Alternative. Der Verlust der „Kompetenz“ und eine mögliche Abhängigkeit wiegen allgemein schwer. In einem konkreten Beispiel konnte der teilweise Einsatz eines eigenen Fuhrparks plausibel dargestellt werden - was in der heutigen Zeit sicher nicht immer erwartet wird. Sinnvoll erscheint dagegen ein Outsourcing immer dann, wenn die eigenen Strukturen den Anforderungen des Marktes nicht mehr genügen und eine Anpassung entweder nicht möglich ist (Volumen) oder als zu aufwändig erscheint. Die in einem Fall genannten Lieferzeiten nach Asien von mehr als 14 Tagen sind heute sicher nicht mehr zeitgemäß und werfen automatisch die Frage nach alternativen Lösungen auf.Dass als wichtigste Elemente einer Geschäftsbeziehung zu einem Dienstleister die langfristige Zusammenarbeit und eine gute Kooperation genannt werden, erscheint aber doch äußerst bemerkenswert. Trotz der hohen Bedeutung der Kosten stehen nicht immer angelsächsische kurzfristige Optimierungsziele im Vordergrund. Es wird vielmehr langfristig geplant. Ein Indiz hierfür ist auch, dass die Einführung von RFID in der Supply-Chain nur in 9% von den Unternehmen als Ziel gesehen wird. Klassische Aufgaben der Logistik werden als wichtiger erachtet als neue, noch nicht ausgereifte Technologien. Konsequenter ExpansionskursWas sind nun die Schlussfolgerungen, die SKF Logistics Services für sich aus den Ergebnissen gezogen hat? Zum einen wird konsequent weiter an dem globalen Expansionskurs festgehalten. Eigenständige Organisationen in China und Brasilien befinden sich im Moment im Aufbau, die Transportnetzwerke werden kontinuierlich ausgebaut, und neue Geschäftsfelder wie Beschaffungslogistik werden weiter entwickelt. Ein besonderes Augenmerk legt SKF auch auf die kontinuierliche Entwicklung der bereits bestehenden Dienstleistungen. Das Unternehmen unterliegt einem ständigen Wandel, der von den Entwicklungen seiner Kunden angetrieben wird. Ein weiterer Fokus wird auf dem Bereich des externen Geschäfts liegen. SKF Logistics Services arbeitet heute bereits mit fast 40 „externen“ Kunden zusammen, und die Tendenz ist stetig steigend. Neben den reinen kommerziellen Aspekten zählt auch die Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit. SKF-Kunden sind für das eigene Unternehmen oftmals ein Spiegelbild. Grundsätzlich sieht sich SKF Logistics Services im Bereich des Vertriebs von logistischen Dienstleistungen durch diese Studie in seiner Strategie bestätigt. Das Unternehmen strebt deshalb die langfristige, auf Offenheit und beständige Verbesserung basierende Zusammenarbeit an.Die nachträgliche Teilnahme weiterer interessierter Unternehmen an der SKF-Logistik-Studie, die unter maßgeblicher Beteiligung von Karl Waström durchgeführt wurde, ist jederzeit möglich.

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