Europäische Luftfahrtindustrie Volle Auftragsbücher, aber hohe Hürden bei Produktionssteigerung

Quelle: Pressemitteilung von Roland Berger 3 min Lesedauer

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Laut einer Umfrage von Roland Berger haben die meisten Unternehmen der Luftfahrtbranche wieder volle Auftragsbücher. Lieferkettenprobleme setzen den Unternehmen jedoch zu und erschweren es, Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Die Aufträge in der Luftfahrtindustrie haben wieder zugenommen. Deutlich mehr produziert wird deswegen trotzdem nicht.(Bild:  Dushlik - stock.adobe.com)
Die Aufträge in der Luftfahrtindustrie haben wieder zugenommen. Deutlich mehr produziert wird deswegen trotzdem nicht.
(Bild: Dushlik - stock.adobe.com)

Jedes dritte Unternehmen der europäischen Luftfahrtindustrie sieht sich derzeit nicht gut aufgestellt, um die aktuell anstehenden Produktionssteigerungen umzusetzen. Dies geht aus einer Umfrage der Strategieberatung Roland Berger hervor. Die Erhebung wurde in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Luftfahrtverbänden aus Großbritannien und Frankreich durchgeführt. Unter dem Titel „Study on the Resilience of the Aerospace Supply Chain in Germany, France and the UK“ wurden rund 150 Unternehmen befragt.

Herausfordernd sind vor allem Fachkräftemangel und Lieferkettenprobleme

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen sei die Situation schwierig, ihnen fehle unter anderem Kapital für Investitionen. Der Fachkräftemangel scheint den Unternehmen zudem zuzusetzen, während andere Ressourcen, wie zum Beispiel Rohmaterialien oder Vorprodukte knapp sind.
Ein weiteres Problem seien die Lieferketten: 66 Prozent der Unternehmen berichten von Produktionsstörungen durch Lieferunterbrechungen und bewerten deren Folgen noch schwerwiegender als 2023. Dennoch arbeitet nur knapp die Hälfte an einer Umstellung oder Optimierung ihrer Lieferkettenstruktur, um diese resilienter gegenüber Disruptionen zu machen.

„Die Aufholjagd nach dem Einbruch in den Coronajahren ist in vollem Gange und die Orderbücher der europäischen Luftfahrtindustrie sind entsprechend voll“, sagt Stephan Baur, Partner bei Roland Berger. „Um diesen Auftragsbestand abzuarbeiten, muss die Anzahl der ausgelieferten zivilen Flugzeuge bis 2030 fast verdoppelt werden. Doch viele der Unternehmen, vor allem aus dem Kreis der kleinen und mittelständischen Zulieferer, sehen sich derzeit nicht in der Lage, ihre Produktion entsprechend hochzufahren.“ So tun sich über 60 Prozent der befragten Unternehmen schwer, die nötigen Fachkräfte für den Hochlauf zu finden, 40 Prozent berichten von mangelndem Kapital für Investitionen. Und für immerhin 35 Prozent sind mangelnde Produktionskapazitäten eine Herausforderung.

Zwischen 35% und 60% der Hersteller und Zulieferer der Luftfahrtbranche verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen für den geplanten Produktionshochlauf.(Bild:  Roland Berger)
Zwischen 35% und 60% der Hersteller und Zulieferer der Luftfahrtbranche verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen für den geplanten Produktionshochlauf.
(Bild: Roland Berger)

Disruptionen in den Lieferketten

Zwei Drittel der Befragten Unternehmen berichten von Störungen, etwa durch längere Vorlaufzeiten oder die begrenzte Verfügbarkeit von Rohmaterial und Vorprodukten. Dies wiederum führe zu unzuverlässigen Lieferungen und kurzfristigen Engpässen. Auch Preiserhöhungen, schwankende Qualität, ungenaue Bedarfsprognosen sowie die gesetzliche Regulierung wurden von den Unternehmen als Schwierigkeiten genannt.
Unternehmen fühlen sich zunehmend stärker beeinträchtigt. Während im vorangegangenen Jahr zwei Prozent der Unternehmen angegeben hatten sie seien „sehr stark“ von Disruptionen der Lieferkette betroffen, waren es dieses Jahr elf Prozent. Von Lieferkettenengpässen und Disruptionen sind laut Befragung insbesondere Tier-1-Zulieferer betroffen.

Lieferketten müssen resilienter werden

„Für eine langfristige Stabilisierung braucht es mehr Resilienz der Lieferketten - und die ist nur mit strukturellen Anpassungen zu erreichen“, meint Baur. Die Empfehlung der Roland Berger-Experten lautet demnach, zunächst eine grundlegende Analyse der Lieferkette durchzuführen. Auf dieser Basis ließen sich dann Maßnahmen erarbeiten und umsetzen, die eine wirklich krisensichere Lieferkette hervorbringe. Dies könnte darüber hinaus auch Kostenvorteile bieten.

Auch die Luftfahrtverbände unterstützen die Empfehlungen. So hat der BDLI die Initiative „AeroExcellence“ gestartet. „Damit wollen wir Zuliefer-Unternehmen helfen, Optimierungspotenziale entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren“, sagt Stefan Berndes, Leiter Luftfahrt, Ausrüstung und Werkstoffe beim BDLI. Er verweist zudem auf einen weiteren Punkt: „Abgesehen von Maßnahmen auf der individuellen Unternehmensebene brauchen wir auch mehr europäische und internationale Kooperation in der Luftfahrtindustrie, um Lieferketten zu diversifizieren und so resilienter zu machen“.
Ein Versuch dabei sei diese Studie. Sie zeige zudem deutlich, dass die Branche europaweit eine schwierige Situation durchläuft, die es zu lösen gilt, um den positiven Schub aus dem Auftragsboom mitnehmen zu können.

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