Deutsche Unternehmen müssen sich in dem Spannungsfeld zwischen den USA und China zunehmend neu positionieren. Diese Chancen und Risiken sollten sie dabei im Blick haben.
Europa muss seine multilaterale Handelspolitik in Richtung Westen und Osten neu bewerten.
(Bild: Robert Kneschke - stock.adobe.com)
Deutschland als Exportnation ist mehr als die meisten anderen Nationen abhängig von Absatzmärkten rund um den Globus. Das letzte Jahrzehnt hat dem Mittelstand gezeigt, dass der deutsche Alleingang innerhalb Europas mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts keine Zukunft hat.
In einer zunehmend konfliktreichen Welt müssen neue Bündnisse geschlossen und bestehende neu verhandelt werden, allen voran mit den Weltmächten USA und China. Für die Unternehmensführung ist es daher von großer Bedeutung, die Risken und Chancen im Spannungsfeld der globalen Wirtschaft richtig bewerten zu können.
Der aktuelle Stand: Willkommen in einer multipolaren Welt
Der Führungsanspruch in der östlichen Hemisphäre wird von der Weltmacht China beansprucht. Dies hat maßgeblich zu einer Neuausrichtung der amerikanischen Wirtschaftspolitik geführt. Der Prozess ist in vollem Gange und auch Europa muss seine multilaterale Handelspolitik in Richtung Westen und Osten neu bewerten.
Beide Weltmächte, die USA und China, versuchen in ihrem ureigenen Interesse über Allianzen ihre Position zu stärken. Aus diesem Grund, aber auch aufgrund des Ukrainekrieges war es für die amerikanische Biden-Administration naheliegend, wieder an frühere Traditionen der transatlantischen Partnerschaft anzuknüpfen. So sollen beispielsweise Energieträger nach Europa geliefert werden. Damit werden die USA ihre Bündnisse weiter stärken können.
Die westlich, weitestgehend neu geschlossene Front gegen Russland, hat dabei das Expansionsbestreben Chinas sensibilisiert. In Chinas Kampf um Hongkong sind negative Auswirkungen bereits deutlich erkennbar. Unterschiedliche Firmen verlagern ihr Asiengeschäft nach Singapur. Um nicht gegen die eigenen Interessen zu agieren, ist China angehalten, seine Strategie in Bezug auf Hongkong, Taiwan und den Westen neu zu überdenken.
Andere aufstrebende Wirtschaftsmächte, wie beispielsweise Indien, wollen in internationalen Angelegenheiten eine ganz eigene Position vertreten. Der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar positioniert sich auf der Seite des Friedens, des Respekts für internationales Recht und der Unterstützung der UN-Charta. An den bewährten Beziehungen zu Russland will man aber festhalten. Mit Übernahme des G 20-Vorsitz, ist eine Vermittlerrolle im Ukrainekrieg denkbar.
Neben eigenen Anstrengungen wirtschaftlich führend zu sein, hat Europa als größter Binnenmarkt der Welt ein nicht unbedeutendes Verhandlungsgewicht. Ziel dabei ist es, einen Ausgleich zwischen den beiden Weltmächten zu schaffen. Parallel Zugang zu beiden Märkten zu haben, wird für Europa umgekehrt jedoch immer komplexer. Aus diesem Grund wird es immer bedeutender, Risiken zu streuen, beispielsweise über mehrere Handelspartner.
So geht es weiter: Handelspolitik mit den USA und China bleibt schwierig
In Bidens Regierungszeit setzt sich der protektionistische Trend der Trump-Jahre fort. Europäische Unternehmen dürften in Zukunft stärker gezwungen sein, mehr direkt vor Ort in den USA zu produzieren. Ein Beispiel dafür ist der „Inflation Reduction Act“ (IRA). Mit 400 Milliarden Dollar unterstützt die US-Regierung damit die heimische Industrie im Bereich klimaneutraler Technologien. Ein Passus im IRA besagt, dass Elektroautos nur noch mit maximal 7.500 Dollar Steuernachlass gefördert werden, wenn sie in den USA gefertigt werden. Die Amerikaner fahren damit eine ähnliche Strategie wie China.
Neu aufgebaute Herstellungsprozesse in den Zielmärkten, sogenannte horizontale Investitionen, sollen Direktexporte aus den Herkunftsländern ersetzen. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr deutsche Unternehmen ihre Standorte in Nordamerika ausbauen. Alternativ können passende Unternehmenszukäufe eine interessante Markteintrittsstrategie sein. Neben Lieferkettenproblemen befeuern steigende Transportkosten zusätzlich den Trend zu M&A-Transaktionen, die eine regionale Nähe zu Absatzmärkten oder Großkunden schaffen.
Inwiefern China seine Haltung bezüglich vorliegender Marktzugangsbeschränkungen und dem mangelnden Schutz geistigen Eigentums ändert, wird aus europäischer Sicht direkten Einfluss auf neue Koalitionen und Kooperationen haben. Und China drohen weitere Fliehkräfte durch den Game-Changer Indien.
In diesem dynamischen Umfeld steigt der Druck auf China, sich zu öffnen. Das zeigt sich auch bei den ausländischen Unternehmenskäufen in Europa. So konnten sich Käufer aus den USA im Rahmen von M&A-Prozessen zuletzt häufiger durchsetzen als chinesische Kaufinteressenten. Ein Grund hierfür ist sicherlich auch Chinas politische Steuerung der aktuellen Finanz- und Immobilienkrise samt Staatskapitalismus.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Mehr Chancen durch Marktdiversifizierung
Seit die Coronapandemie und der Ukrainekrieg ausgebrochen sind, wollen die meisten europäischen Unternehmen die Resilienz ihrer Prozesse und Strukturen verbessern. Mehr Stabilität kann jedoch nicht geschaffen werden, indem man sich nach innen wendet. Stattdessen sollten Unternehmen ihre Risiken im globalen System streuen.
Neben Transformationsprozessen, getrieben durch die Energiewende, Digitalisierung und Automatisierung, beeinflussen zudem strategische Motive zu Beschaffungs- und Absatzmärkten die eigene Unternehmensstrategie. M&A als Instrument strategischer Unternehmensentwicklung und -sicherung in einer globalisierten Welt, eröffnet insbesondere dem Mittelstand interessante Alternativen. Zukunftsorientierte Unternehmen sollten daher ihre M&A-Roadmap aktualisieren, um richtige Entscheidungen in einer multipolaren Welt treffen zu können.
* Marc F. Bloksma ist Managing Director bei der Promecon GmbH in 73630 Remshalden, Tel. +49 7151 7000120, info@promecon-gmbh.de, www.promecon-gmbh.de