Neue Werkstoffe Magnetschalter bauen sich selbst zusammen

Redakteur: Jürgen Schreier

Einen Nano-Magnetschalter, dessen Einzelteile sich eigenständig zusammenzufügen, haben Experten aus Grenoble und Straßburg sowie Wissenschaftler des Instituts für Nanotechnologie (INT) am KIT entwickelt. Vorbild dafür waren selbst-organisierende Prozesse in der Natur.

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„Selbstorganisiert“ zum Nano-Schalter: Magnetische Moleküle (grün) ordnen sich auf einer Kohlenstoffnanoröhre (schwarz) an, um ein elektronisches Bauteil zu bauen. (Bild: C. Gruppe, KIT)
„Selbstorganisiert“ zum Nano-Schalter: Magnetische Moleküle (grün) ordnen sich auf einer Kohlenstoffnanoröhre (schwarz) an, um ein elektronisches Bauteil zu bauen. (Bild: C. Gruppe, KIT)

Magnetische Speichermedien wie Festplatten haben den Umgang mit Informationen revolutioniert: Täglich gehen wir mit riesigen Mengen magnetisch gespeicherter Daten um, elektronische Bauteile mit hoher Empfindlichkeit sind dafür die Basis. Um die Datenkapazitäten weiter zu erhöhen, sind noch wesentlich kleinere Bauteile notwendig. Gemeinsam mit Experten aus Grenoble und Straßburg haben Wissenschaftler des Instituts für Nanotechnologie (INT) am KIT einen Nano-Magnetschalter konstruiert – Vorbild war ein Mechanismus aus der Natur.

Magnetmoleküle docken selbstständig auf synthetischer Nanoröhre an

Was tun, wenn es für die Herstellung eines derartig winzigen Bauteils keine Werkzeuge mehr gibt? Eine Möglichkeit: Man bringt die Einzelteile dazu, sich eigenständig zu dem gewünschten Produkt zusammenzufügen.

Das Forscherteam um Professor Mario Ruben vom INT hat sich für die Produktion eines Nano-Magnetschalters einen Trick bei der Natur abgeschaut: Die Wissenschaftler brachten synthetische Haftgruppen so an Magnetmoleküle an, dass diese von selbst an der richtigen Position auf einer Nanoröhre andocken.

In der Natur entsteht in einem ähnlich selbst-organisierenden Prozess beispielsweise ein grünes Blatt – ganz ohne den Eingriff einer übergeordneten Instanz. Die Einführung solcher Prinzipien in der Herstellung elektronischer Bauteile ist ein Novum und stellt einen Paradigmenwechsel dar.

Schalter besteht aus weichen Materialien

Den Nano-Magnetschalter hat ein europäisches Team aus Wissenschaftlern des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Grenoble und des Institut de Physique et Chimie des Matériaux der Universität Straßburg und des INT gemeinsam konstruiert. Eine Besonderheit des Schalters ist, dass er nicht wie konventionelle elektronische Bauteile aus anorganischen Materialien wie Silizium, Metallen, Oxiden oder ähnlichem besteht, sondern aus weichen Materialien wie Kohlenstoffnanoröhren und Molekülen.

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