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Med-Industry + Pharma Day

Medizintechnik: „Der Markt wächst jährlich um 12 %“

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Transfer neuer Ideen in marktfähige Produkte

Jedoch sprächen die aktuellen Rahmenbedingungen häufig gegen den Transfer neuer Ideen von der Forschung in marktfähige Produkte. Und dennoch sieht Schlötelburg einen großen Zukunftsmarkt für biologische, biologisierte und biofunktionalisierte Implantate wie Herzkklappen als klassischer Bereich für Kooperationen zwischen den Branchen Medizintechnik und Pharma.

Doch die Regulierung – nicht wenige Betroffene sprechen von Überregulierung – zieht sich wie ein roter Faden durch alle Prozesse. So berichtet Prof. Michael Gebauer von der Cardiac Research GmbH, dass nur etwa 10 Prozent des Aufwands klinischer Studien auf ärztliche Tätigkeiten entfallen. Der Rest sei größtenteils Bürokratie. „Verbundprojekte helfen an dieser Stelle, die Interessen der Studienauftraggeber und der beteiligten Kliniken, schneller umzusetzen“, weiß Gebauer jedoch auch, wie damit umgegangen werden kann.

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Der Patient als Blackbox

Zurück zur Personalisierung: Die wäre aus Sicht von Patienten und Ärzten gleichermaßen wünschenswert. „Denn viel zu häufig treten Patienten ihren Ärzten als Blackbox gegenüber“, erklärt Christoph Müller von der Curafida GmbH. Allen Rufen nach Datenschutz zum Trotz hätte er nichts dagegen, seine persönlichen, mittels kontinuierlicher Messwerterfassung gesammelten Daten Ärzten anstelle subjektiver Momentaufnahmen für die Diagnose zur Verfügung zu stellen. Damit steht er nicht alleine da: „Patienten geben ihre Daten bereitwillig preis, wenn ihnen Empfänger sowie Nutzung und Weiterverarbeitung bekannt sind.“

Mit seiner Curafida-App steht Müller an der Schwelle von der Forschung zur Anwendung. Ziel ist, „die Blackbox der Gesundheitsdaten zu lüften“, erklärt er und fordert in diesem Zusammenhang die Einführung offener Standards anstelle proprietärer Insellösungen.

Co-Development von Kombinationsprodukten

Doch es gibt auch viele Beispiele, wo Kooperationen zwischen Medizintechnik- und Pharmaindustrie bereits gut funktionieren. Nicht selten spielen dabei Auftragsfertiger eine entscheidende Rolle. Als Dienstleister bringen sie die Anforderungen beider Branchen zusammen. So zum Beispiel die Hemoteq AG in Würselen nahe Aachen. Als deren Leiter für Business Development und Clinical Affairs weiß Dr. Ingolf Schult auf dem Med-Industry + Pharma Day zu berichten, wie spezialisierte Auftragsfertiger beim Co-Development von Kombinationsprodukten gemeinsam mit Herstellern Synergien für Innovationsfelder erschließen. Das gilt vor allem für medikamentenbeschichtete Stents und Ballons, wie sie bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz sind.

Wettbewerbsdifferenzierung mit Generika

Aus einer ähnlichen Perspektive erlebt Paul Wismer vom Kunststoffspezialisten Balda Healthcare die Schnittstelle zwischen Medizintechnik und Pharma. „Speziell für die Hersteller von Generika ist die Differenzierung vom Wettbewerb eine Herausforderung. Da liegt der Gedanke nahe, mittels intelligenter Applikationsmöglichkeiten Unique Selling Points zu schaffen.“ Value Added lautet das entsprechende Schlagwort. So reiche beispielsweise das Design for X (DfX) bis zur Demontage und Entsorgung von Medizingeräten. Dem stimmt auch Axel Fischer als Geschäftsführer der Activoris Medizintechnik GmbH zu: „Das Design der Moleküle ist definiert. Aber die Gerätetechnik erlaubt die Individualisierung.“

Big Medtech kooperiert am besten mit Big Pharma

Bleibt abschließend zu klären, wer denn nun sinnvollerweise mit wem kooperiert. Auch dazu gibt Fischer den Teilnehmern des Med-Industry + Pharma Day eine Empfehlung: „Grundsätzlich fallen Kooperationen leichter, wenn die Unternehmen von der Größe her zusammen passen.“ Sprich: Big Medtech kooperiert am besten mit Big Pharma. gleiches gilt für Unternehmen des Mittelstands wie auch für kleine Unternehmen. Doch seien grundsätzlich auch Kooperationen unterschiedlich großer Unternehmen möglich. „Wichtig ist dabei, auf Augenhöhe zu kooperieren“, appelliert Fischer speziell an die kleineren Partner, sich nicht unterdrücken zu lassen. Dabei umso wichtiger: Kommunikation. Denn die Entwicklungs-, Risiko- und Zulassungswelten liegen hier besonders weit auseinander.

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