Alternativ zu den am Markt erhältlichen ERP-Programmen bietet sich die Entwicklung einer eigenen Lösung an. Welche Vorteile das haben kann, zeigt das Beispiel von Peiseler.
Matthias Gläser, Leiter der Fertigungssteuerung bei Peiseler, arbeitet an der Felios-Fertigungssteuerung. Diese errechnet jeweils über Nacht den optimalen Produktionsablauf für den Folgetag.
(Bild: Peiseler)
Auf einen Blick
Mit der Einführung eines selbst entwickelten ERP-Systems hat Peiseler beste Erfahrungen gemacht.
Den administrativen Aufwand hat man durch die die Vereinfachung der Kommunikation und Prozesse drastisch reduzieren können.
Die Durchlaufzeiten sind erheblich kürzer und der Materialfluss absolut transparent.
Nicht nur in der gegenwärtig schwierigen konjunkturellen Situation im Maschinenbau kommt der Produktionseffizienz eine überragende Bedeutung zu. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine funktionierende Produktionsplanung. Dabei kommen industrielle Unternehmen nicht ohne ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) aus. Dessen Auswahl ist in der Regel jedoch nicht so leicht. Eine Vielzahl von Anbietern zeigt zwar unterschiedlichste Möglichkeiten, doch die Entscheidung, welches am besten für die eigenen Bedürfnisse passt, hängt von vielen Faktoren ab. Peiseler, einer der führenden Hersteller von Wendern, Drehtischen, 2-Achs-Schwenkeinrichtungen, Schwenkköpfen und Werkzeugwechseltischen, hat sich schon vor langer Zeit entschieden, ein eigenes ERP-System zu entwickeln und dieses kontinuierlich weiter zu verfeinern. Denn die individuellen Anforderungen sah das Unternehmen durch die verfügbaren Standard-Softwarelösungen nicht abgedeckt.
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„Um in unseren zwei Werken an unserem Hauptsitz in Remscheid und in Morbach die Produktion zu optimieren, war es wichtig, nicht nur den Herstellungsprozess zu betrachten“, erklärt Axel Lischke, Werksleiter bei Peiseler. „Denn die Anforderungen sind sehr komplex. Die Fertigung von Neuanlagen als individuelle Projektgeschäfte gehört genauso wie das Handling von Serviceaufträgen und Lohnfertigungen zum täglichen Business.“ Weil das oberste Ziel jeder Produktionsoptimierung selbstverständlich die Kostensenkung ist, galt es, das Optimum zu erreichen – im Kern durch das Vermeiden der Verschwendung von Material, effizienten Personaleinsatz, optimierte Abläufe und einen transparenten Informationsfluss.
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Aufbau eines integrierten, flexiblen, adaptiven Produktionsmanagementsystems
Bei Peiseler bedeutete dies die konsequente Verknüpfung zu sämtlichen betrieblichen Bereichen, unter anderem Human Resources, Vertrieb, Controlling, Supply Chain Management, Lagerwirtschaft und Versand. In dem selbst entwickelten ERP-System erfasst man die Abläufe in Echtzeit und verarbeitet sie weiter. Dies sei insbesondere beim Materialfluss und der Lagerhaltung ein existenzieller Bestandteil. Darüber hinaus erfasst Peiseler die Anwesenheits- und Produktionszeiten digital und ordnet diese den Fertigungsaufträgen und der Personalzeiterfassung zu. „Somit ist jederzeit eine Auswertung der Wertschöpfungskette möglich“, berichtet Lischke.
Auslegung der selbst entwickelten ERP-Lösung
Das von IT-Leiter Carlos Fernandes maßgeblich selbst programmierte und immer weiter ausgebaute System für die Fertigungssteuerung habe sich bestens bewährt. So sei dessen Handhabung ausgesprochen komfortabel, zeitgemäß und einfach. Eingaben seien per QR-Codes, Barcodes oder per Mail möglich und eine Handy-App sei in Vorbereitung. Selbst der Vertriebsaußendienst sei dabei komplett eingebunden, denn auch unterwegs bestehe die Möglichkeit, Daten in Echtzeit einzugeben oder entsprechende Auswertungen zu generieren.
Die Stammdatenklassifizierung erfolgt schon in der Konstruktion, wo jede einzelne Komponente eine eigene Identifikationsnummer bekommt. Für die dispositive Abwicklung und Fertigungssteuerung erhalten die jeweiligen Fachabteilungen automatisch alle konsolidierten Informationen. Damit können die zuständigen Mitarbeiter den kompletten Auftrag einschließlich der vorhandenen Beschaffung einplanen. Der Vertrieb erhält die Rückmeldung des Liefertermins und informiert entsprechend die Kunden. Das System erfasst alle extern zu beschaffenden Komponenten und übermittelt diese an das Supply-Chain-Management. Dort erfolgt die Bestellung, aber auch die Planung der Lagerressourcen, mit dem Ziel, diese auf ein Minimum zu reduzieren. „Diese parallelen Strukturen sind eine wesentliche Voraussetzung für Schnelligkeit im Produktionsprozess und ein hohes Maß an Effizienz“, betont Lischke.
Um flexibel auf Störungen reagieren zu können, hält ein täglicher Produktionsplanungslauf die Daten aktuell und erfasst zum Beispiel Maschinendefekte und Mitarbeiterausfälle. Schnell und flexibel erfolgt die Veränderung der Produktionsabläufe, um sich der neuen Situation anzupassen. Ein Feedback an den Leitstand informiert aktuell über den Status aller Aufträge, um mögliche weitere Eingriffe vornehmen zu können.
Fertigungssteuerung mit dem Planungssystem Felios
Wichtig dabei ist natürlich die Kommunikation mit allen Beteiligten, die jeweils ein Terminal an ihrem Arbeitsplatz und damit einen Überblick über die Tages- und Wochenplanung haben. Möglich macht dies das an das ERP angebundene Advanced Planning System Felios, das täglich die Fertigungsaufträge aktualisiert. Dabei berechnet das System die bestmögliche Reihenfolge der Aufträge auf Grundlage des Liefertermins. Mitarbeiter, Meister und die Fertigungsleitung erfahren so, welche Aufträge am aktuellen Arbeitstag zu bearbeiten und abzuschließen sind.
Stand: 08.12.2025
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Jeder Mitarbeiter sieht also ständig, was er als nächstes bearbeiten, prüfen oder montieren muss und den entsprechenden Lagerort, wo das dafür erforderliche Material bereitsteht. Mittels Handscanner erfasst er die Materialien und bucht sie so seinem Arbeitsplatz zu. Für die Bearbeitung selbst scannt der Mitarbeiter einen Auftragsbarcode und bestätigt den Beginn der Arbeiten. Die entsprechend erfasste Arbeitszeit wird so dem Auftrag zugebucht sowie an die Betriebsdatenerfassung und das Controlling zur Nachkalkulation übermittelt.
„Insofern gibt uns das System für jeden Arbeitstag den optimalen Produktionsablauf vor“, erläutert Matthias Gläser, der bei Peiseler für die Fertigungssteuerung verantwortlich ist. „Das ermöglicht es uns, die Produktionsfaktoren effizient einzusetzen.“ Alle Feinplanungsdaten aus dem „Felios“-System würden zudem im ERP-Control-Center aufbereitet und visualisiert. Somit wird für alle, die am Prozess beteiligt sind, ersichtlich, wie der aktuelle Fertigungsstand in der jeweiligen Kostenstelle und im gesamten Werk ist.
Vorteile im Vergleich zu anderen ERP-Systemen
Die auf dem Markt angebotenen üblichen ERP-Lösungen sind Werksleiter Lischke zufolge nicht in der Lage, das zu bieten, was das selbst entwickelte Peiseler-ERP kann: „Das ist meistens zu sehr ‚Standard‘ und deckt unsere individuellen Anforderungen nicht ab.“ Es fehle an Flexibilität, während bei der eigenen Produktionsplanung leicht Veränderungen vorgenommen und zusätzliche Anforderungen binnen Stunden integriert werden könnten.
Die Anbindung von Fremdsoftware sei zudem uneingeschränkt möglich. Und es handele sich um ein offenes IT-System, was die Verarbeitung aller denkbaren Dokumente und Dateien unabhängig von ihrem Format erlaube. „Neben Fragen der Performance ist es aber auch eine Frage der Investition“, ergänzt Lischke. „Denn die mitunter hohen Anschaffungskosten eines fertigen Systems fallen bei uns gar nicht erst an.“ Das betreffe auch die Ausgaben, die für Updates und Anpassungen von Standardlösungen an individuelle betriebsspezifische Prozesse anfielen.
Mit der Einführung eines selbst entwickelten ERP-Systems habe Peiseler zudem beste Erfahrungen gemacht. Den administrativen Aufwand habe man durch die Vereinfachung der Kommunikation und Prozesse drastisch reduzieren können. Die Durchlaufzeiten seien erheblich kürzer und der Materialfluss absolut transparent. Sämtliche produzierte Teilgeräte seien komplett nachzuverfolgen, weil Auswertungen und die Verarbeitung aller verwendeten Teile sofort abruf- und verfügbar sind. Die Fertigungssteuerung reagiere in kürzester Zeit auf notwendige Änderungen. Und über das Control-Center seien Auftragsdaten, Zeichnungen, Anweisungen und Prüfdokumente online an jedem Arbeitsplatz vorhanden.
Deshalb habe man bei Peiseler eine vollkommene Transparenz über den ständig durch das System optimierten Produktionsprozess. „Insofern hätten wir uns seinerzeit nicht besser entscheiden können“, unterstreicht Lischke, „als eine eigene ERP-Lösung zu entwickeln und diese bis heute immer weiter zu verfeinern.“
Ausgefeiltes Security-System schützt vor Angriffen
Für deren Schutz vor externen Angriffen auf das Unternehmensnetz und zur Vorbeugung möglichen Datendiebstahls hat Peiseler ein ausgefeiltes Security-System eingerichtet. So sorgt unter anderem eine leistungsfähige Firewall für eine umfassende Absicherung. Und die Datenbank ist auf einem Rechner von IBM der iSeries gespeichert, der für eine hohe Sicherheit und Verfügbarkeit sorgt. Darüber hinaus verhindert ein gut ausgearbeitetes Berechtigungskonzept mit Lese-, Schreib- und weiteren Rechten für jedes einzelne Programm mögliche Fehlbedienungen. Diese wirkungsvollen Maßnahmen haben bislang auch zum Schutz des ERP-Systems von Peiseler und somit zu einer effizienten Produktionsplanung beigetragen.
Interview
Drei Fragen an Peiseler-Chef Arnd Kulaczewski
Arnd Kulaczewski hat im Frühjahr 2020 die Verantwortung für das Traditions-Unternehmen Peiseler übernommen, das 2019 sein 200-jähriges Bestehen feierte.
Wie schätzen Sie die schon länger etablierten Produktionsabläufe ein, die Sie vorgefunden haben?
Sehr überzeugend. So effizient wie Peiseler die Produktionsprozesse steuert und permanent optimiert, sieht man das nicht immer. Insofern bin ich meinen beiden Vorgängern, die sich in den Ruhestand verabschiedet haben, ausgesprochen dankbar. Sie haben konsequent nicht nur in modernste Technik, sondern auch in die Digitalisierung der Fertigungssteuerung investiert.
Können Sie die sich daraus ergebenden Vorteile quantifizieren?
Das ist natürlich nicht ganz so einfach zu sagen, da ja eine ganze Reihe von Faktoren ausschlaggebend sind. Wir gehen aber davon aus, dass wir unsere Produktionseffizienz alleine durch die Implementierung eines selbst entwickelten ERP-Systems mit der dort angebundenen Fertigungssteuerung um etwa 25 % steigern konnten. Insofern können wir nur bilanzieren, dass sich dieser Weg ausgesprochen gelohnt hat. Mal ganz abgesehen davon, dass damit eine völlig neue Arbeitskultur bei uns Einzug gehalten hat.
Was bedeutet eine solche Veränderung konkret?
Wir haben mit unserem System für alle meine Kollegen eine hundertprozentige Transparenz geschaffen. Jeder Mitarbeiter sieht an seinem Arbeitsplatz jedes Detail eines laufenden Produktionsauftrags und kann auf alle Daten zugreifen. Alle Bereiche im Unternehmen sind durch das ERP miteinander verknüpft und haben einen aktuellen Informationsstand. Das sorgt nicht nur für eine Vereinfachung und Beschleunigung unserer Geschäftsprozesse, sondern auch für eine konsequente Einbindung und somit Motivation unserer Mitarbeiter.
* Christian Mannigel ist Fachjournalist in 21256 Handeloh. Weitere Informationen: Peiseler GmbH & Co. KG in 42855 Remscheid, Tel. (0 21 91) 9 13-0, peiseler.rs@peiseler.de