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Losgröße 1 zwingt zum digitalen Handeln
Wie Informatik und Software dank der Mechatronik schon im Denken von Maschinenbauern verankert sind, das erklärt Prof. Dr. Peter Heß, TH Nürnberg, anhand von Beispielen seines Lehrgebietes Produktionsautomatisierung, Angewandte Informatik und Robotik. Für ihn stellt sich die Frage: Kommen die Roboter in der Fertigung an? Welchen Mentalitätswandel lösen sie dort aus? Immerhin sieht die Zukunft der Fabrik bald anders aus – von heute zentral gesteuert bis morgen hauptsächlich dezentral gesteuert. Steuerungen und Werkstücke agieren künftig aktiv. So erfolge zum Beispiel der Werkzeugwechsel auf Basis von Sensordaten und nicht mehr auf Basis von Restlaufzeiten.
Für den Maschinenbauer habe Prozesssicherheit oberstes Gebot. Wo und wie also werkeln die Roboter der Zukunft? Peter Heß gibt die Antwort: in der automatisierten Produktion, in der kollaborativen Fertigung und als flexible Transportsysteme. Ein Wandel, der sich auf die Werker und Bediener auswirke. „Neue Kommunikationsformen, mehr Überwachungstätigkeiten, höhere Flexibilität und Assistenzroboter für altersgerechte Arbeit“, benennt er die Schlagworte. Heß rät, praktisch in kleinen Schritten an die Herausforderungen ranzugehen: „Nie das ganz große Konzept realisieren, aber gezielt da ansetzen, wo es konkreten Nutzen bringt!“ So denke der Maschinenbauer beim Begriff Sicherheit noch in erster Linie an die Maschinensicherheit. „IT-Security ist in der Ausbildung noch nicht angekommen“, nennt er eine der Ursachen. Und: Bei Spezialmaschinen entfalle der Druck, modern zu werden. Eine Tatsache, die sich rasch ändern werde. Denn Industrie 4.0 stehe für Veränderungen der Kundenwünsche, mit dem Ziel Losgröße 1. Ein Trend, der den Maschinenbauer zum digitalen Handeln zwinge. Denn, so Peter Heß: „Die Individualisierung der Produkte schreitet voran.“
Social Engineering ist Top-Bedrohung
Wie sorglos Unternehmen in Sachen IT-Security sind, das lässt sich hautnah und unmittelbar im Internet erfahren. Digital vernetzte Fertigungen zu schützen, das sollte eigentlich kein technisches Problem sein; aber die Realität sieht anders aus. Suchmaschinen wie Google und Shodan spüren schnell Steuerungen und Webserver im Netz auf. Verblüffend, was Prof. Dr. Andreas Aßmuth, zuständig fürs Lehrgebiet Rechnernetze, Mathematik, Kryptologie und Informationssicherheit an der Ostbayerischen TH Amberg-Weiden, mit ein paar Suchbegriffen bei der Präsentation seiner Keynote fand: jede Menge übers Internet ansprechbare Steuerungen. Live und auf Anhieb fand der Security-Experte offen aufrufbare Schemata von Windkraftanlagen und anderen Anlagen. „Finden lassen sie sich aber überall auf der Welt“, informiert Andreas Aßmuth das Plenum. Viele schütteln über diese Leichtsinnigkeit von Anlagenbetreibern den Kopf, können es nicht fassen. Andreas Aßmuth legt Wert darauf, dass er die Steuerungen nur gefunden und per Suchmaschine angezeigt hat, nicht gehackt. Schmunzelnd ergänzt er: „Nur qngucken, nicht anfassen. Das sage ich auch immer meinen Studenten.“
Seine Forderung, um solch peinliche Szenarien zu vermeiden, heißt: „Nehmen Sie den Automatisierer in die Pflicht! Er muss die Automatisierung vernünftig realisieren.“ Bei allen Gefahren sticht unter den Topbedrohungen für Angriffe auf ein Unternehmen besonders das Social Engineering hervor. „Ich vertrete den Standpunkt, dass das gesamte Thema IT-Sicherheit nicht alleine technisch lösbar ist.“ Und weiter fordert Andreas Aßmuth: „Ein Unternehmen soll definieren, welche Prozesse fürs Unternehmen überlebenswichtig sind, und dafür die Risikobewertung machen und dort ansetzen.“ Besonders wichtig bei allen Maßnahmen sei, die Umgebung so einzurichten, dass sich ein Angriff nicht über den Bereich fortpflanzen kann, in dem die Attacke erfolgt ist. „Wer sich nur auf den Virenscanner verlässt, der ist verlassen.“
Das Vertrackte an der Thematik: IT-Security und Datenschutz sind zwei Paar Schuhe, die sich gegenseitig ergänzen sollten, so Andreas Aßmuth. „ Aber um IT-Security zu gewährleisten, können nicht Datenschutzlösungen verwendet werden. Beim Datenschutz geht es vor allem um den Schutz von personenbezogenen Daten. Wenn Sie das sicherstellen, sind Sie aber noch lange nicht gegen Denial-of-Service- oder Spoofing-Angriffe geschützt.“ MM
* Reinhard Kluger ist freier Journalist in Höchberg.
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