Mit ENX schnell und sicher Daten austauschen

Redakteur: MM

Der Umstieg auf das Internet-basierte Branchennetzwerk ENX wird vielen Zulieferern von Seiten der Automobilindustrie quasi vorgeschrieben. Das Netz bietet enorme Sicherheitsstandards, so dass selbst...

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Der Umstieg auf das Internet-basierte Branchennetzwerk ENX wird vielen Zulieferern von Seiten der Automobilindustrie quasi vorgeschrieben. Das Netz bietet enorme Sicherheitsstandards, so dass selbst die Übertragung hochsensibler Entwicklungsdaten ,,abhörsicher" gewährleistet ist. Den Umstieg auf ENX sowie die Anbindung an die vorhandene ERP-Software bewältigte das Dillenburger Unternehmen Linde + Wiemann erfolgreich.Linde + Wiemann, weltweit tätiger Automobilzulieferer und Spezialist für Profil-, Stanz- und Verbindungsteile in Dillenburg kommuniziert über das europäische Branchennetzwerk European Network Exchange ENX. Dazu Hannelore Patzwaldt, Leiterin IT bei Linde + Wiemann: ,,Wir nutzen ENX einmal mit unseren Kunden und Lieferanten, und wir werden natürlich auch unsere eigenen Werke miteinander verbinden, das heißt die deutschen Werke in Dillenburg, in Südbrookmerland, in Elstra und in Ingolstadt." Bisher sind diese Werke über normale Telekom-Standleitungen miteinander verbunden, die langsam, teuer und unsicher sind. Auch das Werk in La Garriga, Spanien, hat von Audi die Aufforderung bekommen, sich entweder über ISDN oder ENX anzubinden. Das Ergebnis: Auch La Garriga wird jetzt an ENX angeschlossen. Gemanagt und realisiert wurde das Pilot-Projekt bei Linde + Wiemann vom ENX-Team des Softwarehauses Brain International AG, Breisach, sowie der Seeburger AG, Bretten. Hannelore Patzwaldt: ,,Die einzige Änderung im DFÜ-Modul (DFÜ: Datenfernübertragung) wurde schnell und sicher vorgenommen, und zwar der Umstieg von EDI auf das Internet-Protokoll TCP/IP." Im ERP-System, der auf der IBMHardware iSeries-basierten und auf die Automobilzulieferindustrie konzipierten Lösung Brain XPPS habe man dagegen gar nichts zu ändern brauchen. Das Netzwerk selbst wird durch den zertifizierten Serviceprovider und Telekom-Tochter DeTeSystem bereitgestellt. Bei ENX handelt es sich um ein TCP/IP-basiertes Branchennetzwerk für die Automobilindustrie. Sicherheitsaspekte wie Abhörsicherheit, Integrität der Übertragung und Authentifizierung von Sender und Empfänger werden durch den IPSec-Standard (Internet Protocol Secure-Standard) gewährleistet. Um die notwendige Sicherheit zu gewährleisten verlangt die Automobilindustrie zunehmend, dass ihre Zulieferer auf ENX umsteigen. Denn immer stärker werden Zulieferer auch in die Entwicklung von Bauteilen mit eingebunden, und die Übertragung von hochsensiblen Entwicklungsdaten über Datex P oder ISDN ist zu unsicher und daher zu gefährlich.Große Datenmengen ohne Probleme sendenNeben dem herkömmlichen Datenaustausch können auch Anwendungen ausgeführt werden, wie etwa Druck von Labels und Lieferabrufe. ,,Gerade für die Übertragung von CAD-Daten ist ENX enorm wichtig", so Patzwaldt, ,,da es sich dabei um sehr große Datenmengen handelt. Hier werden wir als Nächstes mit dem Kunden Karman Daten sicher und schnell via ENX austauschen." In geschützten Bereichen (closed user groups) stehen so genannte Conferencing Systeme für gemeinsame Produktentwicklung, Dateitransfer, Web-Applikationen und der direkte Zugang zu Produkt-, Bestell- und Finanzinformationen über die Grenzen des Unternehmens hinweg zur Verfügung. Überhaupt: der entscheidende Vorteil von ENX ist und bleibt die vom VDA (Verband der deutschen Automobilindustrie) vergebene IP-Adresse für die absolute Sicherheit beim Datenaustausch. Hinzu kommt eine High-End-Verschlüsselungseinheit, die der berechtigte Empfänger ebenfalls haben muss, um die Daten wieder zu entschlüsseln. Linde + Wiemann selbst - mit 1150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im Jahr 2000 von 330 Mio. DM einer der größeren mittelständischen Zulieferer - hatte selbst das ureigene Interesse, seinen Kunden wie etwa Audi, Opel und VW zu demonstrieren, dass man auf dem neuesten Stand der Technik ist, sprich in Sachen Kommunikation schnellstens auf ENX umsteigt. Die Automobilindustrie schreibt dies quasi vor, und wenn der Zulieferer nicht ,,mitzieht", fällt die jährliche Beurteilung weniger gut aus: ,,Wie zum Beispiel bei Opel", erklärt Hannelore Patzwaldt, ,,da fallen von insgesamt 100 Punkten zehn auf den IT-Bereich, und wenn man diese Zahl nicht voll bekommt, wirkt sich das unmittelbar negativ auf das Auftragsvolumen aus."Bei Linde + Wiemann geht man davon aus, dass ENX in nächster Zeit Standard sein wird. Zulieferer bekommen dann in Zukunft keine Bestellscheine beziehungsweise Abrufe, sondern müssen bis zu sechsmal täglich auf die Produktionsdaten der OEM (Original Equipment Manufacturer) schauen und danach selbst entscheiden, was wann zu liefern ist. Und diese Zugriffe auf sensible Daten werden nur über ein sicheres Netz wie ENX stattfinden.Seit Frühjahr 2001 kommunizieren rund 200 Zulieferer und OEM beziehungsweise deren Niederlassungen - primär aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Staaten wie Frankreich und Belgien - über ENX. ENX-Zugang nur über den VDADer Zugang zu ENX geschieht für Zulieferer folgendermaßen: Der VDA in Frankfurt vergibt die Zulassungen und registriert jeden Teilnehmer; jeder genehmigte ENX-Teilnehmer erhält dann eine IP-Nummer, die mit jedem ENX-Partner, mit dem kommuniziert werden soll, ausgetauscht werden muss, und erst dann stellt die Telekom die Verbindung her. Es ist somit nicht möglich, dass unberechtigte Dritte über ENX kommunizieren und sich somit Zugang zu sensiblen Daten verschaffen.Neben der Möglichkeit, Standleitungen für einen ständigen Online-Zugriff zu mieten kann man sich für sogenannte Wählleitungen entscheiden, die punktuell auf- und abgebaut werden (Tabelle). Der Preis richtet sich je nach frei wählbarer Bandbreite. Das große Ziel der OEM ist, alle Zulieferer - auch verlängerte Werkbänke oder Lohnarbeiter - einzubinden. Wenn der VDA neben der Telekom noch weitere Provider in Deutschland zertifiziert, wird auch der Zugang günstiger werden. Laut Telekom seien die Entwicklungskosten für ENX immens hoch gewesen, und dementsprechend sind die Tarife momentan noch sehr teuer. ,,Wenn ich aber an die ENX-Verbindung zu unseren Werken denke, ist diese günstiger als die bisherige Datendirektverbindung", argumentiert Hannelore Patzwaldt, ,,weil wir da auch keine großen Datenmengen über teuere Bandbreiten auszutauschen haben. Da kommunizieren wir Daten aus dem Brain XPPS-System oder zum Beispiel Daten aus dem Wareneingang für die zentrale Archivierung auf optischen Platten im Stammhaus Dillenburg." Linde + Wiemann nutzt also ENX auch als Intranet, um Daten sicher und schnell auszutauschen und ohne ein eigenes Netz aufzubauen. Auch das Thema Ausfallsicherheit ist hier sehr von Bedeutung; im ENX gibt es - anders als im WWW - garantierte Recovery-Zeiten, in denen Verbindungen stattfinden müssen und können.Kommunikation ist effektiverHannelore Patzwaldt resümiert das ENX-Abenteuer: ,,Der wichtigste Punkt ist, dass die Anforderungen der OEM erfüllt sein müssen, und da gehört ENX dazu; die zu erwartenden Einsparungen hinsichtlich der Reduzierung von Entwicklungszeiten und Logistikkosten können wir heute bei uns noch nicht feststellen. Sicher ist, dass die Kommunikation über ein standardisiertes Netz wie ENX mit n-Verbindungen effektiver und damit langfristig günstiger ist als die vielen Eins-zu-eins-Verbindungen zu jedem Partner." Und wenn der Termin von der Telekom eingehalten wird, dann kommt noch 2001 auch die Anbindung des ENX an das amerikanische Pendant ANX, Advanced Network Exchange, so dass OEM und Zulieferer im Allgemeinen weltweit und Linde + Wiemann im Speziellen mit seinen Werken in Mexiko sicher miteinander kommunizieren können.

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