Export Mit Export Geld verdienen

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldet wieder Rekordzahlen: Im ersten Halbjahr 2006 wurden Waren im Wert von 68,9 Mrd. Euro aus Baden-Württemberg ausgeführt. Dies bedeutet

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Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldet wieder Rekordzahlen: Im ersten Halbjahr 2006 wurden Waren im Wert von 68,9 Mrd. Euro aus Baden-Württemberg ausgeführt. Dies bedeutet ein stattliches Wachstum von fast 15% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Wert der Einfuhren betrug 55,9 Mrd. Euro, was einem Wachstum von über 19% gegenüber dem ersten Halbjahr 2005 entspricht. Seit 1996 liegen damit die Wachstumsraten deutlich über dem längerfristigen Durchschnitt, der für die Exporte bei knapp 7% und bei den Importen bei 8% liegt.

Amerika und Asien legen besonders zu

Die mit Abstand wichtigste Absatzregion baden-württembergischer Exporte ist die Europäische Union, in die Ausfuhren im Wert von 39,4 Mrd. Euro gingen, gefolgt von Amerika und Asien mit 10,7 Mrd. Euro und 8,8 Mrd. Euro. Damit stiegen die Exporte in die EU-Länder um beachtliche 12 %. Dennoch verloren die EU-Länder als Ziele baden-württembergischer Exporte an Bedeutung, weil die Ausfuhren nach Amerika und Asien mit jeweils 20% noch stärker wuchsen.

Das Land, in das die meisten Exporte gingen, waren die USA mit 8,6 Mrd. Euro. Darauf folgen acht Länder aus Euro-pa, die wichtigsten darunter sind die großen EU-Länder Frankreich (6,4 Mrd. Euro), Italien (4,8 Mrd. Euro) sowie das Vereinigte Königreich (4,4 Mrd. Euro). Außerhalb Europas sind neben den USA auch China und Japan mit 2,1 und 1,6 Mrd. Euro bedeutende Absatzmärkte für baden-württembergische Exporte. Unter den zehn wichtigsten Abnehmerländern wuchsen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach China und in die Niederlande mit 33 und 30 % am stärksten. Das geringste Ausfuhrwachstum unter diesen Ländern war mit jeweils 7 % bei Frankreich und dem Vereinigten Königreich zu beobachten.

Wo liegt das Geheimnis des Erfolgs im Auslandsgeschäft? Der Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Ernst Pfister, erzählt: „Einen wichtigen Meilenstein für diese Entwicklung setzte Ferdinand von Steinbeis mit dem Aufbau der von König Wilhelm I. 1848 geschaffenen Zentralstelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart, dem späteren Landesgewerbeamt. Eine wesentliche Aufgabe dieser Einrichtung bestand darin, baden-württembergische Unternehmen über neue Produkte, Technologien und Verfahren zu informieren, sie zur Umsetzung in der Praxis anzuregen und ihre Produkte bei Gewerbeschauen im europäischen Ausland zu präsentieren. Dieser erstmalig systematisch betriebene Technologietransfer wird heute von der am gleichen Ort ansässigen Steinbeis-Stiftung mit ihrem weltweit einmaligen Netzwerk von Transferzentren fortgeführt.“ Schon damals wurde erkannt, das Land kann nur dann wachsen und gedeihen, wenn die Unternehmen mit Export Geld verdienen.

Heute ist Baden-Württemberg International (BWI) das Herz der Außenwirtschaftsförderung. Sie ist die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes. Vor mehr als 30 Jahren von Lothar Späth als „Stiftung Außenwirtschaft“ ins Leben gerufen, unterstützt die Landesgesellschaft in Stuttgart kleine und mittelständische baden-württembergische Unternehmen beim Gang in ausländische Märkte. Die beiden „Herzkammern“ sind die zwei Kerngeschäftsfelder Außenwirtschaft und das Standortmarketing, zu dem seit 2005 auch die internationale Vermarktung des Hochschul- und Forschungsstandorts zählt. Das Standortmarketing ist beispielsweise seit vielen Jahren erfolgreich mit Gemeinschaftsständen auf internationalen Messen wie der Cebit oder der Hannover-Messe vertreten.

Erfolgreiche Kontakt- und Kooperationsbörse

Im Leistungsprofil von BWI – der Gesellschaft für internationale wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit mbH – befinden sich offizielle Messebeteiligungen, Katalogausstellungen, Kontakt- und Kooperationsbörsen, technische Symposien, Wirtschaftsdelegationsreisen mit politischer Begleitung sowie Wirtschaftstage. Das gibt es auch in anderen Bundesländern. Den Unterschied sieht Dr. Herbert Neuland, Geschäftsführer Außenwirtschaft bei BWI, in der intensiver Vorbereitung: „Unser Ziel ist der direkte Kontakt zwischen den heimischen Firmen und den Firmen aus dem Ausland. Das betreiben wir viel tiefer und nachhaltiger als andere Länder. Unsere Kontakt- und Kooperationsbörsen beispielsweise sind so vorbereitet, dass die Gesprächspartner für die baden-württembergischen Firmen quasi handverlesen sind. Das macht uns so schnell keiner nach. Über 60% der Teilnehmer sagen nach einem Jahr, sie hätten über eine solche Börse den richtigen Geschäftspartner gefunden.“

Für den Außenwirtschaftsfachmann steht es außer Zweifel, dass solche Maßnahmen für kleine und mittlere Firmen unabdingbar sind. Auch die durch Politik begleiteten Wirtschaftsdelegationsreisen hält er für wichtig. „Es gibt andere Kulturen, in denen geht nichts ohne den Einstieg über die Politik.“ Außerdem bekommen die Unternehmen auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Gesprächspartner und das zu guten Konditionen: Unternehmen bezahlen im Durchschnitt 30% der eigentlich anfallenden Kosten. Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten 15 Jahren wurden die Markterschließungsprojekte in 34 Staaten mit über 8000 baden-württembergischen und über 25 000 ausländischen Unternehmen durchgeführt und mehr als 30 000 ausländische Kooperationsanfragen in die heimischen Wirtschaft transferiert. BWI muss nicht alles alleine machen. Zur Förderung der Biotechnologie gründete die Landesregierung Ende 2002 die Biopro Baden-Württemberg GmbH als 100-prozentige Landesgesellschaft mit Sitz in Stuttgart. Ihre Aufgabe ist es, als zentrale Anlaufstelle die Stärken des führenden Biotechnologie-Standorts optimal zu positionieren und den Standort zukunftsorientiert zu entwickeln. Schon vor mehr als zehn Jahren gegründet wurde die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Sie hat die Aufgabe, den Standort in den Bereichen Informationstechnologie, Medien und Film zu entwickeln und zu fördern. Die MFG steuert pro Jahr über 100 Projekte für Innovationsförderung und Technologietransfer, Cluster- und Netzwerkmanagement, Standortentwicklung und -marketing – auch international.

Nicht nur die BWI-Gesellschafter unterstützen deren Aktivitäten, jeder von ihnen ist auch aktiv in Sachen Außenwirtschaft (branchen-, themen- oder länderbezogen). Gesellschafter sind der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie e. V. (LVI), die L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg, der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag mit 12 IHKn und der Baden-Württembergische Handwerkstag. Das zeigt, wie viele Facetten die Außenwirtschaftsförderung des Landes hat. Und es fehlen noch der Landesverband des VDMA sowie das RKW Baden-Württemberg, Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft.

Der LVI nutzt etwa BWI als Außenwirtschaftsagentur. Für Wolfgang Wolf muss aber die Außenwirtschaftsförderung künftig noch weiter gehen. „Ein ganz wichtiger Aspekt der Außenwirtschaft ist, dass nach der ersten Kontaktaufnahmen bei einer Kooperationsbörse entstehende Projekte organisiert, begleitet und gemanagt werden“, so das Geschäftsführende LVI-Vorstandsmitglied, Ostfildern: „Das ist die Herausforderung der Zukunft, damit kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich im Auslandsgeschäft sind.“

Mit einem besonderen Pfund kann Baden-Württemberg in der Außenwirtschaftsförderung wuchern. So bieten die vom Land mitinitiierten Deutschen Industrie- und Handelszentren (DIHZ) Hilfe für den Einstieg vor Ort. Dazu werden vor allem mittelständischen Unternehmen Büroräume, Ausstellungsflächen, Konferenz- und Schulungsräume sowie Lagerflächen zur Verfügung gestellt. Ferner gibt es ein großes Angebot an Beratungs- und Serviceleistungen. DIHZ bestehen zurzeit in Yokohama und Shanghai, mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg in Singapur, Peking, Jakarta und in Mexico City. Ergänzt wird das Angebot durch die baden-württembergischen Verbindungs- und Kontaktbüros in China, Russland, Saudi-Arabien und dem Iran sowie durch die Fachinformationszentren in Brasilien und Chile.?

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