Mit Online-Beschaffung Prozesskosten senken
Die Einbrüche der Aktien von Internetfirmen - sogenannte dotcom-Unternehmen - haben es in den vergangenen Monaten deutlich gemacht: Mit dem Internet ist noch kein Geld zu verdienen. Doch das gilt in...
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Die Einbrüche der Aktien von Internetfirmen - sogenannte dotcom-Unternehmen - haben es in den vergangenen Monaten deutlich gemacht: Mit dem Internet ist noch kein Geld zu verdienen. Doch das gilt in erster Linie für den Verkauf per Internet. Wer sich mit dem Thema Beschaffung (E-Procurement) auseinander setzt, kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Elektronische Marktplätze und Internet-Kataloge werden dabei zu den wichtigsten und sich am schnellsten entwickelnden Bestandteilen von E-Business in den Unternehmen. Beispiel Einkauf: In den Großunternehmen ist die Lern- und Testphase bei der Online-Beschaffung vorbei. Spezifizierte Anforderungen für spezielle Produktsortimente werden im Rahmen einer Ausschreibung auf einem virtuellen Marktplatz den potenziellen Lieferanten zur Verfügung gestellt - nicht im offenen World Wide Web, sondern in einem Passwort geschützten Bereich. Für einen bestimmten Zeitpunkt wird eine Auktion angesetzt, bei der bestimmte Spielregeln festgelegt werden. Nicht unbedingt wird der Lieferant mit den günstigsten Preisen zum Zuge kommen, denn Liefersicherheit und Know-how sind ebenso wichtig.Die Nase vorn im ZeitwettbewerbDer Online-Einkauf hat noch einen anderen Vorteil: Viel Geld wird gespart, weil die Prozesskosten für den Einkauf gesenkt werden und die Abwicklung des Einkaufs schneller wird. Fast 280 DM kostet jeder Beschaffungsvorgang, hat die Fraport AG errechnet, die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens. Dabei ist es egal ob es um Kugelschreiber, Schreibtische oder Computer geht - der Einkaufsvorgang ist gleich teuer. Einer der Hauptgründe ist die Formularflut in vielen Betrieben und das umständliche Procedere: Aufträge werden ausgedruckt und zum Händler gefaxt, der die selben Daten wieder in sein System eingeben muss. DankE-Business lassen sich solche Einkaufskosten reduzieren - bei großen und kleinen Betrieben. Schon ein Online-Bestellsystem, gekoppelt mit der Warenwirtschaft, verkürzt den Zeitaufwand bei Bestellungen um etwa 40%. In einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH, München, nannten 30% der Unternehmen Einsparungen bei den Prozesskosten durch Internet-Plattformen zwischen 0 und 5%, bei 20% der Firmen waren es mehr als 20%. Einkäufer halten bis zu 50% Einsparung bei den Prozesskosten in ein paar Jahren für realistisch.Effiziente Lieferwege zum Wohl der KundenProdukte, Preise, Lieferzeiten und andere Konditionen lassen sich per Internet automatisch ermitteln. Dadurch verringert sich nicht nur der durchschnittliche Zeitaufwand für einen Bestellvorgang, auch die Zahl der in einen solchen Vorgang einbezogenen Mitarbeiter kann reduziert werden. Zudem erhöht sich durch den geringeren Verwaltungsaufwand die Transparenz eines Einkaufs insgesamt.Die Ergebnisse decken sich mit einer Studie der Marktforscher von Mummert + Partner unter 300 IT-Beauftragten großer deutscher Unternehmen. 38% sehen in diesem Bereich ein erhebliches Einsparpotenzial und planen entsprechende Investitionen. Als größte Vorteile des E-Procurement nannten die befragten IT-Verantwortlichen vor allem die effizienteren Lieferwege und die Internet-Anbindung von Lieferanten über Business-to-Business- (B2B-)Plattformen. Darum wächst die Anzahl der B2B-Marktplätze. Jeder Marktplatz verfolgt dabei unterschiedliche Zielsetzungen und legt unterschiedliche Schwerpunkte. Daher ist für jedes Unternehmen, welches an den Kosten- und Ertrags-potenzialen partizipieren möchte, unerlässlich, die verschiedenen Marktplätze zu differenzieren und gewissenhaft zu beurteilen. Der Fachverband Antriebstechnik im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) stellte zur Hannover Messe 2001 seinen erweiterten Internetmarktplatz vor. Er bietet die Möglichkeit, nach Produkten und Dienstleistungen der Antriebstechnik zu recherchieren. Zielgruppe sind Konstrukteure und der technische Einkauf, die beide durch dieses Angebot schnell und zielgerichtet Informationen über Produkte, Firmen oder Online-Dienstleistungen der Hersteller von antriebstechnischen Produkten erhalten. Weitere Fachzweige der Investitionsgüterindustrie sollen nach VDMA-Angaben mit eigenen Angeboten folgen: Fluidtechnik, Präzisionswerkzeuge, Bereiche der Fabrikautomation.Vieles ist eine Frage der eingesetzten Zeit,,Der Weg über das Internet zum Kunden ist schneller, direkter, effizienter", nennt Gerhard Eller, Segmentleiter Industrie bei der ContiTech Vibration Control GmbH,Hannover, die Vorteile. Über das Internet können die User online im Warenkatalog blättern. Wer individuelle Details (etwa die Masse der zu lagernden Maschine) angibt, kann sich das für seinen Anwendungsfall geeignete Produkt gleich berechnen lassen und in den elektronischen Warenkorb legen. Für weiterführende individuelle Beratungen ist unverändert der Schwingmetall-Händler vor Ort der Ansprechpartner Nr. 1. Auch der komplette Industrieleitungskatalog von ContiTech Fluid kann über das Internet eingesehen werden. Die großen Einkäufer setzen auf eigene Marktplätze: Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland Autozulieferer von Bosch über Continental bis zu ZF zusammen- geschlossen und TecCom ins Leben gerufen, eine branchenweite Internet-Plattform, die sich vor allem an Kfz-Werkstätten und Großhändler von Automobilteilen richtet. Sie können schon heute über TecCom zeitsparend ihre Bestellungen, Lieferbestätigungen und Rechnungen abwickeln.