„Darf es auch eine gebrauchte sein?“, fragen immer mehr Maschinenbauer ihre Kunden. Das Geschäft mit refurbished Produkten boomt nicht nur für Handys und Tablets, sondern auch für Maschinen und Ersatzteile.
Um ihren Robotern ein zweites Leben zu geben, hat Kuka verschiedene Refurbish-Leistungen entwickelt.
(Bild: Kuka Roboter)
Besser als gebraucht und nachhaltiger als neu. Mit diesem Versprechen werben seit kurzem Plattformen für refurbished Smartphones. Für Maschinen- und Komponentenbauer ist das Alltag. Schon seit Jahrzehnten wollen Betreiber ihre Maschinen und Ersatzteile überholen lassen, wenn sich der Verschleiß bemerkbar macht. Doch nun entdecken immer mehr Maschinenbauer das Refurbishment als Geschäftsmodell für sich.
Ähnlich wie Reparatur oder Retrofit zielt das Refurbishment darauf ab, die Lebensspanne von Produkten und ihren Teilen zu verlängern. Der VDMA grenzt es wie folgt ab: Refurbishment ist umfangreicher als die Reparatur, da sie die Demontage von Produkten und die Inspektion von Teilen und Komponenten beinhaltet, um das gesamte Produkt wieder in einen zufriedenstellenden Arbeitszustand zu versetzen. Es wird auf Funktionalität getestet, kann aber sichtbare Gebrauchsspuren aufweisen. Dies kommt häufig zum Einsatz, wenn das Produkt mehrere Komponenten mit unterschiedlicher Lebensdauer aufweist.
Frederike Krebs, VDMA-Referentin für Umwelt und Nachhaltigkeit, präzisiert: „Für uns ist Refurbishment, wenn eine Maschine nach einigen Jahren im Einsatz zurück an den Originalhersteller oder einen Refurbisher geht. Dort wird sie wieder aufgearbeitet und mit ein paar Updates versehen und anschließend second hand weiterverkauft.“ Wichtig dabei sei laut Krebs, dass die Maschine in ihrem ursprünglichen Zustand mehr oder weniger erhalten bleibt.
„Wird die Maschine jedoch so auf- und umgearbeitet, dass sie eine völlig neue Maschinen mit neuen Komponenten, Funktionsweisen und Einsatzmöglichkeiten wird, dann sprechen wir von Remanufacturing“, ergänzt Felix Prumbohm, VDMA-Referent Produktion, Lean Management, Entwicklung und Konstruktion. Das hat auch rechtliche Konsequenzen. So muss der Originalhersteller oder Remanufacturer beispielsweise eine neue CE-Kennzeichnung vergeben. Was dann auch mehr Potenzial für eine höhere Wertschöpfung biete, so Prumbohm.
Gebraucht, aber ohne Kompromisse bei der Qualität
Was sich per Definition auf dem Blatt Papier leicht abgrenzen lässt, sieht in der tatsächlichen Praxis doch ganz anders aus. Hier werden die Begriffe Reparatur, Modernisierung, Refurbishment und Retrofit teilweise synonym verwendet. In vielen Fällen ergibt es sich erst im Laufe der Beratung oder der Projektierung, wie umfangreich eine Maschine aufbereitet wird. „Wir haben uns für den Begriff „Remanufactured Products“ entschieden. Oberste Priorität hat für uns aber, dass der Markt das Angebot versteht“, erklärt Steffen Winkler den pragmatischen Ansatz von Bosch Rexroth für die Runderneuerung, Wiederverwertung und den Verkauf von Gebrauchtteilen der Antriebs- und Steuerungstechnik. Winkler ist Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions von Bosch Rexroth. Die Bezeichnung „remanufactured“ spiegelt auch die Qualitätsstufe der überholten Produkte wider. „Sie erhalten alle notwendigen Zertifikate und Gewährleistungen und stehen neuen Produkten in nichts nach“, bekräftigt Winkler.
Häufig ist das Thema Refurbishment in der Abteilung Kundenservice angesiedelt. So ist beispielsweise bei Kuka Roboter „Upgrade & Refurbish“ ein zentrales Element des Service-Portfolios. „Bei guter Pflege hat der Kuka-Roboter eine lange Lebensdauer. Manchmal bis zu 18 Jahre“, weiß Karoline Strobl, Director Parts, Repair & Used bei Kuka. Um den Roboter fit für einen zweiten Lebenszyklus zu machen, haben die Augsburger verschiedene Refurbishment-Bausteine entwickelt: Angefangen bei einem Software- und PC-Upgrade über den Austausch von Gewichtsausgleichssystemen bis hin zu einer Komplettüberholung inklusive aller Verschleißteile.
CO2-Bilanz liebt Second-Life-Produkte
Ein in die Jahre gekommener Kuka-Roboter kann aber auch auf anderem Wege ein zweites Leben erhalten:So kauft Kuka seine Roboter zurück, um sie wieder instand zu setzen und die Anlagen anschließend second hand zu verkaufen – inklusive Gewährleistung auf alle Teile. „Diesen Service nutzen vor allem Einsteiger, die auf der Suche nach einer qualitativen und kostengünstigen Lösung sind“, so Strobl.
Aber auch Produzenten, die ihre Produktion möglichst nachhaltig gestalten wollen, setzen gerne auf Secondhand-Maschinen mit einem deutlich geringerem CO2-Footprint. So hat das Designstudio The New Raw zwei gebraucht erworbene Industrieroboter von Kuka so umgebaut, dass sie nun Möbel wie Parkbänke, Strandliegen und andere Objekte in 3D drucken können. Dazu wird der gesammelte Plastikabfall erhitzt und dann als flüssiger Kunststoff in eine neue Form gebracht.
Stand: 08.12.2025
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Die Idee Produkten ein zweites Leben zu geben, ist auch für Bosch Rexroth nicht neu: „Schon seit Jahrzehnten bieten wir für hochwertige Automatisierungstechnik wie Servomotoren oder Antriebsregler an, entweder ein neues Ersatzteil zu liefern oder das Produkt zu überholen“, erklärt Winkler. Bei einem Elektromotor beispielsweise werden sämtliche Verschleißteile, etwa Lager, ausgetauscht. Anschließend wird er gründlich gereinigt. Am Ende erhält der Kunde quasi ein neuwertiges Produkt einschließlich neuer Garantie.
Schnell und nachhaltig: das refurbished Ersatzteil
Nicht selten entscheiden sich Unternehmen für die refurbished Variante aufgrund der schnelleren Lieferzeiten. „Wir sehen aktuell, dass unsere remanufactured Produkte vor allem als Ersatzteil nachgefragt werden. Für eine Neuausrüstung wird eher das neue Produkt gekauft“, erklärt Winkler. Zudem steige bei den Kunden das Bewusstsein, dass Second-Life-Automatisierungstechnik auch auf die Nachhaltigkeit ihrer Produktionslinien einzahlt, weiß der Sales-Chef.
Schon heute ist der Servomotor ein nachhaltiges Produkt, da nahezu alles wiederverwendet wird. Sei es das Aluminium des Gehäuses, das Kupfer der Wicklung oder der Stahl der Welle. Auch die Elektronikbauteile werden wiederaufbereitet. Aber diese Prozesse, etwa das Schmelzen von Stahl, sind sehr energieintensiv. Bosch Rexroth geht nun einen anderen Weg: „Wir kaufen unsere Produkte aus Maschinen zurück, die nicht mehr betrieben werden“, erklärt Winkler. So bleiben die Produkte und Ressourcen viel länger im Kreislauf. Was schlussendlich auch Energie und CO2 einspart.
Die angekauften Produkte, etwa Servomotoren, überholen die Techniker von Bosch Rexroth genauso wie Motoren, die sie von Kunden zur Überholung erhalten. Diese überholten Motoren verkauft der Automatisierer dann als „remanufactured“. Der Vorteil für den Kunden: Er hält ein preisgünstigeres Produkt mit garantierter Qualität, das zudem auch die eigene CO2-Bilanz senkt.
Wenn die Nachfrage nach überholten Produkten steigt, stellt sich die Frage wie finden die Rexroth-Motoren ihren Weg zurück? „Wir wissen natürlich, wo unsere installierte Basis ist. Wir können unsere hochwertigen Produkte bis zum Endanwender zurückverfolgen. Damit sind wir in der Lage, in den Dialog mit den Anwendern zu treten und abzufragen, was mit unseren Produkten passieren soll, wenn sie ausrangiert werden“, erklärt Winkler. „Teilweise kommen sogar Endanwender auf uns zu und fragen, ob wir beispielsweise unseren Motor zurücknehmen wollen.“