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Unternehmensführung

Mit Retropolation methodisch in die Zukunft navigieren

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Wer Trends zu Zukunftsbildern und Zukunftslandkarten verbindet, schafft die Voraussetzung dafür, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Der spezielle Nutzen der Zukunftslandkarte entsteht für die Akteure durch Eindrücke, die sie aus einer simulierten Zukunftsreise mitnehmen: Erarbeitete Szenarien, vernetzte Trends, geführte Diskussionen und gemeinsame Ableitungen verändern das Denken in Zukunftsfragen. Diese erlebten Erfahrungen geben allen Beteiligten dauerhaft ein Bauchgefühl für morgen. So können Chancen und Risiken, die sich daraus ergeben, frühzeitig identifiziert werden. Neue Handlungsoptionen und Geschäftsideen entstehen daraus.

Retropolation verbindet Zukunftsbilder mit Gegenwart

Entfernt liegende Zukunftsbilder werden dabei über die Methodik der Retropolation rückblickend mit der Gegenwart verbunden. Dieser auf den ersten Blick ungewohnte Zeitsprung mit einer Vorausschau in das Jahr 2050, um von dort auf das Jahr 2025 zurückzuschauen, verfolgt das Ziel, allen Beteiligten zusammen einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen. Denn: Solange wir alleine auf unsere persönlichen Erfahrungen vertrauen, laufen wir Gefahr, die Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Diese Sichtweise – Extrapolation genannt – bewährt sich bei relativ kontinuierlichen Entwicklungen, so dem Bevölkerungswachstum.

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Schon beim Telefon funktioniert das Ganze nicht mehr. Warum? Weil 80 Jahre zwischen dem hölzernen Wandtelefon und dem schwarzen Bakelit-Telefon aus Wirtschaftswunderzeiten liegen, aber nur gut 40 Jahre von dort bis zum I-Phone, das vielfältige Funktionen bietet – auch Telefonieren. Mit bloßer Extrapolation, also erfahrungsbasiertem Wissen, ist so ein technischer Quantensprung nicht voraussagbar, mit Retropolation dagegen wird er denkbar. Damit Forschungsbedarf, Anwendungsfelder und Umsatzchancen mittelfristig besser erkannt werden können, hat die Textilbranche als womöglich erster Zweig einen solchen moderierten Blick in das Jahr 2025 geworfen. In der einjährigen Projektarbeit im Auftrag des Forschungskuratoriums Textil (FKT) wurden nach dem Motto „Das Denkbare machen statt das Machbare zu denken!“ für zehn Themenfelder über 250 bewertete Ideen und Lösungsvorschläge entwickelt. Sie umfassen den Einsatz technischer Textilien auf Wachstumsmärkten der Zukunft von Architektur und Bekleidung über Ernährung und Mobilität bis hin zu Produktion/Logistik und Zukunftsstadt. Erste Projektergebnisse wurden in der Strategiebroschüre Perspektiven 2025 veröffentlicht.

Neuartige Wissensbasis für innovationsfreudige Branche

Für das interdisziplinäre Projekt wurde ein Kernteam von zehn Personen gebildet, das den Gesamtprozess steuerte und die Formulierung von Prämissen für Zukunftsbilder im Jahre 2050 erarbeitete. In fünf regional veranstalteten Zukunftsworkshops wurden danach insgesamt über 80 Teilnehmer – Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Verbänden und Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen – in die Bearbeitung der Projektfragestellungen eingebunden. So konnten sowohl Experten, die den Weg in die Zukunft prägen werden, als auch Menschen, die in dieser Zukunft leben werden, mit ihrem Wissen und ihren Zukunftsvorstellungen zu einem umfassenden Panoramablick beitragen.

Mit diesem Herangehen wurde für eine der innovationsfreudigsten Branchen eine neuartige Wissensbasis geschaffen. Sie ermöglicht es Textilunternehmen, aus diesen Vorarbeiten – allein oder mit Expertenbegleitung – in Folgeschritten firmenspezifische Strategien für die Umsetzung in Innovationen und die weitere Geschäftsentwicklung abzuleiten.

* Thomas Strobel ist Geschäftsführer der Fenwis GmbH in 82131 Gauting

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