Täter gefasst! Forscher können Braunglas jetzt mit Strom statt Gas schmelzen

Quelle: TU Freiberg 2 min Lesedauer

An der Technischen Universität Bergakademie Freiberg konnte die Herstellung von braunem Glas nachhaltiger gemacht werden. Das gab es so bisher nicht ...

Was man beim ersten Blick für Vanillepudding mit Himbeersoße halten könnte, erfreut den Gaumen nicht wirklich. Denn hier blickt man auf eine Schmelzwanne, in der Braunglas hergestellt wird. Das Besondere: Das geht jetzt ohne Probleme auch mit Strom, statt, wie bisher, mit Gas ...(Bild:  TU Bergakademie Freiberg)
Was man beim ersten Blick für Vanillepudding mit Himbeersoße halten könnte, erfreut den Gaumen nicht wirklich. Denn hier blickt man auf eine Schmelzwanne, in der Braunglas hergestellt wird. Das Besondere: Das geht jetzt ohne Probleme auch mit Strom, statt, wie bisher, mit Gas ...
(Bild: TU Bergakademie Freiberg)

Braune Gläser werden vor allem für Medikamente und lichtempfindliche Lebensmittel, wie etwa Speiseöle, verwendet. Zur Herstellung wird ein brauner Farbträger (hier Natriumsulfat als Schwefelträger, Eisenoxid und Reduktionsmittel) der Rohstoffmischung, dem sogenannten Glasgemenge, zugegeben. Das Gemenge wird bisher in einer mit Gas beheizten Wanne bei maximal 1.500 °C geschmolzen. Eine rein elektrische Beheizung der Wanne ist nach aktuellem Stand der Technik noch nicht industriell machbar – insbesondere die Stabilität der Farbe und der Gemengedecke, die für stabile Prozessbedingungen entscheidend ist, bremst das aus, heißt es. Und wenn man Braunglas aber mit Gas herstellt, dann entstehen nach Aussage der Experten von der TU Freiberg rund 580.000 Tonnen CO2 pro Jahr. In Freiberg hat man aber nun das Schmelzverfahren, das nur aus Strom seine Energie bezieht, erfolgreich für die Produktion von Braunglas weiterentwickeln können. Im Labormaßstab hat das auch schon funktioniert. Wird dazu noch grüner Strom genutzt, freut das die Umwelt noch mehr, heißt es.

Strombasierte Braunglasherstellung ohne Hindernisse

In einer folglich vollelektrischen Schmelzanlage im Technikummaßstab ist es einem Team des Instituts für Glas- und Glastechnologie der TU Bergakademie Freiberg nämlich, diejenigen Faktoren zu identifizieren, die bisher verhinderten, dass der Farbträger in der elektrischen beheizten Glasschmelzwanne zuverlässig für die Braunfärbung sorgen konnte. Dabei kommt in der Anlage das sogenannte „Cold Top“-Verfahren zum Einsatz. Die Erklärung dazu: Eine isolierende Schicht aus kühlem Gemenge liegt wie ein Deckel auf der glühenden Schmelze. Das spare zwar massiv Energie, mache es aber deutlich komplizierter, die chemischen Reaktionen und das Entweichen von Gasen im Inneren präzise zu steuern. Eine spezielle Zusammensetzung aus Farbträger, Reduktions- und Läutermittel habe sich dabei für die zuverlässige Bildung des Braunfarbkörpers als ideal erwiesen. Das Verhältnis der Gemengezugaben unterscheide sich dabei deutlich vom bisherigen. Im Labor zeigte sich dann, dass einheitlich gefärbtes Braunglas auch so zuverlässig und in hoher Qualität herstellbar ist. Gleichzeitig konnte die sogenannte kalte Gemengedecke stabilisiert werden. Das neue Verfahren wird nun in Kooperation mit Industriepartnern getestet.

(Das Projekt 01IF22664N wurde von Januar 2023 bis Januar 2026 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.)

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