Wenn die Produktionsmitarbeiter von Thales Deutschland längst in ihren Betten liegen, herrscht rege Betriebsamkeit in der Ulmer Söflinger Straße 100: Denn dann hat ein UR-Cobot die dritte Schicht an einer Fräsmaschine übernommen.
Nachts übernimmt bei Thales ein UR-Cobot die dritte Schicht an der CNC-Maschine, um die hohe Nachfrage nach Satellitentechnik zu bedienen.
(Bild: Thales)
Schönreden hilft nicht: „Automatisierung war für uns die einzige Lösung.“ Marc Prestele, verantwortlich für die mechanische Fertigung bei Thales Deutschland in Ulm, spricht aus, was viele seiner Berufskollegen in seiner Branche umtreibt: „Es ist fast unmöglich, neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter für die Bedienung von Fräsmaschinen zu finden.“
Thales ist ein weltweit agierendes Hightech-Unternehmen, das in digitale und Deep-Tech-Innovationen wie Konnektivität, Big Data, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Quantentechnologie investiert. Das Unternehmen bietet Lösungen, Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, Transport sowie digitale Identität und Sicherheit. So gilt Thales beispielsweise als Weltmarktführer für Wanderfeldröhren-Verstärker.
Auch hier bleibt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen in der produzierenden Industrie. Ein Dauerzustand, der beim internationalen Thales-Kompetenzzentrum für Raumfahrtkomponenten und Subsysteme im Laufe der Zeit zum Umdenken geführt hat: Um die anhaltend hohe Nachfrage nach Wanderfeldröhren-Verstärkern für den Einsatz in Raumfahrtanwendungen wie geostationären Satelliten befriedigen zu können, musste sich Thales nach Alternativen umsehen.
Nächtliches Duo: UR-Cobot und Fräsmaschine
Gemeinsam mit dem Systemintegrator für Robotikanwendungen Voith Robotics entstand ein neues Konzept. Prestele: „Ein Cobot sollte die Fräsmaschine in der Nacht automatisch bedienerlos beladen.“ Anstatt die CNC-Maschine wie bisher mit Mitarbeitern im Zweischichtbetrieb beschicken zu lassen, sollte das Fräsen künftig mithilfe eines Cobots im Dreischichtbetrieb erfolgen. Der Plan: In den Tagesschichten entfernen die Bediener das System von der Maschine, um sie manuell zu beladen, während nach Feierabend der Cobot aktiv wird.
„Wir haben den Markt sondiert und uns schließlich für einen kollaborierenden Roboter von Universal Robots entschieden“, erinnert sich der Thales-Verantwortliche. „Die Cobots des dänischen Weltmarktführers sind für ihre Leistungsfähigkeit bekannt und haben sich in der Praxis bewiesen“, skizziert Prestele ein Kernkriterium. „Wir haben uns für einen UR10e ausgesprochen. Er wies in Sachen Traglast und Reichweite das beste Leistungsverhältnis auf, denn die Reichweite war für den Einsatz besonders wichtig.“
Beim Anbieter für Satellitentechnik Thales lastet der Dreischichtbetrieb die CNC-Maschine um 50 Prozent stärker aus als die Produktion in zwei Schichten ohne Cobot.
(Bild: Thales)
Cobot und Greifer arbeiten Hand in Hand
Thales implementierte gemeinsam mit dem Integrator ein mobiles System aus Cobot und dem Greifer Hand-E von Robotiq mit Kraftmessung vor der Fräsmaschine. „Die hohe Sensitivität des UR10e und eine spezielle Führung am Greifer ermöglichen es, dass sich das Robotersystem eigenständig kalibriert und die Beladeposition in der Maschine erkennt“, erklärt Thomas Meier, Verantwortlicher für die Integration bei Voith Robotics.
Und so ist die Applikation angelegt: Der Greifer des Cobots öffnet und schließt die Türen der Fräsmaschine, während eine Greifer-Erweiterung den Werkzeugträger spannt, entspannt und positioniert. Die zusätzliche Kraftmessung erlaubt dabei das Greifen der Spanner sowie Teile und erkennt, wann ein Platz für ein Werkstück leer ist. In dem Moment, in dem die Spanner aufgenommen werden, bewegt sich der Roboter nicht. Daher kann die durch den integrierten Kraft-Momenten-Sensor gemessene Torsion in den Roboter-Achsen für diese Anwendung nicht genutzt werden. Weil das mobile System nur knapp 33 Kilogramm wiegt, lässt es sich Meier zufolge „problemlos beiseitestellen, wenn der menschliche Bediener seine Tagesschicht beginnt“.
Thales-Manager Prestele unterstreicht indes den wirtschaftlichen Aspekt der Implementierung. Thales habe mit dem Cobot das Kunststück fertig gebracht, die Produktion trotz fehlender Fachkräfte deutlich zu erhöhen: „Mit dem UR10e konnten wir das Produktionsvolumen der Fräsmaschine ausweiten. Durch den Dreischichtbetrieb ist die Maschine um 50 Prozent stärker ausgelastet. Gleichzeitig haben wir die Stückkosten gesenkt und die Flexibilität enorm erhöht.“ Ebenfalls ein Gewinn: Der ursprüngliche Plan, aus Kapazitätsgründen zwar eine weitere Maschine anschaffen zu müssen, jedoch ohne zu wissen, woher die Bediener dafür kommen, konnte fallengelassen werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Weil Fachkräftemangel herrscht, nutzt Thales in Ulm ein mobiles System mit Cobot, um eine Fräsmaschine automatisch zu beladen.
(Bild: Thales)
Bereits zwölf Monate nach dem Projektstart arbeitete der Anbieter von Satellitentechnik mit einen Robotersystem, das sich Prestele zufolge zudem binnen zehn Monaten amortisierte. Thales denkt nun an die nächsten Schritte. Konkret geplant ist aktuell eine Investition in weitere Spannmittel. Dadurch lässt sich das von der Fräsmaschine zu bearbeitende Spektrum an Teilen von sechs auf zehn erweitern. Auch für zukünftige Anwendungsfelder und sind Cobots von Universal Robots angedacht. Und weil der Fachkräftemangel voraussichtlich noch anhalten wird, könnten sich die Cobots auch als Vertretungslösung eignen. Fertigungsleiter Prestele: „Wir überlegen, den UR10e auch an anderen Arbeitsstationen einzusetzen, wenn zum Beispiel mal ein Mitarbeiter krank ist, oder die maschinelle Hilfe beim Reinigen und der Montage in Anspruch zu nehmen“.
* Andrea Alboni, General Manager Western Europe, Universal Robots