Werkzeugmaschinenbau in China Neue Wege mit strategischen Innovationen gehen

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Werkzeugmaschinenwelt hat ein neues Zentrum: China ist nicht nur der größte Absatzmarkt, sondern auch der größte Produktionsstandort. Mehr über die aktuellen Entwicklungen verrät Guan Xiyou, Vorsitzender des Aufsichtsrats des weltgrößten Werkzeugmaschinenherstellers Shenyang Machine Tool Group, im Interview.

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„Den Anspruch, deutschen Produkten Wettbewerb zu machen, stellen wir erst einmal hintan“, sagt Guan Xiyou, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Shenyang Machine Tool Group.
„Den Anspruch, deutschen Produkten Wettbewerb zu machen, stellen wir erst einmal hintan“, sagt Guan Xiyou, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Shenyang Machine Tool Group.
(Bild: Shenyang Machine Tool Group)

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit des chinesischen Werkzeugmaschinenbaus im weltweiten Vergleich und im Vergleich zu Deutschland?

Guan: Wir chinesischen Werkzeugmaschinenhersteller haben uns jahrzehntelang auf die chinesischen Kunden fokussiert. Unser Land ist groß, der Nachholbedarf ist groß, somit auch der Markt. So war das durchschnittliche industrielle Niveau im Land die Messlatte für den Wettbewerb. Folglich gab es für Chinesen nicht die Notwendigkeit, auf Weltniveau zu produzieren. Erst durch die rasante Öffnung unseres Landes in den letzten Jahren haben wir die Notwendigkeit erkannt und den Ehrgeiz entwickelt, auch für Weltmärkte Maschinen zu produzieren. Im Universalbereich sind wir schon in der Lage, Maschinen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu liefern. Den Anspruch, deutschen Produkten Wettbewerb zu machen, stellen wir erst einmal hintan.

Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer haben es 2013 gegen den Trend geschafft, ihre Exporte nach China zu steigern. Wie erklärt sich dieser Erfolg?

Guan: Deutsche Produkte sind für uns meisterhaft. So werden insbesondere in kritischen Investitionsphasen deutsche Produkte bevorzugt. Die entscheidenden Faktoren für diesen hohen Stellenwert sind die Produkt- und die Servicequalität. Die deutschen Hersteller haben in den letzten Jahren auch ihre Präsenz in China erheblich verbessert. Sie haben sowohl Produktionsstätten errichtet als auch die Engineeringkapazität erhöht.

Wollen Sie mit der Shenyang Machine Tool Group weitere Maschinenbauer zukaufen, vielleicht sogar in Deutschland?

Guan: Wir haben schon seit 2004 den namhaften Werkzeugmaschinenhersteller Schiess in unserer Gruppe. Somit haben wir eine hervorragende Plattform für unsere Aktivitäten außerhalb Chinas. In den letzten Jahren haben wir auch in Deutschland geprüft, ob wir weitere Firmen aufkaufen sollten. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, die homogene Struktur unserer Gruppe beizubehalten und unsere finanziellen und personellen Ressourcen für organisches Wachstum aus eigener Kraft zu verwenden.

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