Automobilindustrie Opel-Stammsitz soll verkauft werden

Von Jens Rehberg

Stellantis will einen Großteil des Rüsselsheimer Opel-Geländes mit einer Fläche von fast 180 Fußballfeldern versilbern. Laut dem „Handelsblatt“ sorgt das nicht nur bei der Stadt für Unmut.

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Zu verkaufen: Das Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim.
Zu verkaufen: Das Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim.
(Bild: Rehberg / VCG)

Weil das mittlerweile viel zu große Opel-Areal in Rüsselsheim „maximal ineffizient“ sei, plant Stellantis offenbar, den Großteil des Geländes zu verkaufen. Dies will das „Handelsblatt“ aus Branchenkreisen erfahren haben. Auch der neue „Green Campus“, in dem der Hersteller in drei Jahren Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie den Deutschland-Vertrieb zusammenziehen will, könnte demnach verkauft werden, ebenso wie das Adam-Opel-Haus. Diese Flächen könnte der Autobauer dann wieder anmieten – allein die Produktionshallen sollen bei Opel bleiben.

Einige kleinere Flächen habe der Hersteller bereits an Ikea und Segula verkauft – jetzt komme nach Ansicht der Wirtschaftszeitung „der ganz große Ausverkauf“. Stellantis bestätigte dem Blatt, dass man für die neue Firmenzentrale ein Sale-and-lease-back-Modell prüfe. Damit könnte der Hersteller einen Teil der geplanten Umbaukosten wieder hereinholen.

„Neue Ära der Lebendigkeit“

Stellantis-Personalchef Ralph Wangemann sagte dem Blatt, Die Belegschaft könne sich auf „eine tolle Umgebung mit modernster Arbeitsausstattung“ freuen. Mitarbeiter befürchten jedoch offenbar, dass damit der Großteil der heutigen Büroarbeitsplätze verschwindet. Die neuen Räume seien so knapp bemessen, dass es den Schluss nahelege, Opel wolle mit dem Umbau seiner Zentrale ein weiteres Mal Hunderte Stellen streichen. Stellantis halte dagegen, im Rahmen einer „New Era of Agility“ könnten die Mitarbeiter bis zu 70 Prozent ihrer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen.

„Todesstoß fürs Engineering“

„Unsere Aktivitäten werden systematisch heruntergefahren“, zitiert das „Handelsblatt“ einen Opelaner. Was nun in der Entwicklung passiere, gleiche einem „Todesstoß fürs Engineering“. Denn mit dem Umzug in die neue Zentrale werde das einstige Entwicklungszentrum ITEZ faktisch aufgegeben.

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung verfolge Opel bei seinen Technikern und Ingenieuren noch immer verstärkt eine „Outsourcing-Strategie“, um Kostennachteile in Deutschland auszugleichen – dies sei durch interne Präsentationen belegt. Entwicklungsarbeiten aus Rüsselsheim sollten demnach nach und nach an günstigere Konzern-Standorte verlagert werden.

Andererseits solle Rüsselsheim im Gegenzug als Produktionsstandort gestärkt werden – nicht zuletzt durch den neuen Astra, für den gerade mehrere Millionen Euro in die Fertigung vor Ort investiert wurden.

Der Makler hat schon zu tun

Laut dem Bericht bekommt der vom Hersteller beauftragte Immobilienmakler bereits die ersten Angebote für die angebotenen 128 Hektar Opel-Land.

Diesen Komplettverkauf kritisieren Lokalpolitiker offenbar als „verantwortungslos“. Denn auf dem Opel-Gelände gebe es auch Flächen mit Sanierungsbedarf – etwa ein Grundstück, auf dem das Grundwasser nach einem lange zurückliegenden Zwischenfall bis heute von chemischen Rückständen gereinigt werden muss. So steht die Befürchtung im Raum, dass einige gute Lagen mutmaßlich schnell entwickelt würden, andere Flächen aber jahrzehntelang brach liegen könnten.

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