Konjunkturkrise Parken in Transfergesellschaften verhindert berufliche Neuorientierung Arbeitsloser

Redakteur: Jürgen Schreier

Die Bonner Wirtschaftsakademie (BWA) spricht sich gegen das „Parken“ von Beschäftigten in Transfergesellschaften während der Wirtschaftskrise aus, wie es unter anderem vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und der IG Metall vorgeschlagen wird.

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„Vorschläge zur Erweiterung des Beschäftigtentransfers, wonach entlassene Mitarbeiter angesichts der Wirtschaftskrise in Transfergesellschaften geparkt und anschließend in den alten Betrieb zurückkehren können sollen, sind keine Lösung, Arbeitsplätze langfristig und sinnvoll zu sichern“, meint Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschaftsakademie (BWA).

Nach Erfahrung des Bonner Arbeitsmarktexperten geht die Diskussion um die Einrichtung staatlich kontrollierter Transfergesellschaften in die falsche Richtung. Dadurch werde die notwendige berufliche Neuorientierung systematisch unterdrückt. Zur Rettung von Arbeitsplätzen in der Wirtschaftskrise hält die BWA andere Maßnahmen für wesentlich geeigneter.

Transfergesellschaften sollen durch aktives Coaching betriebsbedingt gekündigte Mitarbeiter bis zu zwölf Monate für ihre berufliche Neuorientierung qualifizieren und an einen neuen Arbeitgeber vermitteln. Nach Vorstellungen von Gesamtmetall und IG Metall jedoch würden entlassene Mitarbeiter in Transfergesellschaften geparkt, in der Hoffnung danach ihre Arbeit im selben Betrieb wieder aufnehmen zu können.

Kein wesentlicher Unterschied zur Arbeitslosigkeit

„Diese Hoffnung jedoch ist trügerisch, rückwärtsgewandt und vertane Zeit, denn sie stellt Beschäftigte auf eine Zukunft in alten Unternehmen ein, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben wird. Notwendige Neuorientierungen bezüglich der persönlichen Qualifikation oder Mobilität setzen viel zu spät ein“, kritisiert Müller. Nach Meinung des BWA-Chefs unterscheidet sich die von den Tarifparteien geforderte Öffnung der Transfergesellschaft kaum von der Arbeitslosigkeit.

Berufliche „Entwertung“ in kurzer Zeit

Die Mitarbeiter sind dem Arbeitsprozess gänzlich entzogen und sitzen mit Ausnahme der Fortbildungszeit zu Hause mit de Folge, dass es dann auch keine vermittlungsorientierte Unterstützung gibt. Unter diesen Bedingungen würden sie angesichts des schnellen technischen Fortschritts in kürzester Zeit beruflich komplett entwertet. Ihnen fehle die Anbindung an betriebliche Ressourcen wie Datenbanken und Fachzeitschriften, der Austausch mit Kollegen, Lieferanten und Kunden sowie praktische Erfahrungen bei konkreten Entwicklungen, so BWA-Geschäftsführer Müller.

Besser Kurzarbeit als Parken in Transfergesellschaften

Die BWA schlägt vor, dass die Bundesagentur für Arbeit bei konjunktureller Kurzarbeit besser 100% der Sozialversicherungsbeiträge erstatten solle, ohne Zwang zu überbürokratisierten Qualifizierungen. Das sei eine praktikable Lösung, gebe es doch keinen grundsätzlichen Unterschied in der Berechnung von konjunkturellem und Transferkurzarbeitergeld. Dadurch würden die Personen bei gleicher finanzieller Belastung Beschäftigte des jeweiligen Unternehmens bleiben, was kein Ansteigen der Arbeitslosenquote bedeutet.

Die bundesweit tätige Bonner Wirtschaftsakademie ist seit mehr als zehn Jahren als Spezialist für Arbeitsmarktprogramme wie Beschäftigtentransfer und Transfersozialplan, Personalberatung und Training sowie Arbeitsvermittlung und Outplacement tätig. Die BWA versteht sich als neutraler Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zum Vorteil der Arbeitnehmer und bietet ein bundesweit einzigartiges Verfahren an, um notwendige Änderungen im Personalbereich einvernehmlich vorzunehmen.

Mit Hilfe der BWA haben mehr als zehntausend Arbeitnehmer eine neue berufliche Zukunft gefunden. Das Spektrum reicht von der Gründung eines eigenen Unternehmens über die Vermittlung von Führungspositionen bis hin zum Projekt „Perspektive 50 plus“ zur Eingliederung älterer Arbeitnehmer.

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