Werkstoffe

Preisauftrieb zwingt Edelstahlindustrie zur Neuorientierung

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Um diesen Abstand unter Kontrolle zu halten, werden zunehmend preiswertere Rostfrei-Güten mit geringerem Nickelgehalt oder Chromgüten ganz ohne Nickel angeboten. Andererseits ist zumindest auf längere Sicht eine Entspannung bei den Rohstoffkosten in Sicht. Denn die Rohstoffhersteller verwenden das heute verdiente Geld, um neue Kapazitäten aufzubauen. Nur dauert es halt einige Jahre, bis die zusätzlichen Rohstoffmengen für Entspannung am Markt und geringere Preise sorgen.

Edelstahl-Hersteller bauen Kapazitäten aus

Die Edelstahl-Hersteller setzen jedenfalls weiter auf Marktwachstum und investieren deshalb in neue Kapazitäten. Aktuelles Beispiel dafür ist das neue Werk von Thyssen-Krupp in den USA. Dazu Jürgen Fechter, Mitglied des Vorstands der Thyssen-Krupp AG und Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp Stainless AG: „Ein Meilenstein für ThyssenKrupp Stainless und ein Herzstück unserer Segmentstrategie stellt fraglos unser Engagement in Alabama mit dem geplanten Rostfrei-Werk im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts mit Thyssen-Krupp Steel dar“. Kernstück des neuen Werkskomplexes ist der Bau einer Warmbreitbandstraße mit einer Kapazität von 5,2 Mio. t im Jahr.

Auf ihr sollen 3 Mio. t Brammen aus dem neuen Stahlwerk CSA in Brasilien sowie 1 Mio. t Edelstahlbrammen verarbeitet werden. Mit dem Direkteinstieg in die USA soll das Geschäft in Nordamerika nachhaltig ausgebaut werden. Schon jetzt hat die Stainless-Gruppe, ihr Investitions-Anteil an dem Gesamtprojekt beläuft sich auf rund 840 Mio. Euro, allein in den USA einen Marktanteil von über 10%.

Der finnische Hersteller Outokumpu, Espoo, investiert 550 Mio. Euro in die Produktion von Spezialgüten aus rostfreiem Stahl in sein schwedisches Avesta-Werk. Die Investition soll bis 2010 die Endproduktkapazität von gegenwärtig 250 000 t auf rund 650 000 t erhöhen. Dies betrifft hauptsächlich Duplexgüten, deren Nachfrage laut Outokumpu schneller wächst als die nach rostfreien Standardgüten. Das jährliche Wachstum wird auf über 20% geschätzt. Rostfreier Duplexstahl zeichnet sich durch eine gute Korrosionsbeständigkeit und eine hohe Festigkeit bei gleichzeitig niedrigem Nickelgehalt aus. Die hohe Festigkeit des Materials ermöglicht den Einsatz dünneren Materials und ermöglicht so beträchtliche Einsparungen bei den Materialkosten.

Über 300 Mio. Euro investieren die Finnen zudem in ihr Werk im heimischen Tornio. Die Produktionsanlage soll hoch qualitative, ultra-reinen ferritische Stahlgüten mit niedrigem Kohlenstoff- sowie Stickstoffgehalt sowie blank-geglühte Austenite und Ferrite herstellen. Ebenfalls in Tornio wird eine neue Blankglüh- und Kaltwalzanlage gebaut, die die Herstellung von austenitischen und ferritischen blankgeglühten Produkten mit einem jährlichen Volumen von über 100 000 t ermöglicht.

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